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Potsdam „Das wird das Fernsehen ablösen“
Lokales Potsdam „Das wird das Fernsehen ablösen“
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07:07 09.06.2018
Sven Bliedung, Geschäftsführer von Volucap, im volumetrischen Filmstudio, das dreidimensionale Bewegungen aufzeichnen kann. Quelle: privat
Babelsberg

Nachdem Ton und Farbe das Medium Film schon vor über 80 Jahren deutlich näher an die Realität herangeholt hatten, steht nun die nächste Revolution bevor – und die Medienstadt Babelsberg soll darin eine große Rolle spielen. Eines der ersten volumetrischen Filmstudios der Welt wird am Montag im fx.Center auf dem Studiogelände eröffnet.

Begehbare Filmwelten sind die Zukunft der Branche

Die Firma Volucap will dort dreidimensionale Aufnahmen herstellen, die es ermöglichen, die Nutzer von Videospielen, die Schauspieler in Filmen oder einfach jeden beliebigen Gegenstand in begehbare Szenen und Spielwelten einzubinden.

Das Studio wurde mit zwei Millionen Euro durch die Investitionsbank des Landes und den Bund gefördert. Die Fördermillionen könnten sich rasch auszahlen. Der weltweite Umsatz im gesamten Bereich Virtuelle Realität – vom Verkauf der entsprechenden Brillen bis zu den dafür angebotenen Medien und ihrer Produktion – soll von 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf über 32 Milliarden bis 2020 steigen.

Es ist das dritte Studio seiner Art weltweit

Bislang gibt es weltweit nur zwei ähnliche Studios in San Francisco und London. Das Volucap-Studio soll das erste kommerziell nutzbare Studio in Europa sein, das für professionelle Auftragsproduktionen angemietet werden kann. „Das wird für den Medienstandort Babelsberg ein neuer Grundpfeiler, um Virtual Reality voranzubringen“, sagt Sven Bliedung.

Der 34-jährige Rostocker ist Geschäftsführer von Volucap. Hinter ihm stehen bedeutende Firmen der Medienbranche (siehe Infokasten) und das Berliner Heinrich-Hertz-Institut, das über mehrere Jahre die komplexe Software „3D Human Body Reconstruction“ entwickelt hat.

Die Firmen hinter „Volucap“

Das volumetrische Studio wird von der Volucap GmbH betrieben. Dahinter stehen bedeutende Firmen der Medienbranche als Gesellschafter.

Neben der Studio Babelsberg AG und der UFA GmbH, die sich als Marktführer in der deutschen Film- und TV-Produktion bezeichnet, ist auch der weltweit tätige Münchener Filmtechnik-Riese Arri Cine Technik ein Gesellschafter.

Außerdem gehören der IT-Dienstleister Interlake Systems und das Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik „Heinrich Hertz“ (HHI) in Berlin zu Volucap. Am HHI wurde die 3D-Software entwickelt.

16 Stereo-Kameras sind in das runde Studio integriert

„Volumetrisch heißt, dass die Kameraaufnahmen ein Volumen haben, also Tiefe wie Körper besitzen“, erklärt Bliedung. Was bislang an Gegenständen oder Charakteren aufwendig am Computer nachgebaut werden musste, kann im volumetrischen Studio dreidimensional gescannt werden – in Bewegung. Das wird durch insgesamt 16 Stereo-Kameras ermöglicht, die in die Wände des runden, 170 Quadratmeter großen Studios integriert sind.

Anwendungen in Medizin und E-Learning sind realistisch

In Videospielen können die Spieler die 3D-Welten selbstständig erkunden und mit ihnen interagieren, werden in die Story einbezogen. „Diese Erzählweise nimmt an Bedeutung zu“, sagt Bliedung. Wie der Filmbereich die Möglichkeiten nutzt, lässt sich kaum abschätzen. Neben Innovation können auch Einsparungen die Folge sein. Einmal gefilmte Personen ersetzen Komparsen im Hintergrund und können immer wieder Verwendung finden – als digitale Komparsenbibliothek.

Auch außerhalb der Medienbranche gibt es Anwendungen – etwa im Operationssaal, wo der Volucap-Gesellschafter Arri mit seiner Sparte Medizintechnik bereits aktiv ist. Auch die Bildung könnte im Bereich E-Learning profitieren, indem Auszubildende oder Studenten geeignete Lerninhalte als 3D-Situationen ausprobieren oder die Realität mit zusätzlich eingeblendeten Informationen erleben können.

Fernsehen wirkt danach wie ein alter Schwarz-Weiß-Film

Bliedung hat bislang Spezialeffekte für Filmproduktionen kreiert, darunter waren auch einige Hollywood-Blockbuster. „Feuer und Explosionen“ waren sein Spezialgebiet. Die Bilder, die im neuen Studio möglich sind, sollen seine früheren Explosionen allerdings in den Schatten stellen. Die Wirkung der Technik könne man laut Bliedung gar nicht hoch genug einschätzen.

„Es wird das Fernsehen ablösen, weil die Immersion so viel höher ist, man viel stärker in das Geschehen eintaucht und einem Fernsehen dagegen einfach langweilig vorkommt. Das wirkt dann wie ein alter Schwarz-Weiß-Film“, sagt Bliedung. Sein Aha-Erlebnis war eine Präsentation vor gestandenen Managern der Autobranche. „Die waren bei einer Testvorführung begeistert wie Kinder“, sagt Bliedung.

Von Peter Degener

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