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Potsdam Dem Krongut Bornstedt laufen die Händler weg
Lokales Potsdam Dem Krongut Bornstedt laufen die Händler weg
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22:03 19.11.2013
Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Auf dem leergefegten Krongut Bornstedt herrscht derzeit Grabesstimmung: Erst das Aus der Hofbäckerei – nun zieht auch die Schmuckwerkstatt einen Schlussstrich. Zum Jahresende sollen die Regale im Dachgeschoss des Seitenflügels leergeräumt sein. Frauke Löhr war eine der letzten Mieterinnen auf dem Gut – nur noch der Barbier-Shop von Manuela Epperlein ist geblieben.

Dass es derzeit nicht gut läuft für das Gut, ist bei Geschäftsführer Josef Laggner längst angekommen. Es habe Leute gegeben, sagt er, die behaupten, die einstige Touristenattraktion sei heruntergekommen. „Mich trifft so etwas“, so der Unternehmer. Fakt ist: Die Besucher fehlen – vor allem außerhalb der Saison. Große Teile der einstigen Verkaufsfläche stehen leer. „Auf das reine Kunsthandwerk werden wir uns nicht mehr verlassen können“, prognostiziert Laggner. Er plant deshalb, das gastronomische Angebot auszubauen. Im Querbau, der einst ein Café beherbergte, sollen künftig Seminare abgehalten werden. „Den Hotels in der Stadt bieten wir das aktuell an“, sagt Laggner. Für 60 bis 120 Teilnehmer könne der Platz reichen. Das Catering soll freilich vom Hofrestaurant kommen.

Damit stirbt ein Konzept, das nach der Sanierung des Guts 2002 vielversprechend begonnen hatte. Als Hybrid zwischen Gastronomie und Geschichte – mit altem Handwerk und zünftiger Küche – lockte der einstige Betreiber, die Krongut Bornstedt GmbH, jahrelang gut eine halbe Million Besucher in das italienische Dörfchen. „Das Krongut war damals gut angelegt“, sagt auch Laggner. „Aber heute haben wir zehn Höfe drumherum, die alle dasselbe anbieten.“

Nicht die Konkurrenz sei das Problem, sondern Laggner selbst, sagen derweil mehrere einstige Mieter. Sie seien von dem Gastronomen rausgemobbt worden. „Wir wurden immer im Ungewissen gelassen“, sagt einer der Händler. „Das hat Existenzen gekostet.“ Tatsächlich sind mit der Brauerei, dem Floristen und dem Gutsladen mittlerweile nahezu alle Gewerbe auf dem Gut in Laggners Hand.

Der 47-Jährige gilt als Unternehmergröße in der Region. Neben dem Krongut betreibt er das RestaurantLutter & Wegner“ am Berliner Gendarmenmarkt, ein weiteres im Schloss Glienicke und die Fischerhütte am Schlachtensee. Dass er nun auch die Hofbäckerei auf dem Krongut übernehmen will, überrascht den insolventen Bäckerei-Betreiber nicht. „Alles, was Gastronomie ist, will er selbst machen“, so der Vorwurf. Systematisch habe er versucht, die Bäckerei auszubluten. Habe Tore verschlossen, um Kunden den Zugang zum Hof zu versperren. Habe einen Traktor vor die Zufahrt gestellt, um Lieferanten das Verladen zu erschweren. „Der macht seit vier Jahren, was er will“, sagt der Betreiber.

Laggner selbst dementiert. „Wir haben niemanden rausgemobbt.“ Im Gegenteil habe man Mietern, die mit Zahlungen im Rückstand waren, sogar angeboten, sich zu verkleinern. „Wir sind ja froh, wenn wir Händler kriegen. Aber das ist nun mal schwierig.“

Von Judith Görs

Bornstedt - Vom Mustergut zum Erlebnispark

  • Das Ensemble im italienischen Stil ließ Friedrich Wilhelm IV. ab 1846 auf dem Areal eines ehemaligen Ritterguts mit Brauerei bauen.
  • Besonders in der DDR büßte das Krongut Bornstedt einen großen Teil seines Flairs ein, weil Teile des Ensembles moderne, schmucklose Überbauten erhalten hatten.
  • Ab 1999 wurde das Gut aufwendig saniert und rekonstruiert. 12,5 Millionen Euro flossen in das Projekt – davon drei Millionen Euro als Fördermittel vom Land und der Stadt Potsdam. Noch im gleichen Jahr wurde das Krongut zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt.
  • Drei Jahre später, im Juni 2002, wurde das Gut als „kleiner Erlebnispark“ wiedereröffnet. Das Konzept von Friedhelm Schatz, damaliger Krongut-Geschäftsführer, setzte auf Gastronomie und altertümliches Handwerk – dazu gehörten Wollweber, Glasbläser und Keramiker, die vor den Augen der Besucher ihre Produkte fertigen.
  • Zeitweise besuchten eine halbe Million Menschen pro Jahr das Krongut – es galt als touristische Attraktion im Potsdamer Norden. Dann wurde es 2008 an die Laggner-Grup-pe verkauft. Geschäftsführer ist seither Josef Laggner. jug
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