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Das i-Café in Drewitz schließt seine Türen

Abschied mit Wassereinbruch Das i-Café in Drewitz schließt seine Türen

Land unter in Drewitz. Schlimm genug, dass das Plattenbauviertel am Rande von Potsdam das i-Café verliert. Am letzten Abend brach plötzlich Wasser durch die Decken und Wände des beliebten Treffpunkts in der Rolle an der Konrad-Wolf-Allee. Die Havarie machte das Fest, das die Angestellten geplant hatten, beinahe zunichte.

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Abschied vom i-Cafe (v.l.): Antje Behrendt, Kerstin Bautz, Silke Bath und Nicole Thomas hoffen auf ein baldiges Wiedersehen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Drewitz. Zur Untergangsstimmung kam auch noch die Flut: SOS funkten am Donnerstagabend die Mitarbeiter aus dem i-Café in Drewitz. Wasser aus der Decke! Wasser unter den Wänden! Wasser überall! Auf gleich mehreren Etagen im „Rolle“ genannten Wohnblock an der Konrad-Wolf-Allee stand es knöchelhoch. Offensichtlich waren die Leitungen in den für die bevorstehende Sanierung leer gezogenen Wohnungen gekappt worden. Um nicht vollends abzusaufen, gab’s nur eine Lösung: Im ganzen Haus musste das Wasser abgestellt werden. Doch die Rettung wurde zum Dilemma für die Damen vom i-Cafe: Sie wollten am Freitag zum letzten Mal ihre Gäste bewirten und mit einem kleinen Fest „Tschüss – hoffentlich auf recht bald“ sagen.

„Kaffee ohne Wasser schmeckt überhaupt nicht“, sagt Jörg Schröder, Geschäftsführer der DRK-Behindertenwerkstätten, zu denen das Café gehört. Mit diesem Galgenhumor, mit Optimismus, Einfallsreichtum und Einsatzbereitschaft haben es die i-Caféler in letzter Sekunde doch noch geschafft, den seit Wochen geplanten und liebevoll vorbereiteten Abschiedskaffeeklatsch zu retten. Nachdem sie kurzerhand die Möbel beiseite gerückt, Mülltüten mit Sand befüllt und daraus wie im Oder-Hochwassereinsatz Dämme gebaut hatten, schaffte es auch der Havariedienst der Pro Potsdam, das Wasser nur da fließen zu lassen, wo es sollte – aus dem Hahn in die Kaffeemaschine. „Es wäre besonders für unsere drei behinderten Angestellten sehr dramatisch gewesen, wenn wir uns von unseren Stammgästen nicht hätten verabschieden können“, sagt Jörg Schröder. „Da haben wir Glück im Unglück gehabt.“ Nun gilt’s, Fortuna ein weiteres Mal zu becircen.

Ein Plattenbauviertel wird zur Gartenstadt

Die Großwohnsiedlung Drewitz wurde Ende der 80er als eines der letzten Neubaugebiete der DDR errichtet.

Die Idee, das monotone Plattenbau-Gebiet zur Gartenstadt umzugestalten, kam im Jahr 2003 auf und wurde im Rahmen eines Bundeswettbewerbs schließlich im Auftrag der Pro Potsdam in ein Konzept gegossen und mehrfach ausgezeichnet.

Seit 2009 befindet sich Drewitz auf dem Weg zur Gartenstadt und dem ersten emissionsfreien Stadtteil Potsdams. Das Gartenstadtprojekt ist dabei eines der wichtigsten Projekte der Stadterneuerung in Potsdam und Pilotprojekt des Landes zum Thema „energetischer Umbau und Quartier“.

Zentrale Ziele des Projektes sind die klimafreundliche und sozialverträgliche Umgestaltung des Stadtteils mit energetisch sanierten Gebäuden, einem attraktiven grünen Wohnumfeld nach dem Vorbild der Gartenstadt, klimafreundliche Mobilität und eine hohen Wohnzufriedenheit und Identifikation der Bewohner.

Inzwischen sind entlang der Konrad-Wolf-Allee ein Park, sanierte und mit Aufzügen ausgestattete Wohnungen, das Begegnungszentrum Oskar in der Stadtteilschule und vieles andere entstanden. nf

Das 2012 eröffnete i-Café ist ein Ort gelebter Inklusion. Nach Jahren in der Behindertenwerkstatt konnten dort Antje Behrendt, Silke Bath und Nicole Thomas zeigen, was in ihnen steckt und sich verwirklichen. Dass das Café mit der Sanierung der Rolle schließen muss, stand zwar von Anfang an fest – der Abschied tut dennoch weh, so Schröder. Dass das Haus zum Kehraus am Freitag proppevoll war, so dass die Gäste eng zusammenrücken mussten, spreche deutlich fürs i-Café. „Wir werden weiter darum kämpfen“, kündigt Schröder an. „Wir haben uns mit einem wundervollen Projekt am Interessenbekundungsverfahren für das im Konrad-Wolf-Park geplante Café beteiligt und hoffen auf eine positive Entscheidung der Jury.“ Im besten aller Fälle, sei das i-Café mit angestammtem Team im nächsten Frühjahr wieder da.

Die Ende der 1980er als eines der letzten Neubaugebiete der DDR errichtete Großwohnsiedlung Drewitz wird derzeit zur Gartenstadt umgebaut. Die Idee dazu kam bereits 2003 auf und wurde im Rahmen eines Bundeswettbewerbs schließlich im Auftrag der städtischen Immobilienholding Pro Potsdam in ein Konzept gegossen und mehrfach ausgezeichnet. Das Gartenstadtprojekt ist eines der wichtigsten Projekte der Stadterneuerung in Potsdam und Pilotprojekt des Landes zum Thema „energetischer Umbau und Quartier“. Inzwischen sind entlang der Konrad-Wolf-Allee unter anderem ein Park, sanierte Wohnungen und das Begegnungszentrum Oskar entstanden.

Von Nadine Fabian

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