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Debatte um Stadt und Sprayerszene

"Potsdam wird immer mehr zu einem künstlichen Disneyland" Debatte um Stadt und Sprayerszene

Zu einem Dialog der Stadt und der wachsenden Graffitiszene riefen professionelle Sprayer am Wochenende bei einer Gesprächsrunde zum Sprayer- und Breakdance-Event "Asphaltkultur" auf der Jugendaktionsfläche am Bassinplatz auf.

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Bei der  Graffiti-Aktion "208 Meter Toleranz", wurde der Bauzaun der Landtagsbaustelle auf dem Alten Markt in Potsdam von verschiedenen Graffiti-Künstlern gestaltet.

Quelle: Joachim Liebe

Innenstadt. Jugendlichen Streetart-Künstlern werde immer noch mit großen Vorurteilen begegnet. Das schade jedoch nicht nur den betroffenen Künstlern, sondern der gesamten Stadtkultur, hieß es in der von Radio-Eins-Moderator Stefan Rupp geleiteten Gesprächsrunde.

"Potsdam wird immer mehr zu einem künstlichen Disneyland", sagte der 36-jährige Sprayer Mark Straeck. "Es wird nur noch in sinnlose Prestigeprojekte investiert. Alles, was nicht in das cleane Image der Stadt passt, muss weg. Dabei lebt sie doch eigentlich von ihrer Vielfalt." Auch Patrick Kuhl, Besitzer des Graffitiladens "Writers Heaven", findet die Zustände besorgniserregend: "Selbst an den wenigen Stellen, wo man legal sprayen darf, fährt die Polizei vorbei und nimmt die Personalien der Jungs auf. Das muss aufhören."

Kritisiert wurde auch der erste landesweite Graffitiwettbewerb "208 Meter Toleranz" zur Gestaltung des Stadtschloss-Bauzauns: Der Vorwurf. Dabei kamen vor allem außerstädtische Sprüher zum Zuge: "Die Stadt muss zu allererst die Potsdamer Kids fördern", findet Kuhl. Bei Wettbewerben wie dem Stadtschloss-Bauzaun müssten die Potsdamer Sprayer direkt angesprochen werden. Eine Zeitungsanzeige reiche da nicht. Und es müsse dauerhaft nutzbare Standorte geben: "Eine große Indoorhalle, in der man dauerhaft sprayen und skaten kann." Für die 2008 gesperrte Skaterhalle in der Kurfürstenstraße gibt es bis heute keinen Ersatz.

Die beiden Sprayer baten bei ihrem Appell auch um eine Rückbesinnung auf die Vergangenheit Potsdams. Die Stadt sei nach der Wende ein Paradies für freischaffende Künstler und Sprayer, die leer stehenden Russenkasernen und andere Bauten zu Orten der Entfaltung und Befreiung einer ganzen Generation geworden.

Seit Mitte der 1990er sei Graffiti dann der Krieg erklärt worden. Kuhl spricht von einer "Ohnmacht der Szene". Viele Sprayer weichen ins nahe Berlin aus. Die Kunst steht vor dem schwierigen Spagat zwischen Kommerzialisierung und Mainstream auf der einen und bleibender Intoleranz der szenefremden Bevölkerung auf der anderen Seite.

Trotz der negativen Bilanz sieht Patrick Kuhl auch gute Zeichen für Potsdams Graffitiszene und deren Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Ausdrücklich lobte er den Stadtjugendring und den Verein Neues Potsdamer Toleranzedikt, die auch das Fest "Asphaltkultur" mitorganisiert hatten.

Von Morgane Llanque

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