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„Das war einer, der hat sich richtig reingekniet“

Holzfachmann Harry Grünberg ist gestorben, aber hinterlässt seine Handschrift an vielen Häusern „Das war einer, der hat sich richtig reingekniet“

Der Mann hatte sie, die legendären goldenen Hände! Trotz einiger Blessuren war er in allen handwerklichen Dingen „unheimlich begabt“, sagen Mitarbeiter und berufliche Weggefährten.

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Am Neuen Palais: Harry Grünberg (M.) und die Restauratoren Gritt Broschke und Ulrich Kobelius mit einem aufgearbeiteten Goldfenster 2006. Archiv

Quelle: Christel Köster

GELTOW/POTSDAM. An vielen Denkmalen in der Landeshauptstadt, im Landkreis Potsdam-Mittelmark und in Berlin hat er seine Spuren hinterlassen: Harry Grünberg. Der Inhaber der Firma Geltower Holzwürmer, als Tischlerei, Zimmerei und Holzhandel eine gute Adresse in der Region, ist am 10. April 69-Jährig gestorben.

Anfang des Monats hatte Grünberg noch auf der Baustelle Russische Kolonie Nummer 14 nach dem Rechten gesehen. In dem auch als „Königliches Teehaus“ bekannten Gebäude lebt der russisch-orthodoxe Erzpriester Anatolij Koljada. Es wird aus Mitteln des Konjunkturpakets der Bundesregierung saniert. „Das ist nicht einfach, in einem bewohnten Haus zu arbeiten“, sagt Stadtkonservator Andreas Kalesse. Da sei Harry Grünberg ein Glücksfall gewesen. „Das war ein sehr findiger Handwerker, der für jedes Problem eine Lösung parat hatte. Das war einer, der hat sich richtig reingekniet. Ich glaube, ohne ihn wären wir am Teehaus noch nicht soweit.“ 90 Prozent der Holzarbeiten haben die Geltower Holzwürmer inzwischen erledigt. „Harry Grünbergs Verdienst ist es, die Holzbildkunst am Bau wieder zurückgeholt und bleibende Werte geschaffen zu haben“, sagt der Denkmalpfleger.

Auch die prächtigen Portaldekorationen in Potsdams Holländischem Viertel lagen dem Handwerker am Herzen. Schon zu DDR-Zeiten hatte Harry Grünberg damit begonnen, diese zum teil völlig verrotteten hölzernen Verzierungen zu sanieren. Dafür habe man in Zeiten der Mangelwirtschaft „viel Liebe und Hingabe“ mitbringen müssen, meint Kalesse. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg seien etliche Portaldekos weggefault gewesen. Denn das heutige Nobelviertel war ein Armenviertel. „Die Leute konnten sich die Restaurierung nicht leisten. In kalten Wintern wurden die Hölzer kurzerhand im Ofen verfeuert und Bretter als Abdichtung unters Dach geschoben“, sagt Kalesse. Zum Glück. So fanden die Restauratoren auf der Resterampe des Quartiers Originalteile, nach denen sie Kopien fertigen konnten.

Aus solchen Artefakten zimmerte Harry Grünberg eine dreistöckige Portaldekoration rund um Hauseingang, Oberlicht und Fenster im Obergeschoss. „Ein Riesending, bestimmt acht Meter hoch“, schwärmt der Stadtkonservator von der Handwerkskunst des Geltowers. Das imposante Teil tourte bald als gefragtes Zeugnis spätbarocker Baukunst durch die Republik. 1991 war es vor dem Gebäude des Deutschlandfunks in Köln ausgestellt, später im Berliner Martin-Gropius-Bau und zuletzt 2004 in der Schau „Königliche Visionen“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte am Neuen Markt.

Seitdem verstaubt das gute Stück im Depot. Schade drum. Vielleicht kündet es ja eines Tages im Potsdam-Museum oder im Bouman-Haus des Holländischen Viertels von der Leiden- und Meisterschaft des Handwerkers Harry Grünberg. (Von Carola Hein)

Wo Harry Grünberg Spuren hinterließIn Potsdam arbeitete Harry Grünberg mit seinen „Holzwürmern“ unter anderem Am Hotel „Bayrisches Haus“, der Villa „Joop“, an mehreren Objekten im Holländer Viertel und der Kolonie Alexandrowka, an der Kuppel des Fortunaportals, am Neuen Palais und der Fasanerie im Park Sanssouci.

Dächer und Türme von Kirchen wurden erneuert etwa in Caputh und Geltow sowie beim Wiederaufbau der Kirche am Neuendorfer Anger in Babelsberg mit „Kaiserstiel“.

Arbeiten für die Schlösser Rheinsberg und Alt-Döbern. he

 

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