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Potsdam Der Mann für alle Fälle
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00:18 23.03.2017
Unternehmer Björn Weggen mit dem Bollerwagen, mit dem vor drei Jahrzehnten alles begann. Quelle: Marcel Kirf
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Potsdam

Dass Björn Weggen unternehmerisches Talent besitzt, zeigte sich schon in Kindertagen. Als er zwölf Jahre alt war, gab es die DDR noch, aber auf der Freizeitausstellung im heimischen Grünau keine Tragehilfen für die Kaufenden. Also schnappte sich Weggen, ganz Berliner Steppke, den Handwagen seines Großvaters und brachte die Waren der Messebesucher zum Parkplatz – gegen Bezahlung, versteht sich. „Ich habe immer gerne gearbeitet“, bekennt der erwachsene Unternehmer heute. Zu seinem 40. Geburtstag vor zwei Jahren ließ sein Vater jenen Handwagen, mit dem alles begann, wieder aufarbeiten und schenkte ihn Björn Weggen.

1996 kam er zum Studieren nach Potsdam

Der damaligen Geschäftsidee, der anderen Last zu tragen, ist er in gewisser Weise bis heute treu geblieben. 1996 zum Studieren nach Potsdam gekommen, Jura zunächst, dann BWL, betrieb Weggen in der Stadt einen Rikscha-Service, seit 2009 ist er Inhaber der Firma Mieterando: er verleiht, was die Menschen gebrauchen können, bringt es ihnen vorbei und holt es wieder ab. Begonnen hat diese Unternehmung mit einem Teppichreiniger, inzwischen füllen unzählige Gerätschaften und Gegenstände die Regale der zentralen Lagerhalle im Schlaatzweg. „Das meiste ist aber ständig unterwegs“, sagt Weggen. „Gibt einer zurück, kommt es gleich zum nächsten Kunden.“

Sharing Economy (seltener auch Share Economy) heißt das Prinzip, wenn sich nicht mehr jeder, der für kurze Zeit bestimmte Möbel oder Utensilien braucht, diese selbst anschaffen muss. In manchen Nachbarschaften teilt man sich zum Beispiel teure Gartengeräte, Party-Mobiliar oder Fahrzeuge. „Auf dem Land ist das weit verbreitet“, weiß Weggen, „in Großstädten eher nicht.“ Deshalb ist er vor allem in der Stadt tätig. Mit seinen Kühlschränken, Biertischgarnituren, Zelten, Heizpilzen und Stehtischen, seinen Gläsern und Servierhilfen, seinem Geschirr und Besteck kann er inzwischen bis zu 5000 Menschen auf einer Veranstaltung versorgen. Große Firmen gehören zu seinen Kunden, die Deutsche Bahn zum Beispiel, Krankenkassen und Messestandbetreiber. Aber auch Privatleute, die nur für ein paar Gäste eine Feier ausrichten, beliefert Weggen.

Er verleiht auch Anzüge, die das Seniorenalter simulieren

„Ich bin ständig auf der Suche nach neuen Produkten“, sagt der Unternehmer. Neben der gastronomischen und technischen Grundausstattung sind bei ihm auch Hüpfburgen, Tischtennisplatten, portable Musikanlagen und Feuerschalen zu haben, aber auch Nicht-alltägliches wie Metalldetektoren, ein „tanzendes Regal“ zur Präsentation von Waren sowie vierzig Alterssimulationsanzüge. Mit diesen Anzügen, die mittels Gewichten, Manschetten, einer getönten Brille und Hörschutz schwindende Kräfte und Sinne im Alter simulieren sollen, tourt Weggen quer durch Deutschland. Auf Gesundheitsmessen, Stadtfesten, Firmenveranstaltungen und sogar beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung gab er Besuchern so bereits Einblick in die Lebenswelt eines Senioren.

Der Unternehmer gönnt sich nur zehn Tage Urlaub

„Im Grunde kann man alles verleihen, was jemand haben möchte“, erklärt Weggen. Sogar die Langzeitvermietung von Designermöbeln hat er ausprobiert. Nur das Geschäft mit Unterhaltungstechnik sei sehr schnelllebig: „Spielekonsolen haben die Leute selber oder es kommt gleich schon wieder die nächste raus.“ Auch habe manches seine Zeit: ging vor Jahren noch ein Scanner, mit dem man Dias digitalisieren konnte, besonders gut, ist gerade ein Matratzenreiniger angesagt – „dann muss man die nicht neu kaufen“. Seit er im Juli 2014 Vater geworden ist, versucht Weggen etwas kürzer zu treten. Trotzdem war er im vergangenen Jahr rund 50 000 Kilometer im Auto unterwegs, gönnte sich nur zehn Tage Urlaub. Als Einzelunternehmer macht er vieles selbst, seine Frau erledigt die Buchhaltung, sechs freiberufliche Mitarbeiter sind als Servicefahrer eingesetzt. Weggen, der einst mit dem Bollerwagen in der Hand seine Liebe zum Unternehmertum entdeckte, strotzt vor Tatendrang: „Das Glück hat drei Buchstaben: Tun.“ Diesen Goethe-Aphorismus hat er zu seinem Lebensmotto erkoren. Als nächstes plant der Potsdamer, in andere Metropolregionen zu expandieren.

Von Marcel Kirf

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