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Potsdam Der Himmel über Billmuthausen
Lokales Potsdam Der Himmel über Billmuthausen
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11:04 01.03.2017
Ringelreihen, Billmuthausen, undatiert. Quelle: Anne Heinlein
Potsdam/Berlin

Der Himmel über Billmuthausen ist blau. Ein Standbild mit Fetzen weißer Federwolken, deren träges Treiben erst erkennbar wird, als ein dicker Käfer über die Leinwand saust. Eine Stimme liest: „Fall 6061. Ehefrau leistete starken Widerstand.“ Der Kinoraum ist ein Endpunkt der Ausstellung „Wüstungen“ von Anne Heinlein (39) und Göran Gnaudschun (45), die noch bis Sonntag im Haus am Kleistpark in Berlin-Schöneberg zu sehen ist.

„Osdorf I, 2015, Landkreis Teltow-Fläming“. Quelle: Anne Heinlein

Zentrales Motiv im Eingang ist Helga, ein lächelndes Mädchen mit Bluse und Rosenzweigen auf einer vergilbten Fotografie in Schwarz-Weiß, zwischen Bildern mit Wiese, Wasser, Laub und Gestrüpp: „Groß Grabenstedt“ heißt es zum einen, „Altmarkkreis Salzwedel; erstmals urkundlich erwähnt: 1291; gewüstet: 1986“, gefolgt von „Zarrentin-Strangen, Landkreis Ludwigslust-Parchim; bebaut: 1911; gewüstet: 1972“ und „Erlebach I, Landkreis Hildburghausen; erstmals urkundlich erwähnt: 1310; gewüstet: 1987“.

Aufgewachsen sind die Fotografen in Potsdam, er Am Stern, „wo die Grenze wirklich nicht weit war“, sie in Potsdam-West: „Vom Fenster meiner Schule hat man immer den Funk- und Fernsehturm in Wannsee gesehen“, sagt Gnaudschun: „Annes Familie kommt aus dem Eichsfeld, in dem ein großer Teil für normale Menschen unpassierbares Grenzgebiet war. Über Zwangsaussiedlungen und den Abriss von Dörfern und Höfen erzählte man sich mit vorgehaltener Hand.“

Ihre erste Begegnung mit verschwundenen Orten hatten sie vor zehn Jahren bei Lauenburg in Vockfey, „einem Ort, wo es eine Dorfstraße gab und Hofeinfahrten, die aber ins Nirgendwo“ führten. „Etwas weiter standen völlig intakte Häuser. Es gab eine kleine Hütte mit Schautafeln. Da wurden wir zum ersten Mal mit dem Thema der Zwangsaussiedlungen und der Schleifung ganzer Orte konfrontiert, etwas weiter elbaufwärts waren nämlich Orte, wo jetzt nur noch Wiese ist.“

Feldarbeit, Osdorf, Privatsammlung Gartzki. Quelle: Goeran Gnaudschun

Einhundert dieser Orte recherchierten sie mit der Zeit; Dörfer, Gehöfte, einzelne Häuser wie das einst malerische Sanatorium „Sophienhöhe“ zwischen Hessen und Thüringen, das sich auf einer undatierten Farbfotografie unmittelbar neben den Grenzanlagen auf braunem Acker mit Schneeresten und gerodetem Wald verlor. „Grenzpanorama Schmerbach“ ist der Titel einer Landschaft mit Drahtzäunen, Fahrspuren aus Beton und freiem Feld; ein mit Filzstift gesetzter Pfeil zeigt an, wo sich der Ort befand.

Die Ausstellung ist voll von vergangenem Leben. Die einstige Wirtin aus Osdorf in Teltow-Fläming am Rande Berlins, Ersterwähnung 1369, gewüstet 1970, hat ihnen als Hüterin eines Schatzes Einblicke gewährt. Porträts sind dabei wie das von Helga mit den Rosenzweigen und von Frauen bei der Feldarbeit, Fotografien mit fröhlichen Leute vor einem Haus, zwei Bauern beim Schlachten eines Schweins, einer Trinkgesellschaft an Bierbänken. „Einmal im Jahr treffen sich die ehemaligen Osdorfer“, heißt es in dem Buch zur Ausstellung: „Sie zeigen sich Fotos und reden von früher. Es werden immer weniger, die kommen.“

Führung zur Finissage mit Anne Heinlein

Die Ausstellung „Wüstungen – geschleifte Orte an der innerdeutschen Grenze“ ist im Haus am Kleistpark, Grunewaldstraße 6/7, in Berlin-Schöneberg noch bis Sonntag, 5. März, zu sehen. Geöffnet ist sie täglich von 11 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei.

Zur Finissage gibt es am Sonntag um 16 Uhr eine Führung mit der Fotografin und Autorin Anne Heinlein.

Zur Ausstellung konnte mit Hilfe einer Crowd-funding-Aktion ein Begleitbuch mit zahlreichen Abbildungen, Reportagen und Dokumenten herausgegeben werden. Der 142 Seiten starke Teil in deutscher Sprache wird ergänzt von einem 23 Seiten umfassenden Textteil in Englisch. Das Buch mit der ISBN 978-3-95476-181-4 ist im Distanz-Verlag erschienen und kostet 39,90 Euro.

Folgeausstellungen sind nach Angaben von Göran Gnaudschun geplant, verbindliche Termine gebe es aber noch nicht.

Auch von Billmuthausen ganz im Süden Thüringens gibt es diese Bilder: Kinder auf dem Hof, Kinder beim Ringelreihen, Jungen mit einem Spielzeugbauernhof, die Familie auf der Treppe des Gutshauses. „Himmel über Billmuthausen“ ist der Titel der 80-minütigen Videoinstallation, für die Akten über die Räumung von Dörfern an der innerdeutschen Grenze eingelesen wurde. „Aktion Ungeziefer“ war der Titel der ersten DDR-weiten Aussiedlungsaktion im Jahr 1952.

„Ein Trafoturm ist noch von damals übrig geblieben“, heißt es in dem Buch „Wüstungen“ über das Billmuthausen von heute, „die Grenzanlagen brauchten ja Strom. Weil die später ausgesiedelten Bewohner einer Umbettung ihrer Verstorbenen nicht zugestimmt haben, gibt es auch den Friedhof noch. Nur die Toten durften bleiben.“

Von Volker Oelschläger

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