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Potsdam Andreas Kalesse hört nach 27 Jahren auf
Lokales Potsdam Andreas Kalesse hört nach 27 Jahren auf
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12:04 01.03.2018
Stadtkonservator Andreas Kalesse mit einem Pferdekopf aus einer Skulpturengruppe der Ehemaligen Roten Kaserne in Potsdam. Quelle: Christel Köster
Potsdam

Als Andreas Kalesse 1991 bei der Potsdamer Stadtverwaltung anfing, um das Amt für Denkmalpflege aufzubauen, da wurde ihm ein Büro zugewiesen, das komplett leer war – mal abgesehen von einer Glühbirne, die an einem Kabel hing. Nun, 27 Jahre später, hat Potsdams oberster Denkmalpfleger sein Büro zum letzten Mal abgesperrt.

Alte Schränke aus Hirschapotheke geschnappt

Obwohl es nach einem Umzug des Denkmalamtes ein ganz anderes Büro war als seinerzeit, gab es doch eine Gemeinsamkeit: Es war komplett leer – abgesehen von einem Computer im Besitz des Rathauses. Fast das ganze, nunmehr ausgeräumte Mobiliar war mehr oder weniger ein Produkt des Zufalls gewesen.

Die alten Schränke für die Bücher und Akten hatte sich Kalesse beispielsweise bei der Auflösung der alten Hirsch-Apotheke in der Lindenstraße mit Erlaubnis der Besitzer „geschnappt“. Schöne Stücke, etwas ramponiert, aber immer noch gut nutzbar. So, wie Kalesse in seinem Büro jetzt kurz und schmerzlos tabula rasa gemacht hat, ist der langjährige Stadtkonservator auch von der Potsdamer Bühne abgetreten.

Eine offizielle Verabschiedung hatte er abgelehnt, Argument: Blumensträuße seien im Bus heim nach Spandau nicht zu transportieren; Weinflaschen pflege er zu verschenken, Bücher habe er schon alle und Häppchen könne er sich selber kaufen – kurz: Schlüssel abgeben und noch ein paar Tage Resturlaub bis Ende Februar nehmen.

Fontane-Plakette verliehen

Was nicht heißt, dass es nicht dennoch warme Worte für Kalesse gegeben hätte. So wurde ihm kürzlich kurz vor Ende seiner Amtszeit in Berlin die Fontane-Plakette verliehen. Der Ehrenvorsitzende der Landesgeschichtlichen Vereinigung der Mark Brandenburg Felix Escher, würdigte die Verdienste des Spandauers um die märkische Landeshauptstadt.

Er erinnerte an die Leitlinien, die Kalesse schon kurz nach seinem Amtsantritt für Potsdam formuliert hatte. Und anderem hieß es da: „Die traditionelle Potsdamer Stadtsilhouette wurde seit 1945 weitreichend gestört. Mit der Wiedergewinnung des Stadtgrundrisses muss die Annäherung an die Qualität der historischen Silhouette verbunden sein. Diesem Anliegen hat sich die bauliche Höhenentwicklung der Stadt unterzuordnen.“

Escher erinnerte auch an einen Umstand, der heute nur noch den wenigsten bewusst sein dürfte. „Den künftigen Brandenburgischen Landtag in einem Gebäude am Alten Markt unterzubringen und die dortigen Gebäude in historischen Dimensionen wieder herzustellen, war nicht zuletzt seine Idee“, sagte er.

1952 in Berlin geboren

Aus der Kubatur hätten sich die Fassaden des Schlosses und schließlich ein weitgehend nach dem historischen Vorbild wieder aufgebauter Alter Markt entwickelt. „Wenn dies auch keine Aufgabe im engeren Sinne der Denkmalpflege war, so ist auf diese Weise ein Stück der Einmaligkeit Potsdams wieder erlebbar geworden“, lobte Escher in seiner Laudatio.

Kalesse – Jahrgang 1952, in Berlin geboren – hatte nach der Schule zunächst eine Gärtnerlehre absolviert. Ein bisschen drängt sich bei Beobachtern der Verdacht auf, dass der Stadtkonservator die Stadt immer auch wie einen Garten betrachtet hat.

Ein Stück Landschaft, das es zu hegen und pflegen gilt und das man vor unliebsamen Raubvögeln schützen müsse, sprich: vor Investoren mit dem Drang, den goldenen Schnitt zu machen. Stromlinienförmigkeit konnte man dem Stadtkonservator dabei beim besten Willen nicht vorwerfen. Er vermochte spitze Gesprächspfeile abzuschießen und machte sich keinen Knoten in die Zunge, wenn es galt, eine eigene Meinung zu äußern.

Besonderes Verhältnis zur Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Ein Stadtkonservator der Marke streichelweich war er sicher nicht, aber wenn ihm etwas am Herzen lag, kämpfte er wie die berühmte Löwenmutter. Ein ganz besonderes Verhältnis pflegte er zur Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), sagte Kalesse in seinen Dankesworten anlässlich der Ehrung am Wochenende.

So konnte er gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit der DSD ein Programm in Höhe von 400 000 D-Mark für das Eindecken des Holländischen Viertels verabreden, um den weiteren Verfall zu stoppen.

Außerdem initiierte der Stadtkonservator zwei treuhänderische Stiftungen mit Hilfe der DSD, eine zur Rettung des Nachlasses der berühmten Keramikerin Hedwig Bollhagen und eine zur Rettung des Hauses und des Gartens von Karl Foerster.

Den Gärten, etwa dem historischen in der Kolonie Alexandrowka, galt Kalesses besondere Liebe. Aber auch die Kirche in Groß Glienicke, deren Inneres sich unter seiner Ägide von einem Trauerspiel in Betongrau zu einem strahlenden Farbenerlebnis gewandelt hat, und die russisch-orthodoxe Alexander-Newski-Kapelle in der Alexandrowka stehen auf der Liste der Lieblingsprojekte weit oben.

Weiterhin Ehrenamt beim Gottesdienst

Dem Gotteshaus in Groß Glienicke wird er auch weiterhin ehrenamtlich als Berater verbunden bleiben. Potsdam selbst wird er wohl nicht mehr oft aufsuchen, sagt Kalesse. Das Kapitel ist abgeschlossen, ein neues muss aufgeschlagen werden, etwa in Form der Aufarbeitung der hinterpommerschen, ostpreußischen und schlesischen Wurzeln seiner Familie.

Für die Stadt, die ihm so lange berufliche Heimat war, wünscht er sich einen weiterhin sorgsamen Umgang mit der Mitte – etwa bei den neu entstehenden Blöcken III und IV auf dem FH-Areal. Einige der Neubauten sollen historisch rekonstruiert werden.

„Hier geht es darum, dass die Denkmalpflege bei der Qualitätskontrolle der Fassaden miteinbezogen wird“, betont Kalesse. Außerdem müsse man die Anschlusssituation zum Platz der Einheit hin gut hinkriegen.

Wie es im Anschluss an den Vierteljahrhundert-Stadtkonservator weitergehen wird? Das Nachbesetzungsverfahren läuft, aber es ist noch nicht abgeschlossen, heißt es aus dem Rathaus.

Von Ildiko Röd

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