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Das traute, kurzweilige Paar

Michael Ranz und Edgar May versetzen das Premierenpublikum mit ihrem Programm "Wir schenken uns nichts" in rauschhafte Begeisterung Das traute, kurzweilige Paar

Für die Premiere ihres Weihnachtsprogramms "Wir schenken uns nichts!" hatten sich Edgar May und Michael Ranz am Wochenende ausgerechnet das Stammhaus ihres einstigen Arbeitgebers auserwählt.

Innenstadt. Das Publikum im Kabarett "Obelisk" dankte den beiden diesen nostalgischen Reflex mit einem ausverkauften Haus und jeder Menge wärmster Sympathie von Anbeginn.

Der Abend startete unvermittelt, aber wenig überraschend, mit Ranz'  Gesang "Weihnachten ist eine schöne Zeit" und May hinter dem elektronischen Tastenmöbel. Ranz mit seiner tiefen, warmen Stimme modellierte die Tonfolgen gewohnt sauber, wobei das kaskadenartige ironische Aneinanderfügen der diversen weihnachtlichen Geschenkdesaster zwar keinen Innovationpreis verdiente, aber gut gemacht war. Originelleres folgte schnell, als er facettenreich die speziellen Hintergründe einer Berliner Weihnacht rasend schnell plappernd interpretierte. Seinen Ausflug in die Hauptstadt endete visionär mit einem Riesenposter Walter Ulbrichts und dem Versprechen: "Niemand hat die Absicht einen Flughafen zu errichten".

Der gelernte Schauspieler Ranz scheute sich entgegen aller political correctness auch nicht, in die Rolle eines liebenswert naiven, tuntigen Edelschwulen zu schlüpfen und erntete mit Sätzen wie "Ich habe mehr Dreier gemacht als BMW!" oder "Mein Bruder, diese Schwuchtel!" tosenden Applaus. Derart angefeuert steigerte sich das Weihnachtsduo rauschartig und Ranz beglückte das Publikum mit immer neuen, wunderbar schrullige Typen. Seine Abhandlungen über den Verfall der Esskultur, von der tradierten Leberwurststulle mit "Gutebutter", hin zu Geschmacksverirrungen eines Salami- oder Käse-Baguettes mit Salatblatt und Mayonnaise brüllte er ins Publikum und der Saal tobte.

Die kollektive Begeisterung steigerte sich nach der Pause zu einem symbiotischen Miteinander, bei dem häufig sogar Kommentare aus dem Publikum zu vernehmen waren. Ob als sächselndes Unikum mit Nylonbeutel, komischer Alter mit Stock oder von den Schrecken der modernen Kommunikationstechnik Überrollter, Ranz spielte das Publikum schwindlig.

Beim Bericht über einen Besuch im Swinger-Klub erwähnte er die Genitalrasuren der Klubgäste, um mit der Stimme von Loriots "Opa Hoppenstedt" zu vollenden: "Früher war mehr Lametta!" Mit Loriots Gedicht "Advent" als Zugabe, klang ein rekordverdächtiger Jubelmarathon aus.

Von Lothar Krone

Nächste Termine im Kabarett "Obelisk", Charlottenstraße 30, 29. Oktober und 5. November, jeweils 19.30 Uhr.

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