Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Das Suchtrisiko für Männer ist höher
Lokales Potsdam Das Suchtrisiko für Männer ist höher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 13.05.2017
Spielen, bis nichts mehr geht. Quelle: ZB
Anzeige
Potsdam

Gerade hat das Potsdamer Amtsgericht einen Mann verurteilt, der aus seiner Drogen- und Spielsucht heraus zum Serieneinbrecher wurde und überall in der Landeshauptstadt Keller geplündert hat. Der 30-Jährige sagte aus, dass er allein versuchen möchte, seine Sucht zu besiegen. Dabei gibt es Hilfsangebote.

So erhalten Suchtkranke und Suchtgefährdete bei der Salus-Ambulanz auf dem Campus des Klinikums Unterstützung. Sie ist Montag bis Donnerstag, 9 bis 17 Uhr geöffnet und unter 0331/887 10 49 11 zu erreichen. Robert Schöneck ist leitender Psychologe in der Salus-Klinik Lindow und ein Experte im Bereich des pathologischen Glücksspiels und PC- und Internetgebrauchs.

Im geschilderten Gerichtsfall gehen Drogen- und Spielsucht Hand in Hand: Ein typisches Beispiel?

Wir sprechen hier von Komorbidität – das ist tatsächlich häufiger der Fall. Studien gehen von 25 Prozent derer aus, die von einer substanzabhängigen Erkrankung wie einer Drogen- oder Alkoholsucht betroffen sind.

Alkohol, Drogen, das Internet – wo rangiert die Spielsucht?

Die Betroffenen machen circa 1 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Der Anteil der Alkoholabhängigen ist deutlich höher, der der Drogensüchtigen niedriger.

Gibt es besonders anfällige Menschen?

Eindeutig das männliche Geschlecht. Die Wahrscheinlichkeit, für Männer, an einer Glücksspielsucht zu erkranken, liegt fünfmal höher als bei Frauen. Wer aus schwierigen sozialen oder finanziellen Verhältnissen kommt, hat ebenfalls ein erhöhtes Risiko. Auch der Migrationshintergrund spielt eine Rolle – wobei zu bemerken ist, dass dann oftmals auch die zuvor erwähnten Kriterien erfüllt sind.

Ab wann spricht man von einer Sucht?

Beim Glücksspiel haben wir klare Kriterien. Etwa wenn jemand wiederholt spielt, obwohl er nur noch Verluste einfährt. Wenn die Familie und der Arbeitsplatz leiden. Wenn sich der Alltag nur noch ums Spielen dreht und alles darauf ausgerichtet wird. Wenn man die Kontrolle verliert und sich Geld leiht oder sich Geld mit unlauteren Mitteln besorgt, um weiterspielen zu können. Wir kennen auch Entzugserscheinungen – Unruhe, Gereiztheit.

Wie lange dauert es, bis sich die Glücksspielsucht einstellt?

Wir wissen von sehr schnellen Verläufen. Für junge Betroffene unter 18 genügen Monate, bis sich ein abhängiges Verhalten einstellt. Bei älteren dauert es ein, zwei Jahre, selten länger. Die meisten Patienten sind zwischen 25 und 35 Jahre alt und so deutlich jünger als Alkoholkranke, bei denen der Schwerpunkt bei 45 bis 55 Jahren liegt. Aber: Nicht jeder, der mal spielt, wird abhängig. Dazu tragen viele Faktoren bei. Wichtig ist die Gewinnerfahrung: Wer anfangs einmal hoch gewonnen hat, für den ist das Risiko größer. Das Spiel wird aus dem Wunsch heraus, den Gewinn zu wiederholen, fortgesetzt. Mit jeder Niederlage wächst das Bedürfnis, die Niederlage auszugleichen – der Teufelskreis des Glücksspiels.

Der Angeklagte sagte, dass er sich noch nicht zu einer Therapie durchringen konnte – was hält Betroffene ab, sich Hilfe zu suchen?

Die Gründe sind sehr individuell. Man kann aber sagen, dass lediglich 23 Prozent der Glücksspielbetroffenen in irgendeiner Form Hilfe in Anspruch nehmen – und noch viel weniger in eine adäquate Behandlung gehen. Bei dem einen fehlt der Glaube daran, dass ihm überhaupt geholfen werden kann. Wieder andere hoffen darauf, sich selbst kontrollieren und aufhören zu können und sind dann umso demoralisierter, wenn sie es nicht schaffen. Wieder andere haben vielleicht nicht verstanden, dass sie unter einer psychischen Erkrankung leiden und haben Angst vor Stigmatisierung. Alle Ursachen sind auch für uns Therapeuten nicht immer zu erfassen. Die Angst, das Gesicht zu verlieren, spielt sicher eine wichtige Rolle.

Wie sieht eine Therapie aus?

Zunächst sollte man sich bei einer Suchberatungsstelle melden. In Gesprächen wird dort festgestellt, ob eine behandlungswürdige Problematik vorliegt oder ob schlichtweg Lebenshilfe zu leisten ist. Wird eine Behandlungsbedürftigkeit festgestellt, ist eine stationäre Behandlung in einer Klinik immer die Empfehlung, da es in diesem geschützten Raum leichter ist, eine Abstinenz zu erlangen und Erfolgserlebnisse zu erzielen. Die Betroffenen müssen ein Verständnis für ihre Erkrankung erlangen, sie müssen verstehen, dass sie es mit automatisierten Verhaltensweisen zu tun haben. In der Therapie lernt man aber auch, mit Geld umzugehen, Schulden zu regulieren, offen mit Angehörigen und anderen Spielern umzugehen und Angebote abzulehnen. Man lernt, wieder am Leben teilzuhaben. Deshalb ist es wichtig, auch einen Notfallplan zu entwerfen, der einem hilft, mit dem Spieldruck umzugehen und einem dem Weg weist, was bei einem Rückfall zu tun ist.

Wie groß sind die Chancen, eine Abhängigkeit zu überwinden?

Es dauert ungefähr ein Jahr, sein Verhalten zu ändern. Deshalb ist es wichtig, dass eine Therapie auch nach einem Klinikaufenthalt weitergeführt wird. Wir sagen, dass 50 Prozent der Betroffenen von einer Therapie profitieren – wenn jemand eine Rückfall hat und lernt damit umzugehen, ist das auch ein Erfolg.

Von Nadine Fabian

Potsdam Potsdams Männerchor mit neuer Leiterin - Chorliebe auf den zweiten Blick

Die gebürtige Russin Olga Kisseleva lebt in Berlin. Dort arbeitet sie seit mehreren Jahren als freischaffende Chorleiterin, Stimmbildnerin und Musikpädagogin. Seit Februar ist sie außerdem die neue Leiterin des Potsdamer Männerchors. Am Sonntag präsentieren Kisseleva und die 64 Männer erstmals, was sie gemeinsam erarbeitet haben.

13.05.2017

Die Bauarbeiten in der Nedlitzer Straße in Potsdam laufen so gut, dass der ursprüngliche Plan geändert wird: Die Zu- und Auffahrt zur Viereckremise ist schon ab Donnerstag, 11. Mai, und nicht erst ab 15. Mai gesperrt. Eine andere Sperrung kann dafür wieder aufgehoben werden.

10.05.2017
Potsdam „Play it, Dance it, Show it!“ in der Reithalle - Vom Jugendclub auf die Bühne

Die Tanz- und Theaterperformance „Play it, Dance it, Show it!“ feiert am Donnerstag Premiere im Forum der Reithalle in der Schiffbauergasse. Es ist ein besonderes Projekt mit pädagogischem Hintergrund.

10.05.2017
Anzeige