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Das Standortkommando Frohsinn

Zu Hause in... Groß Glienicke Das Standortkommando Frohsinn

Der wenige Jahre vor der Wende gegründete Carnevalsclub CC Rot-Weiß Groß Glienicke hält auf einem ehemaligen Militärgelände die Stellung und befeuert das Dorfleben. Am 11.11. ist es wieder soweit: Das närrische Volk wird sich in der Preußenhalle versammeln, um Prinzessin Franziska, Prinz Alexander und den ganzen Elferrat hochleben zu lassen.

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Der CC Rot-Weiß Groß Glienicke feiert traditionell in der Preußenhalle – hier die Funkenmariechen im vergangenen Jahr.

Quelle: Julian Stähle

Groß Glienicke. Als 1937 in einem Waldstück bei Groß Glienicke, die heutige Preußenhalle für die hier einst stationierte Panzerabteilung der Wehrmacht gebaut wurde, hätten sich die Herren Offiziere scheckig gelacht, wenn man ihnen prophezeit hätte, dass dort in einigen Jahren die Rote Armee, dann eine deutsche Grenzkompanie und gewissermaßen als Krönung dieses Irrwitzes ein Carnevalsverein einziehen würde. Die Geschichte des heute in der Preußenhalle beheimateten Carnevalsclubs Rot-Weiß Groß Glienicke beginnt allerdings nicht auf dem Kasernengelände der DDR-Grenztruppen sondern im legendären Restaurant „Badewiese“ am Groß Glienicker See. Ursprünglich wollten die durch Mauerbau und Grenzregime gebeutelten Bewohner des Ostteils Groß Glienicke einen Tanzkulturverein gründen, um der staatlich verursachten Einöde des Ortes etwas Lebensfreude entgegenzusetzen. Das gelang dann 1985, als die erforderliche Genehmigung, samt sogenannter „Einstufung“ durch die behördlichen Kulturwächter, erteilt wurde.

Schnell wandelte sich das Projekt und die feierlaunige Truppe um den 1. Präsidenten des CC Rot-Weiß, Ralf Lehmann, beschloss, dem reinen Tanzvergnügen eine weitere Dimension hinzuzufügen und den erhofften Spaß zu optimieren. Mit vereinter Kraft und DDR-typischem Organisationstalent schafften es die vom Bazillus des grenzenlosen Frohsinns befallenen Gründungshelden punktgenau zum 11.11. 1986 in der Dorfkneipe „Badewiese“, an der Hinterlandmauer des Grenzgebiets, den Carnevalsclub Rot-Weiß zu gründen. Noch heute kursiert die Geschichte, dass ein Defa-Beschäftigter als Gegenleistung für einen Automotor die notwendigen Stoffe und Dekomaterialien besorgte.

Appell der Grenztruppen in den 1970er Jahren vor der Preußenhalle

Appell der Grenztruppen in den 1970er Jahren vor der Preußenhalle.

Quelle: Privat

Die vom ersten Prinzenpaar, Prinzessin Gabi und Prinz Bernd, erfolgreich aufgeputschten märkischen Jecken erzeugten einen gewaltigen karnevalistischen Initialschub, der bis in heutige närrische Tage ungebremst anhält. Ein Spruch aus fernen Zeiten bietet eine schlüssige Erklärung für dieses Phänomen: „Kehrt man in die Badewiese ein, muss man schon recht närrisch sein!“ Tatsächlich kam es einem mittelschweren Wunder gleich, dass es die Staatsmacht damals zuließ, in der „Badewiese“ Karneval zu feiern, denn die vergitterten Saalfenster stießen ja direkt an die Mauer.

Einen ungeahnten Aufschwung erlebte die gesamtdeutsche Narrenbewegung am 9. November 1989 als ein als SED-Politbüro-Mitglied getarnter Jeck die Öffnung der Mauer mit dem Satz: „Das gilt ab sofort!“ befahl. Den ersten Kontakten mit den auf der anderen Seeseite wohnenden Spandauer Spaßvögeln folgten Abstecher in das von Narren hochgelobte Köln. Mit dem Mauerfall fielen aber auch die Hemmschwellen bei der Eigentumssortierung. 1994 brannte die in einen Rückübertragungsstreit befindliche „Badewiese“ unter rätselhaften Umständen ab und mit ihr das komplette Hab und Gut des Vereins: Kostüme, Perücken, Vereinschronik. Die heimatlos gewordenen Karnevalisten resignierten nicht, sondern zogen geistesgegenwärtig in die leer stehende abgewirtschaftete Preußenhalle. In monatelanger Fleißarbeit schafften sie es, die Halle umzufunktionieren. Stühle und Tische borgte man sich zusammen und so wurde der 11. 11. 1994 zum Starttag für den wiederauferstandenen Klub.

Nicht nur die Akteure auf der Bühne sind in fantasievollen Kostümen unterwegs

Nicht nur die Akteure auf der Bühne sind in fantasievollen Kostümen unterwegs. Auch das Publikum lässt sich nicht lumpen. Mit Kätzchen und Knastschwestern feierte der CC Rot-Weiß Groß Glienicke zum Beispiel im Jahr 2004.

Quelle: Christel Köster

Wer heute die Halle betritt kommt aus dem Staunen nicht heraus. Das Team um den Präsidenten Matthias Völker, Finanzministerin Andrea Kluge und Ministerin für Schriftverkehr Susann Gustke, hat die Halle inzwischen zu einem Zentrum des Dorflebens entwickelt. So wird sich auch am kommenden 11.11. in den fantasievollen Kulissen der Preußenhalle das närrische Volk versammeln um Prinzessin Franziska, Prinz Alexander und den ganzen Elferrat hochleben zu lassen.

Frauentag und Männerballett

Der CC Rot-Weiß Groß Glienicke besteht aus zirka 40 erwachsene Narren und 70 Kindern und Jugendlichen.

Neben drei Kinder- und Jugendtanzgruppen gibt es eine Minigarde für die Vier- bis Sechsjährigen sowie eine Frauentanzgruppe und ein Männerballett.

Der CC Rot- Weiß führt jährlich zwölf Veranstaltungen durch. Beliebt sind auch die Frauentagsfeier, der Kinderfasching sowie ein Weihnachtsmarkt und die diversen sportlichen Aktivitäten.

Trainings- und Kontakt-Treffpunkt ist jeweils Donnerstag um 19 Uhr die Preußenhalle in der Waldsiedlung Groß-Glienicke Heinz-Sielmann-Ring 65

Von Lothar Krone

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