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Der Hof der unbegrenzten Möglichkeiten

Zu Hause in... Grube Der Hof der unbegrenzten Möglichkeiten

So klein wie möglich, so groß wie nötig sollte der Hof sein, von dem Mathias Peeters seit der Kindheit träumte. In Grube hat sich der aus Holland stammende Landwirt mit seiner Lebensgefährtin Lene Waschke diesen Traum erfüllt. Seit 2013 hauchen sie mit ihrer „Bauerei“ Krauses alter Gastwirtschaft neues Leben ein.

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Gänsemarsch durchs Dorf: Mathias Peeters und Lene Waschke treiben ihre grau-gefiederten Mitbewohner vom Gasthof zur Wiese.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Grube. Es ist die Liebe auf den zweiten Blick, die Mathias Peeters (56) nach Grube und in Krauses Landgasthof verschlagen hat. „Grau, groß, hässlich – nie im Leben geh ich da hin. Das waren meine Worte, als mir ein Bekannter vorschlug, den Hof zu kaufen.“ Er ließ sich dann doch zu einer Besichtigung hinreißen. Grau, groß und mit einem rastlosen Maulwurf gesegnet. Peeters sah genauer hin. „Schwarze Erde, zwei Meter tief – ein Traum!“

Heute, drei Jahre später, ist Mathias Peeters in Krauses Gastwirtschaft zu Hause. „Ein schöner Platz“, sagt er und streift die schweren, erdverklebten Wanderstiefel ab, bevor er ins Haus und ins Arbeitszimmer bittet. Die Decke ist hoch, die Fenster gehen zum Hof, auf dem Schäferhund Rufus seine schnüffelnden Kreise zieht. In der Ecke steht ein Kachelofen, schräg gegenüber ein großer Tisch, an dem wohl schon Generationen Platz genommen haben. Ein paar Fotos und Bilder hängen an den Wänden, darunter eine Zeichnung der Mühle von Sanssouci. Eine Wand ist den Büchern vorbehalten. Dutzende, gar Hunderte sind dort aufgereiht und gestapelt. Ganz vorne in der ersten Reihe – der bunt illustrierte Titel ist dem Raum zugewandt – steht John Seymours Selbstversorger-Bibel „Das große Buch vom Leben auf dem Land“. In diesem Fall „Leven van het land“.

Ein Landwirt aus Holland sucht das Bauern-Glück

Mathias Peeters ist in Holland geboren und aufgewachsen. „Ein Müllersohn“, sagt er. „Die ursprüngliche Landwirtschaft ist mir seit der Kindheit vertraut. Wenn mein Vater die Bauern besucht hat, war ich mit dabei. Ich kannte jeden Stall und jedes Feld in der Umgebung.“ Später als junger Mann und Lehrbursche habe er auch die industrielle Landwirtschaft kennen und alsbald fürchten gelernt. Schnell wusste er, was er will: ökologisch wirtschaften, vielschichtig, gemeinschaftlich.

Sich einen Betrieb aufzubauen, der nicht nur gewerblich, sondern auch für die Dorf-Gesellschaft rentabel ist, hat gedauert. „Ich bin durch ganz Europa gewandert“, erzählt Peeters. Im Hunsrück ist er das erste Mal sesshaft geworden. Aber das Leben schlägt seine Volten und trieb ihn dann doch weiter. Ostwärts. Bis nach Grube, genauer gesagt bis Schlänitzsee.

Lange habe er einen Ort gesucht, an dem er eine Landwirtschaft aufbauen kann, die so klein wie möglich ist, aber so groß wie nötig, um sich zu tragen. Aber Mathias Peeters will nicht nur Bauer sein, über die Jahre ist er mehr und mehr zum Pädagogen gereift. Als sich die Gelegenheit bot, mit der Montessori-Schule Potsdam die „Jugendschule am Schlänitzsee“ aufzubauen, zögerte er keinen Augenblick.

Jugendliche ackern auf eigene Faust und lernen fürs Leben

Bei dem Projekt beackern seit 2008 Jungen und Mädchen in der schwierigen Übergangsphase von der Kindheit zur Jugend, in der das Schulbankdrücken für viele eine rechte Qual ist, vier Hektar Land. Saatgut kaufen, das Feld bestellen, die Ernte einbringen und vermarkten – sie müssen sich um alles allein kümmern. Mathias Peeters und Lehrer wie seine Lebensgefährtin Lene Waschke (42) begleiten die Teenager zwar. Alteingesessene Gruber wie die Landwirte Arno Zinnow und Familie Schellhaase oder Einkoch-und-Schlacht-Meisterin Lydia Buchholz unterstützen das Projekt. Doch Richtung und Takt geben die Schüler vor.

Als klar war, dass sich die Jugendschule zu etwas Bleibendem entwickelt, haben Mathias Peeters und Lene Waschke in der Nähe ein Zuhause gesucht und 2013 in Krauses Gastwirtschaft gefunden. Dort betreiben sie die „Bauerei“, die ein Hof der unbegrenzten Möglichkeiten ist. Das Gemeinschaftsprojekt widmet sich Ernährung und Landwirtschaft, Naturpädagogik und Naturerfahrung, ist eng mit der Jugendschule Schlänitzsee verbunden, wendet sich aber weiteren Interessengruppen zu: Schüler werkeln dort, Lehrer lassen sich weiterbilden, Besucher packen an.

Der Festsaal soll ein Treffpunkt fürs Dorf bleiben

Weil so ein Gasthof traditionell Dreh- und Angelpunkt des Dorflebens ist, traf es die Gruber schwer, als Familie Krause vor einigen Jahren die Schotten dicht machte. Mit der Bauerei bringen Mathias Peeters und Lene Waschke nun wieder Leben ins Gemäuer. Wenn gewünscht, öffnen sie auch den historischen Festsaal für Familienfeiern, Hochzeiten und andere Veranstaltungen. Neulich stieg dort eine Geburtstagsparty mit 100 Gästen. Gerade probt das Theater Ton und Kirschen sein neustes Stück. Die Premiere von „Bartleby der Schreiber“ nach Herman Melville findet am 24. November allerdings in der Fabrik in Potsdam statt.

Von Nadine Fabian

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