Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Der Anwalt der Plattenbaugebiete
Lokales Potsdam Der Anwalt der Plattenbaugebiete
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:38 27.04.2018
Jörn-Michael Westphal (Geschäftsführer Pro Potsdam) vor der Stadtsteilschule Drewitz. Quelle: Martin Müller
Potsdam

Mit dem Flugzeug in den Urlaub verreisen? Nie und nimmer. Nicht aus Flugangst, sondern der Umwelt wegen. Aus demselben Grund fährt Jörn-Michael Westphal aus tiefster Überzeugung ein Hybrid-Auto. Aufgeladen wird diese Kreuzung aus Benzin- und Elektromotor entweder über eine Sonnenstromanlage, die auf dem Dach der Pro Potsdam in Pappelallee steht, oder bei einer der zehn E-Ladesäulen in Potsdam – Tendenz steigend, aber längst noch nicht genug, wie der Umweltbewusste findet.

Auch beruflich ist grün seine Lieblingsfarbe. Als „Vater“ der Gartenstadt Drewitz wird der Pro-Potsdam-Geschäftsführer, der das Unternehmen gemeinsam mit Horst Müller-Zinsius und Bert Nicke führt, manchmal bezeichnet. Im nächsten Jahr feiert das Gartenstadtprojekt sein zehnjähriges Jubiläum – von der tristen Drewitzer Platte mit viel befahrener Durchgangsstraße zum verkehrsberuhigten Viertel mit Park und energetisch sanierten Häusern samt Öko-Stromversorgung. Prima Klima, das liegt Westphal besonders am Herzen. „Er hat ein Auge für den Klimaschutz und für die Herausforderungen der Zeit“, fasst Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) zusammen.

Nachbarschafts-und Begegnungshaus „Oskar“. Es befindet sich in der Stadtteilschule Drewitz Foto:Bernd Gartenschläger Quelle: Bernd Gartenschläger

Einer der Treffpunkte im revitalisierten Drewitz ist das Begegnungszentrum „Oskar“. Hier und nicht in irgendeinem schicken In-Treff wird der Pro-Potsdam-Chef auch die heutige Feier zu seinem 50. Geburtstag ausrichten. Auf der Einladungskarte ist vorne ein buntes Bild der begrünten Konrad-Wolf-Allee zu sehen. Darunter ein Zitat des Dalai Lama: „Betrachte eine Situation von allen Seiten und du wirst offener.“ Dass am Heck von Westphals Autos ein „Free Tibet“-Aufkleber prangt, ist mehr als nur ein modisches Statement, sondern echte Herzenssache. Dem Dalai Lama ist Westphal sogar schon einige Male begegnet, wenn das geistliche Oberhaupt der Tibeter in Deutschland war. Fast vollständig verzichtet der zweifache Familienvater hingegen auf Alkohol und Fleisch.

Gartenstadt Drewitz: Sanierte Wohnblöcke in der Konrad-Wolf-Allee. Quelle: Bernd Gartenschläger

Klingt zusammengenommen, als sei der langjährige Pro-Potsdam-Geschäftsführer, der seit dem Jahr 2000 in der kommunalen Immobiliengesellschaft vor allem die kaufmännische und wohnungswirtschaftliche Seite zuständig ist, ein Hybrid aus Öko-Robin-Hood und Super-Gutmensch, oder? Doch dieser Eindruck täuscht. Denn Westphal zählt nicht zu den verhinderten Heiligen, die anderen demonstrativ ihre moralische Überlegenheit unter die Nase reiben. Ein Eindruck, der von seinem Co-Geschäftsführer bei der Pro Potsdam, Bert Nicke, bestätigt wird: „Glücklicherweise ist Herr Westphal sehr tolerant und gegenüber seinen Mitmenschen ganz und gar nicht missionarisch veranlagt.“

Im Gegenteil: Der gebürtige Mecklenburger – er wurde in Neustrelitz geboren – ist denkbar bescheiden und zurückhaltend und sparsam mit Informationen, was Persönliches angeht. Immerhin kann man erfahren, dass er als Zehnjähriger mit seiner Mutter im Rahmen der Familienzusammenführung in den Westen ausgereist ist, allerdings gar nicht so weit weg: nach Spandau in West-Berlin. Der ehemalige Thälmannpionier lernte dann nach einer kaufmännischen Lehre und einem Studium der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Informatik an der Berliner Beuth-Hochschule viel über Marktwirtschaft im Turbo-Modus.

Die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, Kathrin Schneider (SPD) (l.), und Jörn-Michael Westphal in der Gartenstadt. Quelle: Friedrich Bungert

Von 1992 bis 1995 arbeitete als Referent und Teamleiter bei der Treuhandanstalt, eine Zeit wie im Durchlauferhitzer. „Da war eine enorme Dynamik – manchmal kam ein Fax, dass 2000 Wohnungen zu übernehmen und in die Verwaltung der Treuhandliegenschaftsgesellschaft zu überführen seien.“ Und zwar innerhalb von einer Woche und nicht innerhalb eines Jahres, wie es sonst üblich ist. Ein Jahr Treuhandanstalt Anfang der 90er Jahre – das entspricht etwa sieben Jahren in der „normalen“ Wohnungswirtschaft, sagt Westphal scherzhaft.

Danach war er als Prokurist bei der Wohnungsgesellschaft am Prenzlauer Berg tätig, ehe er 2000 als kaufmännischer Leiter zur Pro-Potsdam-Vorläuferin Gewoba nach Potsdam wechselte. Damals wohl kein Traumjob, sondern eher eine Mammutaufgabe. „Steigender Leerstand, hohe zweistellige Millionenverluste jedes Jahr“, erinnert sich Westphal, der umgehend die Ärmel hochkrempelte. Außerdem galt es, den Verkauf des Unternehmens abzuwenden und ein neues IT-System zu installieren.

Grün, grüner. Gartenstadt Quelle: Christel Köster

Als alles in ein ruhiges Fahrwasser gebracht war, wandte er sich neuen Herausforderungen zu. „Er ist so etwas wie der Anwalt der sonst in der Öffentlichkeit etwas zu kurz kommenden, vom Plattenbau geprägten Stadtteile“, schildert Nicke das Engagement seines Kollegen, dem er einen unglaublich langen Atem attestiert, etwa bei den Bürgerbeteiligungen bei Sanierungsprojekten.

Beispiele: die Mieterbeteiligungen in der Babelsberger Heidesiedlung oder am Brauhausberg. Und natürlich die Gartenstadt Drewitz: Mit dem ersten Szenarioworkshop im Jahr 2009 startete ein großes Bürgerbeteiligungsprojekt der Stadtteilentwicklung. Allein zum Konrad-Wolf-Park gab es 64 öffentliche Veranstaltungen; seit einigen Jahren existiert auch eine gewählte Bürgervertretung in Drewitz. Zuhören – das ist das feste Credo von Westphal – ist das A und O. Siehe das bereits erwähnte Zitat des Dalai Lama: „Betrachte eine Situation von allen Seiten und du wirst offener.“

Mittlerweile hat es die Gartenstadt – der Umbau der „Rolle“ an der Konrad-Wolf-Allee soll noch in diesem Jahr abgeschlossen sein; auch die Sanierung des „Quartier 8“ läuft – in der medialen Berichterstattung sogar bis weit über Potsdam hinaus geschafft. Perspektivisch soll sie ein Null-Emission-Stadtteil werden. Sogar der Zeitschrift des international tätigen deutschen Goethe-Instituts war das Erfolgsprojekt eine Geschichte wert. Krampnitz – das neue Quartier im Norden – soll ebenfalls zum Öko-Kiez werden. Auch im 18. Jahr seiner Pro-Potsdam-Tätigkeit lässt es der Zwei-Meter-Hüne keineswegs ruhiger angehen.

Das Quartier 8 in der Gartenstadt Drewitz wird derzeit saniert. Quelle: Bernd Gartenschläger

Im Gegenteil: Im Zuge der Aufarbeitung des Stadtwerke-Skandals 2016 hat Westphal, dem der Ruf eines „Arbeitstiers“ anhaftet, noch zusätzlich einen Geschäftsführerposten bei den Stadtwerken übernommen. Er leitet die Fachkommission Betriebswirtschaft des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, ist seit 2003 in der Vollversammlung der IHK Potsdam und wirkt auch im Wirtschaftsrat und Klimarat der Landeshauptstadt mit. Außerdem hat er den Potsdamer Ehrenamtspreis mit aus der Taufe gehoben, der in diesem Jahr zum 12. Mal verliehen wird, und wirkt seit vielen Jahren bei der Verleihung des Integrationspreises mit. Mitmenschlichkeit, das bescheinigen ihm Weggefährten, ist für ihn keine leere Floskel. Tatsächlich weiß der bekennende Sonnenstrom-Fan gut, wie es ist, wenn man auch mal nicht auf der Sonnenseite des Lebens steht. In diesem Sinne ist auch die Bitte auf seiner Geburtstagseinladung zu verstehen. Statt Geschenken wünscht er sich Spenden, unter anderem für das Kinderhospiz „Sonnenhof“ der Björn-Schulz-Stiftung.

Von Ildiko Röd

Die Potsdamer Polizei sucht nach einem Mann, der eine Frau mit einer Pistole bedroht und ihr das Handy geraubt haben soll. Der Vorfall hat sich bereits im Januar ereignet. Nun ist ein Fahndungsfoto des Verdächtigen veröffentlicht worden.

26.04.2018

Große Aufregung im Schlaatz: Seit Stunden keine Spur von einem achtjährigen Jungen. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot auf der Suche nach dem Kind. Um 19 Uhr dann die gute Nachricht, doch eine Frage bleibt offen.

26.04.2018

Als 2013 der Rewe-Supermarkt das Bornstedt-Carree verließ, deutete sich der Niedergang schon an. Dann entstand auf der anderen Straßenseite eine Discounter-Macht.

02.05.2018