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Potsdam Der MAZ-Verkehrstest: Das sind die gefährlichsten Straßen Potsdams
Lokales Potsdam Der MAZ-Verkehrstest: Das sind die gefährlichsten Straßen Potsdams
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01:16 19.04.2019
Mulmiges Gefühl: Wenn der Lkw Am Neuen Garten von hinten anrauscht, greifen die Finger noch etwas fester um den Lenker. Varvara Quelle: smirnova
Potsdam

Wenn ein Autofahrer einen Fahrradfahrer überholen will, muss er 1,50 Meter Platz lassen. Darauf weisen Stadt und Polizei immer wieder hin. Doch dafür sind viele Straßen in Potsdam viel zu schmal. Deswegen hat die MAZ in der vergangenen Woche gefragt: Wo wird es auf Potsdams Straßen besonders eng, wo wird es gerade beim Überholen schnell gefährlich?

Die Antworten kamen per Mail, oder als Kommentare in verschiedenen Facebook-Gruppen – und sie kamen dutzendfach. Wir haben die meistgenannten Straßen getestet – mit dem Rad und mit dem Auto.

Test in der Behlertstraße und Am Neuen Garten

Mit großem Abstand wurden die Behlertstraße und Am Neuen Garten im Süden des Heiligen Sees am häufigsten genannt. Weil sie zusammenhängen und ineinander übergehen, habe ich sie zusammengefasst. Ich bin den Weg von der Nuthestraße über die Kreuzung mit der Kurfürstenstraße und der Mangerstraße hinaus bis zum Übergang der Straße Am Neuen Garten in die Alleestraße abgefahren – mehrfach in beide Richtungen.

Mit dem Fahrrad: Einen Helm auf dem Kopf und mit den Händen fest am Lenker fahre ich von der großen Verkehrskreuzung an der Nuthestraße vorsichtig los. Der Weg für mich als Fahrradfahrer ist mit einer zentimeterdicken Markierung von den beiden Autospuren abgetrennt. Das gibt mir etwas Sicherheit, denn die Linie ist gut zu sehen. Doch immer wenn die Ampelschaltung an der Kreuzung einen neuen Schwung Autos zu mir durchlässt, wird es eng. Ich fahre nicht schnell, aber zügig.

Und trotzdem haben die Autos jeweils in Sekunden zu mir aufgeschlossen. Dabei wartet kaum ein Wagen, bis der Platz zum Überholen frei ist. Die dicke weiße Markierung scheint den Autofahrern auch zu signalisieren, dass ein Fahren direkt an der Markierung genügend Platz lasse. Doch das tut es nicht. Dutzendfach werde ich deutlich zu dicht überholt. Zum Teil sind es geschätzt keine 60 Zentimeter zwischen meinem Ellenbogen und den Außenspiegeln. Der Abstand von 1,50 Meter ist an dieser Stelle auf jeden Fall die Ausnahme.

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Überraschenderweise ändert sich das ein wenig, als ich die Kreuzung zur Kurfürstenstraße passiere. Der Radstreifen auf der Straße ist hier nur noch mit einer dünnen gestrichelten Linie abgetrennt. Mir wird mulmig, als ich den Weg entlangfahre und immer wieder große, schwere Lkw hinter mir höre. Doch hier nehmen die Autofahrer etwas mehr Rücksicht. Immer wieder fahren sie einen Bogen, wenn sie mich überholen.

Mit dem Auto: Als ich mit meinem VW Polo beide Straßen entlangfahre, sehe ich die Straße aus anderer Perspektive. Ich achte nicht nur auf die Radfahrer schräg rechts vor mir. Ich merke immer wieder auch, wie eng die Fahrstreifen für die Autos sind. Fahrradfahrer mit ausreichendem Abstand zu überholen, ohne auf die Nebenspur auszuweichen, ist schlicht nicht möglich. Doch auch ohne Radfahrer ist es an einigen Stellen schwierig genug, die eigene Spur zu halten. Immer wieder sehe ich vor mir Pkw und vor allem Lkw, die in der Rechtskurve, wo die Behlertstraße in Am Neuen Garten übergeht, die Fahrradspur schneiden.

Das sagt Torsten von Einem, Radverkehrsbeauftragte der Stadt: „Die Straße ist sicherlich eng. Aber um hier den Schutzstreifen für die Fahrradfahrer zu verbreitern, müsste die gesamte Straße verbreitert werden. Und das ist aktuell kaum zu machen. Wir müssen mit Öffentlichkeitsarbeit das Bewusstsein für den Mindestabstand erhöhen.“

Diese Straßen wurden von Ihnen am häufigsten genannt

Nach dem Aufruf der MAZ, die gefährlichsten und engsten Straßen der Stadt zu nennen, kamen dutzende Nachrichten. Neben den drei getesteten Straßen wurde aber immer wieder auch die Friedrich-Ebert-Straße genannt. Auch der Voltaireweg, die Kurfürstenstraße und die Pappelallee wurden in mehreren Kommentaren erwähnt. Überall aber gilt, was Manfred Eggert bei Facebook in den Kommentaren schrieb: „Wenn jeder etwas Rücksicht nimmt, kommen wir auch alle hin“.

Test in der Friedrich-Engels-Straße

In der Friedrich-Engels-Straße teste ich den Abschnitt zwischen der Einmündung zur Schlaatzstraße und dem Kreisverkehr in Babelsberg am Lutherplatz – ebenfalls in beiden Richtungen.

Mit dem Fahrrad: Als ich in Richtung Babelsberg und wieder zurück mit meinem Fahrrad fahre, habe ich erneut dieses bedrückende Gefühl, wenn sich Autos von hinten nähern. Gerade der Abschnitt unter der Nuthestraße hindurch bis zum Kreisverkehr ist problematisch. Der Radstreifen verläuft in diesem Abschnitt auf der Straße, zum Teil links neben den parkenden Autos vorbei. Als ein Auto kurz vor mir einschert und parkt, zögere ich kurz und werde langsamer. Ich habe Angst, dass der Fahrer die Tür aufreißt und ich stürze. Eine Möglichkeit um auszuweichen, habe ich nicht. Links neben mir fahren Autos – und schon wieder drängelt jemand, mich zu überholen.

Mit dem Auto: Wer mit dem Auto aus Babelsberg kommend die Friedrich-Engels-Straße entlangfährt, passt an einer Stelle besonders auf. Wenn die Straße eine Linkskurve macht, wird der Raum für Fahrrad- und Autofahrer plötzlich sehr eng. Bei Gegenverkehr hier mit den äußeren Reifen nicht auf den Fahrradstreifen auszuweichen, ist eine echte Herausforderung – einen Radfahrer zu überholen, ist unmöglich.

Test mit dem Fahrrad – und dem Auto. Denn im Straßenverkehr sind beide Perspektiven wichtig. Quelle: Varvara Smirnova

Und trotzdem sehe ich immer wieder Autos vor mir, die genau das tun. Da ich die Stelle zuerst als Radfahrer getestet habe, weiß ich, wie sich der Überholte gefühlt haben muss – auf einem dünnen Streifen Straße, rechts die Mauer und links das in wenigen Zentimetern Abstand vorbeirasende Auto.

Das sagt Torsten von Einem: „Die Straße an dieser Stelle zu verbreitern, ist nicht möglich. Dass in der angesprochenen Kurve der Mittelstreifen für die Autofahrer fehlt, ist Absicht. Es soll verhindern, dass die Autofahrer noch weiter nach rechts auf den Radweg ausweichen.“

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Von Ansgar Nehls

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