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Potsdam Ein Ausflugsdampfer mit E-Motor: Das gibt’s nur in Potsdam
Lokales Potsdam Ein Ausflugsdampfer mit E-Motor: Das gibt’s nur in Potsdam
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00:23 28.09.2018
Das neue Schiff „Schwielowsee“. Quelle: Weiße Flotte
Innenstadt

Die Weiße Flotte wird im Frühjahr 2019 ein neues Schiff auf See schicken: Die „Schwielowsee“ hat einen reinen Elektroantrieb, der seinen Strom aus Akkus und zwei Dieselgeneratoren bezieht.

Mit seinem „Flüster-Antrieb“ und der Kapazität von 250 Plätzen mit Vollgastronomie sei das Schiff einmalig in Deutschland, sagt Flottenchef Jan Lehmann.

E-Schiff fährt in Potsdam ab April 2019

Fast 3,5 Millionen Euro kostet der schnittige „Dampfer“, der erneut auf der „Bolle-Werft“ in Derben (Sachsen-Anhalt) gebaut wird, wo auch schon die „Sanssouci“, die „Belvedere“ und die Wassertaxis 2 und 3 entstanden. Im Stahl-Rohbau ist die „Schwielowsee“ schon fertig; sie wird bei „Bolle“ bis zur letzten Steckdose ausgerüstet, um bei der 61. Flottenparade am 14. April 2019 in die neue Saison zu starten. Im November soll der Rohbau zu Wasser gelassen und der Innenausbau komplettiert werden, der an Land schon in etwa zwei Wochen beginnt.

Die Idee zum Bau des Schiffes kam übrigens gar nicht von der Flotte selbst, sondern von der kreditgebenden Bank, die auch die früheren Neubauschiffe finanziert hat und damit hoch zufrieden war. Die Werft schlug dann vor, ein Elektroschiff zu bauen. „Wir mussten uns entscheiden zwischen einem VW Benziner und einem Elektro-Tesla“, zieht Lehmann einen sinnbildlichen Vergleich.

Seit der Jahrtausendwende modernisiert und ersetzt die Weiße Flotte ihre Fahrgastschiffe. Sie hat mehrere Millionen Euro für Neubauten ausgegeben.

Auf 20 Jahre Tilgung sind die Kredite angelegt. Bei 20 Prozent liegt der Eigenanteil der Flotte. Staatliche Förderung für diese Form des Nahverkehrs gibt es zum großen Ärger von Lehmann und Winkler nicht.

Die „Schwielowsee“ ersetzt die „Paretz“, die 1964 auf der Yachtwerft Berlin gebaut worden und bis zur Wende als „Sputnik“ an der Elbe unterwegs war. Gemeinsam mit ihrem Schwesterschiff „Lunik“, der späteren „Sacrow“, hatte die Weiße Flotte Potsdam die „Sputnik“ 1991 vom Kraftverkehrsbetrieb Wittenberge übernommen und verkauft sie jetzt nach Prag, wo schon mehrere frühere Schiffe aus Potsdam weiter ihren Dienst tun. „Die Tschechen kennen sich mit diesen Schiffen aus und betreiben sie gut weiter“, sagt Lehmann.

E-Schiff fährt auf Wann- und Havelseen

Die „Schwielowsee“ wird vor allem auf der Wannsee- und der Havelsee-Rundfahrt eingesetzt. Im Stadtgebiet von Potsdam und überall, wo Wohnbebauung am Ufer ist, will man mit ihr auf „Schleichfahrt“ gehen, auf den großen, offenen Seen dann aber von Batteriestrom auf Dieselstrom schalten. Besonders deutlich wird das Lärm- und Abgasproblem im Griebnitzsee, wo der Wasserlauf sehr schmal und das Ufer mit Villen dicht bebaut ist.

Die beiden verschieden starken Volvo-Diesel arbeiten bei Bedarf als Generatoren zur Stromerzeugung und stoßen dabei natürlich auch Abgase aus, nur deutlich weniger, denn sie werden bei etwa 80 Prozent der Leistung betrieben. Dann ist der Dieselverbrauch im Verhältnis zur Stromausbeute am geringsten.

Eine von Drei Stunden im E-Betrieb

Etwa eine von drei Stunden Wannsee-Rundfahrt ist beim aktuellen Entwicklungsstand der Lithium-Ionen-Akkutechnik komplett elektrisch möglich, und das spart ein Drittel Diesel. Bis zur Templiner Eisenbahnbrücke, nach Petzow, Ferch und Werder käme man mit Batteriestrom. „Das erklärte Ziel ist aber, die Hälfte der Strecke elektrisch zu schaffen“, sagt Lehmann.

Die Akkus werden immer besser. „Vor fünf Jahren kamen E-Autos noch 50 Kilometer weit, jetzt schon 400“, vergleicht der Flottenchef: „In zehn Jahren sind vielleicht 800 Kilometer drin bei Autos.“ Und die Preise sinken um etwa zehn Prozent pro Jahr: „Wir können jederzeit den aktuellen Batterieblock rausnehmen und einen neuen einhängen. Kann nur sein, dass man an der Akku-Kühlung etwas ändern muss.“ Die Maße der alten „Paretz“ sind ideal auch für die „Schwielowsee“. Zehn Meter länger, wäre das neue Schiff zu groß für den Elektro-Antrieb.

Die Flotte erneuert sich

Die „Schwielowsee ist 41 Meter lang, 6,50 Meter breit und 4,60 Meter hoch.

Bei einem Eigengewicht zwischen 150 und 160 Tonnen ist ihr Tiefgang mit nur einem Meter sehr gering; das macht sie flachwassertauglich.

Die beiden E-Motoren leisten jeweils 120 Kilowatt. Sie beziehen Strom aus Lithium-Ionen-Akkus, die mit Landstrom und durch zuschaltbare Diesel-Generatoren aufgeladen werden.

Die Flotte hat bereits vier Schiffe bei „Bolle“ neu bauen lassen: 2006 kam die „Belvedere“ (160 Plätze) für 1,5 Millionen Euro, 2010 die „Sanssouci“ (334 Innenplätze) als neues Flaggschiff für 3,9 Millionen.

Das Wassertaxi 2 (120 Plätze) wurde 2007 in Dienst gestellt; es hat 600000 Euro gekostet. Wassertaxi Nr. 3 (120 Plätze) folgte 2013 für 750000.

Die Preise sind nicht direkt vergleichbar, weil die Baukosten seit 2010 verdoppelt haben, vor allem, weil immer mehr Sicherheitsvorschriften der EU erfüllt werden müssen, ohne dass das auf der Havel immer Sinn macht, wie Flottenchef Lehmann sagt.

Die Flotte betreibt acht Fahrgastschiffe und zwei Wassertaxis. Das älteste Schiff ist der dampfgetriebene „Gustav“ (55 Plätze) von 1908, gefolgt vom Salonschiff „Friedericus Rex“ (60 Plätze) von 1927.

Nachladen können soll das Schiff an zwei Ladestationen zu Lande: am Haupthafen der Flotte zu Füßen des Mercure-Hotels und im Technik-Hafen an der Großen Fischerstraße. Dazu hat man die Energie- und Wasser Potsdam ins Projekt eingebunden. Das Logo des Versorgers prangt am Bug, und an exponierter Stelle „erklärt“ das Schiff bis nach Berlin hinein: „Ich fahre mit Öko-Strom der EWP.“ An der Außenwand des Oberdecks verweist das Wort „hybrid“ zudem auf den innovativen Antrieb.

An den Seiten des Schiffes wird eine typische Wasserkanten-Uferlandschaft der Havel zu sehen sein, für die man die Potsdamer Designer und Sprayer von Art-Efx gewinnen will, die inzwischen weit über die Stadt- und sogar die Landesgrenzen hinaus bekannt sind.

Lehmann sieht sich mit der „Schwielowsee“ als Vorreiter: „Wir wollen die ersten sein, die sowas testen: Da schaut ganz Deutschland auf uns.“ Angst, dass das Experiment scheitern könnte haben er und sein Mit-Geschäftsführer Jörg Winkler nicht. „Das Wassertaxi wollte ja auch keiner machen“, sagt Winkler: „Aber in Kopenhagen und Stockholm ist das schon lange ganz normal.“

Rollstuhltauglich und für Fahrräder geeinigt

Das neue Schiff ist rollstuhltauglich, hat einen ebenerdigen Zugang und fünf Rolli-Parkplätze auf dem Achter-Deck am Ende. Auf einen Fahrstuhl wie beim Flaggschiff „Sanssouci“ hat man bei diesem kleineren Fahrzeug aber verzichtet.

Erstmals bei der Weißen Flotte Potsdam und im ganzen Land Brandenburg wird man auch sein Fahrrad mit aufs Schiff nehmen können: mindestens 20 Räder finden auf dem Vorderdeck Platz. „Wir rechnen damit, dass viele Kunden eine Richtung mit dem Schiff fahren und die andere mit dem Fahrrad“, begründet Lehmann den neuen Ansatz. Bei einer Zählung an einem Sonntag im Mai habe man an der Baumgartenbrücke zwischen Geltow und Werder 1800 Radler registriert: „Und der Radverkehr wächst Jahr um Jahr.“

Von Rainer Schüler

Das Heft stellt insgesamt 39 engagierte Initiativen und Vereine der Baukultur vor. Am Samstag ist es erstmals auf dem Fest der Kulturerben auf dem Alten Markt erhältlich.

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