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Der Dachdecker von morgen muss vielseitig sein

Dachdecker-Familienbetrieb feiert 50-jähriges Bestehen Der Dachdecker von morgen muss vielseitig sein

Fünf Jahrzehnte voller Höhen und Tiefen haben Frank Schildhauer und sein Vater Rudolf Schildhauer im Dachdeckerhandwerk erlebt. Der Junior und inzwischen Chef des Familienbetriebs blickt zum 50-jährigen Bestehen zurück und verrät, was nötig ist, um in die Zukunft als Dachdecker bestehen zu können.

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Frank Schildhauer (44) leitet den Dachdeckerbetrieb, den sein Vater vor 50 Jahren in Potsdam gründete.
 

Quelle: Bernd Gartenschläger

Drewitz.  Er steht bei 35 Grad in der prallen Sonne auf dem Dach und verrichtet seine Arbeit. Die schweren Dachziegel schleppt er selbst hoch und hat das Haus vorher selbst eingerüstet. „Unser Beruf ist ein Knochenjob“, sagt Frank Schildhauer, „wenn auch nicht mehr so sehr wie noch zu DDR-Zeiten.“ Der 44 Jahre alte Potsdamer muss es wissen. Seit 17 Jahren leitet er als Dachdeckermeister den Betrieb, den sein Vater vor genau 50 Jahren gründete. Technische Neuerungen und andere Hilfsmittel machen seinen Job heutzutage leichter. Inzwischen müsse ein guter Dachdecker allerdings mehr können, betont Frank Schildhauer. „Er muss in erster Linie vielseitig sein“, sagt er.

Frank Schildhauer erinnert sich noch an die Zeit, als quasi nur Papp- und Ziegeldächer gebaut wurden. Mit sechs Jahren war er regelmäßig auf den Baustellen seines Vaters, half ihm vor allem während der Schulferien. „Alle Techniken und Materialien, mit denen ich damals zum ersten Mal in Berührung gekommen bin, gibt es heute noch“, sagt er, „wenn auch nicht mehr so verbreitet.“ Mörtel beispielsweise werde nur noch im Denkmalschutz eingesetzt. Zahlreiche, neue Einsatzbereiche kamen hinzu: Flachdächer, Grünflächendächer, der gesamte Aspekt der Entwässerung, energetische Sanierungen, Solartechnik. Die Liste ließe sich problemlos fortsetzen. „Der technische Anspruch ist ganz einfach gestiegen“, fasst es Frank Schildhauer zusammen.

Digitalisierung auf dem Dach

Die Diskussion um das Handwerk 4.0, also die Digitalisierung im Bereich des Dachdeckerhandwerks, zieht deshalb nicht spurlos an ihm vorbei. Aber noch sei es nicht soweit, sagt er, obwohl er den Schritt in die Zukunft begrüßen würde. Zwar nimmt ihm kein Tablet der Welt die schwere Arbeit auf dem Dach ab, aber alles drumherum könnte einfacher vonstatten gehen. Verschiedene Ziegelarten könnte er seinen Kunden dann ohne großen Aufwand am Bildschirm vorführen ebenso wie mögliche Varianten der Ideenumsetzung. „Der gesamte Baustellenablauf liefe dort komprimiert ab“, erklärt er, „das fängt schon bei den automatisch dem Projekt zugeordneten Lieferscheinen an.“

An eine solche Vielfalt im Beruf des Dachdeckers war bei Frank Schildhauers ersten Baustellenbesuchen nicht zu denken. Wäre die Wende nicht gekommen, hätte der Junior wohl niemals denselben Beruf ergriffen wie sein Vater. „Dachdecker war schon damals ein Beruf, bei dem man gutes Geld verdiente, weil er so schwer war, dass ihn niemand machen wollte“, erinnert er sich, „aber in der DDR konnte man sich davon doch nichts kaufen, keinen schönen Urlaub machen.“ Erst mit der Wende wurde die Dachdeckerei wirklich „lukrativ“ für ihn. Vor allem die Kunden hätten sich seitdem verändert. „Sie sind nun bereit, ohne Groll einen angemessenen Preis zu zahlen“, sagt Frank Schildhauer, der inzwischen drei Mitarbeiter das ganze Jahr über beschäftigt und sie nicht im Winter entlassen muss, wie viele Kollegen im Dachdeckerhandwerk.

Nachwuchsprobleme beschäftigen das Handwerk

„Unser Ziel und inzwischen auch jenes der Kunden ist eine besonders hohe Qualität der Arbeit“, erklärt er. Als Mitglied in der Potsdamer Dachdecker-Innung wird sein Betrieb darauf regelmäßig geprüft. Im Verbund helfe man sich aber auch im gegenseitigen Austausch über aktuelle Probleme. Dazu zählt nicht nur der Schritt in die digitalisierte Zukunft. Auch der Erhalt der Meisterpflicht unter den Dachdeckern wird oft diskutiert ebenso wie die Probleme bei der Nachwuchsgewinnung, mit der auch Frank Schildhauer selbst zu kämpfen hat. Er bildet inzwischen nicht mehr aus. „Wir finden einfach keine geeigneten Bewerber“ sagt er. Die Leistungen der Schulabgänger seien zu schlecht, die Motivation fehle den meisten von ihnen.

„So ist es nicht einmal mehr möglich am Ende der Lehre durchschnittlich gut ausgebildete Gesellen zu haben“, erklärt er. Frank Schildhauer schaut nach 50 Betriebsjahren trotzdem frohen Mutes in die Zukunft – immerhin hat er früh genug selbst investiert: Sebastian Beyer, neben Schildhauer der zweite Meister in dem kleinen Dachdeckerbetrieb, hatte einst bei seinem Vater gelernt und bekam die Meisterschule vom Betrieb teilfinanziert. Außerdem sind die Auftragsbücher voll. „Handwerk hat noch immer goldenen Boden“, sagt Frank Schildhauer.

Das Dachdecker-Handwerk in Zahlen

In den acht Brandenburger Dachdeckerinnungen sind mehr als 130 Dachdeckerbetriebe als Mitglied verzeichnet. Unter einer dieser Innungen haben sich insgesamt 37 Dachdecker aus Potsdam und der Umgebung zusammengeschlossen. Ein Dachdeckerbetrieb muss wegen der Gefahren bei der Arbeit bis heute nur von einem Dachdeckermeister geleitet werden.

Die Anzahl aller Dachdeckerbetriebe, egal ob Innungsmitglied oder nicht, geht deutschlandweit seit 2013 zurück. Zum Jahresbeginn 2017 gab es 109 Betriebe weniger als noch vor vier Jahren. Die Zahl der tätigen Personen im Dachdeckerhandwerk sind hingegen leicht steigend. In zwei Dritteln aller Betriebe sind fünf oder weniger Mitarbeiter beschäftigt.

Auszubildende werden ebenfalls seit 2013 immer weniger verzeichnet. In den vergangenen vier Jahren wurden 20 Prozent weniger Azubis ausgebildet als in den Lehrjahren zuvor. Parallel entwickelt sich auch die Zahl der Neueinstellungen bei Lehrlingen zurück. Unter den bundesweit 2236 neuen Azubis im Lehrjahr 2016/2017 waren 31 Frauen.

Von Victoria Barnack

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