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Demos im Promi-Kiez legen Verkehr lahm

Pogida in Potsdam Demos im Promi-Kiez legen Verkehr lahm

Die Pogida-Bewegung in Potsdam stockt – genau wie der Verkehr am Dienstagabend in der Berliner Vorstadt und in weiten teilen Potsdams. Nur rund 50 Asylkritiker „spazierten“ von der Glienicker Brücke über die Berliner Straße. Ihnen gegenüber standen Hunderte Potsdamer und protestierten gegen diesen sogenannten „Abendspaziergang“.

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Fröhlicher Anti-Pogida-Protest des Bündnisses „Potsdam bekennt Farbe“.

Quelle: Fotos: Julian Stähle, Patrick Plönning

Potsdam. Bei der mittlerweile 9. Demonstration der Bewegung „Potsdam gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pogida) kam es am Dienstag Abend zu vereinzelten Reibereien. 50 Teilnehmer, darunter einige unter der Fahne der als rechtsextrem eingestuften Gruppierung Identitäre Bewegung, waren dem Aufruf des Anmelders Christian Müller (32) zum so genannten Abendspaziergang gefolgt. Müller hatte mit rund 300 Teilnehmern gerechnet. 700 Beamte sicherten die Demonstration in der Berliner Vorstadt ab.

Entlang der Route zwischen Glienicker Brücke und Humboldtbrücke erwarteten erneut rund 1000 Demonstranten bei insgesamt drei angemeldeten Gegenveranstaltungen die Gruppe um Müller. Anders als in den letzten Wochen kam es jedoch wiederholt zu Zwischenfällen. Bei einer von der Partei Die Linke angemeldeten Gegenveranstaltung versuchten mehrere Demonstranten offenbar, die Absperrungen zu durchbrechen, zudem flogen Flaschen aus der Menge in Richtung des Pogida-Zuges. Die Polizei setzte Pfefferspray ein.

Bei der Abschlusskundgebung der Pogida kam es zu einer kurzen Schlägerei, als drei Gegendemonstranten versuchten, ein Transparent der Gruppe zu stehlen. Die Polizei hielt sie zur Aufnahme der Personalien fest. Ihnen wird Störung der Versammlungsfreiheit vorgeworfen. Eine Pogida-Demonstrantin soll leicht verletzt worden sein.

Auf Seiten der Gegendemonstranten hatten sich auch dieses Mal Politiker verschiedener Parteien eingefunden. Potsdams Bürgermeister und Stadtkämmerer Burkhard Exner (SPD) kritisierte die Pogida-Demonstration. Er verstehe nicht, wie man dem vorbestraften Christian Müller folgen könne, so Exner. Seine Hoffnung: „Pogida soll so schwach werden, dass sie verschwinden.“ Der Bundestagsabgeordnete Norbert Müller (Linke) kritisierte erneut den Polizeieinsatz scharf. „Es kann nicht sein, dass für drei Dutzend Verstrahlte die ganze Stadt lahmgelegt wird“, so Müller gegenüber der MAZ. Er berichtet zudem von Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten gegen die Anmelder der Gegendemonstrationen, weil diese sich geweigert hätten, den Polizeibeamten die Personalien der eingesetzten Ordner mitzuteilen. „Da wird die Zivilgesellschaft kriminalisiert, während auf der anderen Seite Kriminelle durch die Stadt demonstrieren dürfen. Das kann einfach nicht sein“, so Norbert Müller.

Thoralf Höntze, Anmelder der Gegendemonstration an der Glienicker Brücke, bestätigt das. „Mir wurde die Anzeige seitens der Polizei angekündigt“, so der Marketingchef des Potsdamer Fußball-Viertligisten Babelsberg 03, „ich erwarte jetzt deren Zustellung.“ Hinnehmen wolle er eine solche Anzeige nicht, so Höntze.

Einen Nachfolger als Anmelder der Demonstrationen hat Christian Müller indes noch nicht gefunden. Er kündigte den nächsten „Abendspaziergang“ für die Woche nach Ostern an. Als Versammlungsort nannte Müller den Potsdamer Hauptbahnhof, dort hatten bereits zwei Pogida-Veranstaltungen stattgefunden.

Müller bekräftigte, die Demonstrationen weiterhin regelmäßig stattfinden lassen zu wollen, der neue Pogida-Pressesprecher Herbert Heider sprach davon, dass ein Zwei-Wochen-Rhythmus denkbar sei. Laut Polizeisprecher Heiko Schmidt gibt es bisher für die nächste Demonstration keine definitive Anmeldung, zunächst müssten noch Gespräche geführt werden.

Wie auch bei den vorangegangenen Pogida-Zügen kam es am Dienstag im Stadtgebiet zu Verkehrsbeeinträchtigungen. Die Sperrung der Berliner Straße und der Behlertstraße sowie der Glienicker Brücke zogen lange Staus bis in den Abend nach sich. Der Öffentliche Nahverkehr zwischen dem Platz der Einheit und der Glienicker Brücke kam zum Erliegen, die Berliner Vorstadt war nur noch zu Fuß zu erreichen. Kurzzeitig wurde auch die Lange Brücke gesperrt.

Von Saskia Popp

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