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Potsdam Der 30. Stolperstein für Potsdam
Lokales Potsdam Der 30. Stolperstein für Potsdam
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21:54 20.03.2017
Der Stolperstein wurde vor dem ehemaligen Wohnhaus von Gustav Herzfeld in der Potsdamer Straße 60 verlegt. Quelle: Potsdam bekennt Farbe
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Bornim

Es war ein bewegender Moment des stillen Gedenkens mitten in Lärm des Nachmittagsverkehrs an der Potsdamer Straße in Bornim: Direkt an der Ausfallstraße ließ der Berliner Künstler Gunter Demnig am Montag einen Stolperstein für den jüdischen Juristen Gustav Herzfeld in den Gehweg ein. Die kleine Tafel befindet sich direkt vor dem ehemaligen Wohnhaus Herzfelds, der 1942 in Theresienstadt den Tod fand. Die Verlegung markierte ein besonderes Jubiläum – es ist der bislang 30. Stolperstein in Potsdam. Seit 2008 beteiligt sich die Landeshauptstadt an der von Demnig ins Leben gerufenen Aktion „Stolpersteine – ein Kunstprojekt für Europa“. Die Gedenksteine aus Messing erinnern an die Schicksale jener Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt, vertrieben, deportiert und ermordet wurden. 60 000 Steine sind bisher in 21 Ländern verlegt worden.

Nach der Stolpersteinverlegung an der Potsdamer Straße. Quelle: Ildiko Röd

Am Montag hatte Demnig – auch diesmal wieder mit dem typischen Hut – binnen weniger Minuten einen grauen Stein aus dem Gehweg gehebelt und ihn durch die neue, mattglänzende Gedenktafel ersetzt. Die Inschrift lautet: „Hier wohnte Dr. Gustav Adolf Herzfeld, geboren 1861, Berufsverbot 1938, deportiert 1942 Theresienstadt, ermordet 27. 10. 1942“. Wenige Worte, die ein immens tragisches Schicksal mit Eckdaten versehen.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) holte etwas weiter aus, um das persönliche Drama Gustav Herzfelds zu schildern. 1861 in New York in eine Bankiersfamilie hineingeboren, zog der Jurist 1903 nach Potsdam. Ein Jahr vor seiner Zulassung als Anwalt 1909 trat er zum Christentum über. Sein Sohn fiel im Ersten Weltkrieg; seine Frau beging Selbstmord. Nachdem Herzfeld in die heutige Potsdamer Straße 60 übersiedelt war, gehörte er zur Bornimer Kirchengemeinde. Bisweilen wurden zum Christentum konvertierte Juden scheel angesehen. Dass das auch hier so war, ist nicht belegt.

Gunter Demnig mit Ulfa von den Steinen (r.) und Cordelia von den Steinen (l.): Quelle: Ildiko Röd

Dass Herzfelds Lebensweg unvergessen bleibt, ist auch dem Engagement einer Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus evangelischen Kirchengemeinden zu verdanken. Auf Anregung von Friedenskirchenpfarrer Simon Kuntze und unter der Leitung des Historikers Sascha Topp haben sie ein Jahr lang intensiv in Archiven zum Schicksal der Familie Herzfeld recherchiert. Topp sieht generell noch Nachholbedarf bei der Aufarbeitung: „30 Stolpersteine sind im Vergleich relativ wenig – Potsdam hinkt noch hinterher.“

Insgesamt 60 000 Stolpersteine wurden bereits in 21 Ländern verlegt. Quelle: Archiv

Für ihre Recherche haben die jungen Leute sogar Prozessakten durchforstet und dabei herausgefunden, dass Herzfeld neben seiner Ehe zeitweilig auch ein Techtelmechtel laufen hatte. Ein Heiliger war der angesehene Jurist also nicht, aber auf alle Fälle ein außergewöhnlich tapferer Mensch. Nachdem er von den Nazi-Schergen in das Babelsberger Judenhaus gebracht worden war, versuchte der damals bereits 81-Jährige, sich umzubringen. Der Selbstmord misslang und Herzfeld wurde ins St.-Josefs-Spital gebracht. Er sollte gesund gepflegt werden. Allerdings nur zu dem Zweck, dass er die Deportation nach Theresienstadt überstehen konnte. Bis zuletzt blieb der Anwalt selbstlos. „Auf dem Transport wollte er die älteren Menschen unterstützen“, erzählten Nikolai von Pfeil (15), Venja Röber (21), Julius Barth (15) und Wendelin Siegert (15) über Herzfelds beeindruckende Charakterstärke.

Die Bornimer Kirche. Quelle: Bernd Gartenschläger

Am Rande der Stolpersteinverlegung kam es auch zu bewegenden Szenen. Der hochbetagte frühere Bornstedter Pfarrer Gottfried Kunzendorf, der nun im Rollstuhl sitzt, erinnerte an die Zivilcourage des Bornimer Gartenkünstlers Foerster: „Familie Foerster hat Gustav Herzfeld in das Judenhaus Kuchen geschickt – den hat er dort verteilt“. Bereits 1984 ließ Kunzendorf eine Gedenktafel zur Erinnerung an den verfolgten Juristen aufstellen.

Auch Herzfelds Großnichten waren angereist. Cordelia und Ulfa von den Steinen berichteten, wie stark das Trauma der NS-Gräuel in ihrer Familie fortwirkte. „Mein Vater, der in die Schweiz emigriert war, hat mit uns Kindern nie über alle Geschehnisse gesprochen“, erzählte Cordelia (76): „Die Geschichte war für ihn zu schrecklich.“

Von Ildiko Röd

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