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Potsdam Das verlorene Lächeln – Frau kämpft um Kiefer-OP
Lokales Potsdam Das verlorene Lächeln – Frau kämpft um Kiefer-OP
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10:28 24.09.2016
Christina Nowak kämpft um eine Kiefer-Operation. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Der Appetit ist Christina Nowak schon lange vergangen. Nach einer schweren Tumor-Erkrankung und über Jahre hinweg verabreichten Steroiden hat die 38-Jährige einen großen Teil ihrer Zähne verloren. Ihre Prothese – oder wie sie sagt „das Klappergebiss“ – mache die Sache noch schlimmer. „Ich esse unter Schmerzen“, sagt Christina Nowak. Frisches Obst, frisches Gemüse, Fleisch, Vollkornbrot – davon könne sie nur noch träumen. Auf ihrem Speiseplan stehen Joghurt und Brei. Sie lacht nicht mehr, spricht nur das Nötigste. Ihre einst so runden Wangen sind eingefallen.

Seit drei Jahren kämpft Christina Nowak um eine Operation, bei der der Kieferknochen wieder aufgebaut wird, so dass er drei bis vier Schrauben halten kann, an denen später Implantate und Brücken verankert werden. Seit drei Jahren steckt Christina Nowak in einem Teufelskreis aus Absagen, Widersprüchen und neuerlichen Absagen, denn die Krankenkasse will die OP nicht zahlen. „Ich weiß nicht mehr ein noch aus“, sagt Christina Nowak. Ihr Leben ist von Strapazen, Enttäuschungen und Rückschlägen geprägt. Aber auch von Geduld, Zuversicht und Trotz.

Kurz nach ihrem 24. Geburtstag wird Christina Nowak krank

Geboren in Sachsen, reist Christina Nowak als kleines Mädchen mit ihren Eltern in die Bundesrepublik aus. Ein Neuanfang auf zwei Koffern. Sie wird in Hessen heimisch, geht zur Schule, lernt Arzthelferin, verliebt sich in einen GI und träumt von einem Leben ohne Sorgen. Das Leben aber meint es anders mit ihr. Kurz nach ihrem 24. Geburtstag wird Christina Nowak krank. Sie ist müde und kraftlos, leidet unter starkem Schwindel und Kopfschmerzen, kann nicht mehr essen, magert ab. Ein halbes Jahr doktern die Ärzte an ihr herum, bis sie herausfinden, dass Christina Nowak ein Hypophysenadenom hat, einen Hirntumor. Der ist zwar gutartig, aber die Geschwulst drückt so auf die Hirnanhangdrüse, dass die Hormonproduktion nicht mehr funktioniert.

Mit der Tumor-Diagnose erhält Christina Nowak eine zweite: Sie erwartet ein Baby. Lenny ist jetzt 13 Jahre alt, ein hoch aufgeschossener, hübscher und aufgeweckter Junge. Ein besonderes Kind durch und durch, denn Lenny ist Autist. Christina Nowak zieht ihn allein groß. „Sein Vater hat die Beziehung beendet, als ich im vierten Monat schwanger war“, erzählt sie. „Er musste damals in den Irak. Eine kranke Frau, ein Kind – das war ihm zu viel.“

Ein Bild aus früheren Zeiten zeigt Christina Nowak mit vollen Apfelbäckchen. Quelle: Privat

Sie braucht ein halbes Jahr, um auf die Beine zu kommen

Weil Christina Nowak die Tabletten, die sie über Jahre nehmen muss, nicht verträgt, entschließen sich die Ärzte im Jahr 2006, den Tumor zu entfernen. Sieben Stunden liegt Christina Nowak unter dem Messer, es gibt Komplikationen. Danach braucht sie ein halbes Jahr, um wieder auf die Beine zu kommen. Die Tabletten muss sie aber weiterhin nehmen, denn die OP hat nicht den gewünschten Effekt, die Hormonproduktion springt nicht an. Ihre Zähne beginnen abzubrechen, wann immer sie etwas isst.

Eine Hirnhautentzündung 2008 wirft Christina Nowak erneut zurück. Danach leidet sie unter Panikattacken. „Jedes auch noch so kleine Symptom hat mir Angst gemacht, dass es nun noch schlimmer kommt.“ Eine Vorahnung? 2012 entdecken die Ärzte einen neuen Hirntumor.

Versicherung sagt, nur für schwere Fälle gibt es Ausnahmeregelungen

„Zum Glück wächst er im Moment nicht“, sagt Christina Nowak. „Eine OP ist nicht nötig.“ Nicht diese. Was sie sich sehnlichst wünscht, ist die Kiefer-OP. Die kostet 13.000 Euro, rund 6000 Euro die Nachversorgung. „Die Krankenkasse hat mir mitgeteilt, dass sie die Kosten nicht trägt“, sagt Christina Nowak. In dem Schreiben, das der Märkischen Allgemeinen vorliegt, heißt es, dass „lediglich für besonders schwere Fälle“ Ausnahmeregelungen gelten: Gerne hätte man ihr eine positivere Nachricht gegeben, „aber wir sind in leistungsrechtlichen Aufgaben streng an Gesetz und Rechtssprechung – auch wenn sie nicht in jedem Fall sinnvoll und nachvollziehbar erscheinen – gebunden.“

Während Christina Nowak nun auf eine Stellungnahme zu ihrem Widerspruch und zu der Empfehlung ihres Psychologen und Zahnarztes wartet, sammelt sie Spenden im Internet. Ein wenig mehr als 1000 Euro sind bisher zusammen gekommen, nicht einmal ein Zehntel. Mal sind es zehn Euro, mal 25, mal 100, die Bekannte und Fremde gespendet haben. Die Aktion zeigt, dass viele Menschen Christina Nowak die Daumen drücken. Sie zeigt aber auch die Verzweiflung, die sie Tag für Tag ein wenig mehr zermürbt: „Ich wünsche mir doch nur, ein normales Leben führen zu können.“

Wer zahlt, sagt das Gesetz

Das Sozialgesetzbuch V regelt, welche Kosten gesetzliche Krankenkassen für ärztliche und zahnärztliche Behandlungen übernehmen.

Die zahnärztliche Behandlung umfasst demnach die Tätigkeit des Zahnarztes, die zur Verhütung, Früherkennung und Behandlung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten ausreichend und zweckmäßig ist. Sie umfasst auch konservierend-chirurgische Leistungen und Röntgenleistungen, die im Zusammenhang mit Zahnersatz erbracht werden. Wählen Versicherte bei Füllungen eine darüber hinausgehende Versorgung, haben sie die Mehrkosten selbst zu tragen.

Nicht zur zahnärztlichen Behandlung gehört die kieferorthopädische Behandlung von Versicherten, die zu Beginn der Behandlung das 18. Lebensjahr vollendet haben. Dies gilt nicht für Versicherte mit schweren Kieferanomalien. Auch implantologische Leistungen wie jene, die Christina Nowak für sich beansprucht, gehören nicht dazu –

Besonders schwere Fälle liegen zum Beispiel bei größeren Kiefer- oder Gesichtsdefekten vor, die ihre Ursache in Tumoroperationen, in Entzündungen des Kiefers, in Operationen infolge von großen Zysten oder Osteopathien, in angeborenen Fehlbildungen des Kiefers wie Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten oder in Unfällen haben.

Spenden sammeln Christina Nowak und ihre Mutter auf www.gofundme.com/eixt0k und facebook.com/rita.mhelp/

Von Nadine Fabian

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