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Der Brudermord findet nicht statt

Opernprojekt in Drewitz Der Brudermord findet nicht statt

Das barocke Oratorium „Cain und Abel“ führte die Kammeroper in diesem Jahr als Winteroper auf. Alle fünf Aufführungen in der Friedenskirche waren restlos ausverkauft. Als eine soziokulturelle Tochter stellte die Stadtteilschule Drewitz am Donnerstag und Freitag das Opernprojekt „Mein Bruder und ich... No classic“ vor. Wie können 400 Kinder Oper machen?

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Der Schauspieler León Schröder als Animateur.

Quelle: Foto.Promo

Drewitz. „Es ist ja nicht so, dass ich nicht lernen will, aber es fällt mir nicht leicht“, sagt Kai zu Atze. In der Turnhalle der Grundschule „Am Priesterweg“ stellen Kai und Atze eine gemäßigte Variante des alttestamentarischen Bruderpaares Kain und Abel dar. Mit Mord und Totschlag werden die Kinder der sozialen Brennpunktschule in Drewitz aber verschont. Der ältere Bruder (gespielt von Johannes Heinrichs) wird den jüngeren (León Schröder) nicht aus rasender Eifersucht umbringen.

Potsdamer Winteroper

Die Kammerakademie Potsdam brachte in diesem Jahr die Winteroper fünf Mal zur Aufführung, einmal mehr als in den vergangenen Jahren. Die Zuschauerauslastung lag bei nahezu 100 Prozent. Das heißt, fünf Mal 370 Zuschauer sahen in der Friedenskirche das Oratorium „Cain und Abel“. Die Komposition des italienischen Komponisten Alessandro Scarlatti wurde szenisch umgesetzt.

Das Operprojekt in der Grundschule „Am Priesterweg“ entsteht wie jedes Jahr in Zusammenarbeit mit der Kammerakademie und „oskar. Das Begegnungszentrum“. Die Aufführungen am heutigen Freitag sind ausgebucht.

Der Stoff der Winteroper inspiriert Potsdamer Künstler und Pädagogen nun schon seit sieben Jahren zu einem großformatigen soziokulturellen Opernprojekt. Zahlreiche Sponsoren, allen voran die F.C. Flick Stiftung, bringen dafür mehr als 100 000 Euro auf. Das vierwöchige Projekt wird am heutigen Freitag mit einer dritten und vierten Aufführung abgeschlossen. Aus der biblischen Geschichte und der Musik des Oratoriums „Cain und Abel“ von Alessandro Scarlatti strickte Michael Boden ein Mitmachtheater der besonderen Art. Der Frontmann der Haevy-Metal-Band „Subway to Sally“ grölt sonst Lieder wie „Es lauert im Dunkeln der Werwolf schon auf Dich“. Aber seine Textvorlage für „Mein Bruder und ich... No classic“ folgt dem Prinzip der Entdämonisierung. Rockmusik bleibt außen vor und der Bruderstreit gipfelt in dem Fluch: „Ich wünschte, Du wärst für immer weg!“

Kai, dem Älteren, fällt das Lernen nicht leicht. Er liebt „coole“ Pophits, aber in seiner Großspurigkeit verbirgt sich auch eine Gabe: Sein Zugang zur Musik ist direkt und emotional. Sein Bruder ist in seinen Augen ein komischer Streber. Nicht nur dass Atze alles gelingt. Er sitzt am liebsten am Schreibtisch, hört unterm Kopfhörer Scarlatti-Musik und grübelt darüber nach, wie diese barocke Musik gebaut ist.

Unter dem Basketballkorb sitzen elf Musiker der Kammerakademie, wirklich eine A-Besetzung. Sie spielen wiederholt Stücke aus ihrem Oratorium an, müssen meistens jäh abbrechen oder wie eine Karnevalsband in einen anderen Modus springen. Auf Geheiß von Kai wird dann zum Beispiel der Gospel „O Happy Day“ intoniert, damit der Chor auch etwas zu tun bekommt. Fast 400 Kinder werden einbezogen. Die Choreografin Marita Erxleben hat sich für alle Schulklassen Bewegungsspiele ausgedacht. Die Schüler dürfen auch durch Beatboxen, in Sprech- und Geräusch-Chören mitwirken, was ihnen viel Spaß bereitet. Doch die Schauspieler-Dialoge dominieren das Geschehen. Ihr ständiges High Five-Abklatschen mit Musikern oder Kindern soll immer die eine Botschaft transportieren: Klassische Musik ist cool. Bei den Erwachsenen herrscht die Angst vor, sie könnten die Kinder mit ihren wunderschönen Barockstücken langweilen. Die Leuchtkraft der Musik kommt kaum zur Entfaltung.

Doch darum geht es vielleicht auch gar nicht, jedenfalls in erster Linie. Schuldirektorin Elvira Eichelbaum freut sich über das Integrationsprojekt. „Wir haben erlebt, wie den Kindern Flügel gewachsen sind, wie sie Selbstbewusstsein entwickeln“, sagt sie. Auch die 30 Flüchtlingskinder, die noch kein Deutsch können, fühlten sich gleich mitgenommen. „Das ist die bemerkenswerteste und effektivste pädagogische Arbeit, die wir anbieten können“, so ihr Fazit.

Von Karim Saab

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