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Der Marstall wird ausgeräumt

Filmmuseum vor einjähriger Sanierungspause / Direktorin Bärbel Dalichow geht / Kinoprogramm noch bis zum 21. März Der Marstall wird ausgeräumt

An die 40 Jahre stand der graue Filmprojektor „Dresden D21“ im Staatsratsgebäude am Marx-Engels-Platz in Berlin. DDR-Staatschef Walter Ulbricht hatte ihn Anfang der 1960er Jahre für Filmvorführungen im kleineren Personenkreis einbauen lassen.

Bärbel Dalichow, Direktorin des Potsdamer Filmmuseums, entdeckte das mittlerweile antiquarische Gerät bei einer Geburtstagsfeier für Jürgen Böttcher alias Strawalde, Bundeskanzler Gerhard Schröder war der Gastgeber und der Platz vor dem Hause längst in Schlossplatz zurück benannt.

Seit November 2011 hatte „Dresden D21“ seinen Platz in der neuen Dauerausstellung „Traumfabrik“ zum 100-jährigen Bestehen der Filmstadt Babelsberg. Das 500 Kilogramm schwere Gerät stand, in der siebten und letzten Abteilung „Premiere!“, neben zwei anderen Projektoren in drei Metern Höhe hinter der letzten Stufe eines Zuschauerpodestes, für das auf der Leinwand vis-à-vis nonstop eine Collage mit Schnipseln aus Babelsberger Filmproduktionen lief. Am Freitag Punkt 10.25 Uhr wurde Ulbrichts Filmvorführgerät mit einem kräftigen Gabelstapler sanft gelupft.

Der von der Presse begleitete Abtransport des Filmprojektors, der auf Initiative von Bärbel Dalichow in die Sammlung des Filmmuseums kam, war ihr letzter öffentlicher Auftritt als Chefin des Hauses in den Ausstellungsräumen. Nach 23 Jahren an der Spitze des ältesten Filmmuseums der Bundesrepublik wird sie sich im Frühjahr mit der zeitweiligen Schließung der Einrichtung in den Vorruhestand verabschieden. Den Abbau kommentierte sie gestern mit Bitterkeit: „Eine Dauerausstellung kaputtzumachen, die gerade 15 Monate alt ist, das ist schon Wahnsinn.“

35 000 Besucher kamen nach Schätzung von Museumssprecherin Christine Handke insgesamt in die Dauerausstellung, die am 3. Februar geschlossen wurde. Am Montag rückten die ersten Umzugshandwerker an. Bis zum 25. März soll das Gebäude des alten Marstalls für diverse Umbauarbeiten nahezu komplett geräumt sein. 1,8 Millionen Euro stehen bei der Schlösserstiftung als Hausherrin dafür bereit. Die 300 000 Euro für den Auszug von Ausstellungsmaterial, Kino- und Büroeinrichtungen, für die Zwischenlagerung und den Wiedereinzug des Filmmuseums im Frühjahr 2014 müssen ebenso aus dem Etat des Museums aufgefangen werden, wie mit der einjährigen Schließung verbundene Einnahmeverluste, die laut Handke ebenfalls bei 300 000 Euro liegen können.

Federführend beim Abtransport des Inventars ist die Babelsberger Umzugsfirma Plischka, unter deren Regie nach Schätzung ihres Prokuristen Silvio Tessmer mit zwölf bis 18 Mann insgesamt 80 bis 100 Wagenladungen mit Museumsgut bewegt werden. Ein Teil wird bei Plischka eingelagert, ein Teil im Museumsdepot in der Pappelallee. Einige der von Babelsberger Kulissenbauern gestalteten Ausstellungselemente bleiben eingepackt im Haus. Nach der Sanierung soll die Dauerausstellung überarbeitet wieder zu sehen sein.

Der Marstall ist zuletzt 1993 nach internationalen Museumsstandards umgebaut worden. Wesentlicher Grund für die erneuten Arbeiten ist der Brandschutz. Das Gebäude wird dafür mit zusätzlichen Einbauten in fünf Abschnitte geteilt. Ersatzlos soll die ovale Öffnung zwischen der ersten und zweiten Ausstellungsetage verschwinden, die erst beim Umbau 1993 geöffnet wurde. Die etagenübergreifende Glaswand zwischen dem Foyer und den Ausstellungssälen wird durch Mauerwerk ersetzt. Inklusive ist beim Umbau ein behindertengerechter Eingang. Das Filmcafé bekommt mit Schließung der Durchgangsbögen vor dem Eingang zusätzlichen Innenraum.

Dass Kino des Filmmuseums bleibt bis zum 21. März geöffnet. Zum 80. Jahrestag des Händedrucks von Hitler und Hindenburg wird es ein umfangreiches Programm mit dem Titel „Der andere Tag von Potsdam“ geben. (Von Volker Oelschläger)

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