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Potsdam Das neue Badevergnügen kann beginnen
Lokales Potsdam Das neue Badevergnügen kann beginnen
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08:22 07.06.2017
Aquafitness im Blu. Foto: Bernd Gartenschläger
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Templiner Vorstadt

Viel nackte Haut hat Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) gestern Abend bei der feierlichen Eröffnung des Sport- und Freizeitbades „blu“ gezeigt. Mit einem „Köpper“ vom Drei-Meter-Brett weihte Potsdams Stadtoberhaupt den Badetempel am Brauhausberg ein. Live war das Ganze leider nicht, sondern vorab für einen kurzen Einstimmungsfilm abgedreht worden. Als Oberbademeister machte sich der wasseraffine Ostfriese in seiner dunkelblauen Schwimmhose ziemlich gut, auch wenn es bei ihm doch nicht ganz bis zum sexy Rettungsschwimmer-Sixpack eines David „Baywatch“ Hasselhoff reicht.

Die Wasserrutsche ist ein Spaß für die ganze Familie. Quelle: Bernd Gartenschläger

Nachdem das Video mit der langen Chronologie des Badbaus über die große Leinwand am Beckenrand geflimmert war, ging es an die Eröffnungsreden. Auch die waren eher von der ungewöhnlichen Sorte – zumindest hinsichtlich der Location. Statt an einem schnöden Pult mit Mikro Aufstellung zu nehmen, kletterten die Redner beherzt die Leiter zum Drei-Meter-Brett hinauf. Anders als im „blu“-Film trat Jakobs für den feierlichen Anlass allerdings wieder in seiner „OB-Uniform“ – im dunklen Anzug – vor die geladenen Gäste auf der Tribüne. Stadtwerke-Interimschef Horst Müller-Zinsius hatte zum eher legeren Polo-Hemd gegriffen. Eine kluge Wahl angesichts der schweißtreibenden Temperaturen. Manch einer blickte von der Tribüne sehnsüchtig hinunter auf die kristallklaren Fluten des Beckens. Doch Planschen war an diesem Abend nicht gestattet. Das bleibt den Badegästen vorbehalten, die heute ab 6.30 Uhr ihre Runden im Sportbad drehen können.

Das Team vom Empfangs- und Kassenbereich steht allen Badegästen mit Rat und Tat zur Seite. Quelle: Bernd Gartenschläger

Architekt Hubert Nienhoff von der Firma Gerkan, Marg und Partner (GMP) umriss in seiner Rede – ebenfalls von den luftigen Höhen des Drei-Meter-Bretts aus – den Anspruch hinter dem Bauwerk. „Dies ist kein Spaßbad, dies ist kein Wellness-Tempel, sondern ein städtisches Gebäude“, sagte er. Das Bad soll Teil des neuen Stadtquartiers an der Speicherstadt werden. Auch die verschiedenen Sichtbeziehungen greifen Potsdamer Traditionen auf. Oberbürgermeister Jakobs wurde fast hymnisch, als er die Qualitäten des neuen Hauses lobte. „Neben dem Museum Barberini wird das einer der attraktivsten und am meisten aufgesuchten Orte in der Stadt“, prophezeite er. Sozusagen eine Art „Spaßerini“. Somit blieb es Müller-Zinsius vorbehalten, auf einen Wermutstropfen hinzuweisen: Mängel an der Fassade. „Das ist noch in Klärung mit der Firma“, erläuterte Bäderchefin Ute Sello auf MAZ-Nachfrage. Insgesamt zollte Müller-Zinsius den meisten Beteiligten aber großes Lob: „Die mehr als 40 Firmen haben – bis auf wenige Ausnahmen – einen sehr guten Job gemacht.“

Diskussionen hatte es im Vorfeld um die Höhe der Eintrittspreise gegeben. Während sich der Obolus für einen zweistündigen Aufenthalt im Sportbad gegenüber der alten Schwimmhalle nicht verändert hat, wurde Kritik an der sogenannten „Familienkarte“ laut. Diese gilt für bis zu vier Personen, zwei Erwachsene und zwei Kinder bis zu 16 Jahren. In den Potsdamer Freibädern – dem Waldbad Templin und dem Strandbad Babelsberg – können Inhaber der Familienkarte bis zu sechs Kinder mitnehmen.

Je nach Tarif gibt es Chip-Armbänder in sieben verschiedenen Farben. Quelle: Bernd Gartenschläger

Stadtsportbund-Vorsitzender Lutz Henrich betonte gestern die Verbesserungen, die das Bad bietet – etwa in puncto Schulschwimmen: „Jedes Potsdamer Kind soll auch in der Lage sein, schwimmen zu lernen“, sagte er am Rande der Feier: „Hier werden gute Voraussetzungen dafür geboten.“ Ein weiteres Plus aus Henrichs Sicht: Wegen der Größe des Beckens sind nun auch das Wasserballtraining und normaler Badebetrieb parallel möglich. Wäre es nach Henrich gegangen, hieße der Plätscherpalast heute übrigens „Potswal“, erzählte er schmunzelnd. Aber dann kam der Marketing-Name „blu“ zum Zuge.

Gleich zum Auftakt wurde im Sportbecken ein deutscher Rekord gebrochen: Im vier Mal 200-Meter-Rückenschwimmen schlugen Felix Wolf, Carl Louis Schwarz, Yannick Lebherz und Christian Diener vom OSC Potsdam nach 8:19,08 Minuten an. Hinter vorgehaltener Hand mokierten sich allerdings ein paar kundige Gäste: „Das ist eine Disziplin, die es bei Olympia gar nicht gibt.“

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