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Potsdam Der Mythos Eleonore Prochaska
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09:09 28.08.2013
Eleonore Prochaska alsSchütze August Renz.
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Potsdam

Dass Männer nicht von persönlichen Problemen getrieben werden, wenn sie in den Krieg ziehen, wird gemeinhin angenommen. Was aber, wenn eine Frau ihr ziviles Leben hinter sich lässt und mit der Waffe in der Hand für die Freiheit einer Nation kämpft? Dann ist sie ein „Flintenweib“, dem man die edlen Motive (vor 200 Jahren: Volk und Vaterland) nicht so ohne Weiteres abnimmt.

Eleonore Prochaska versetzte 1813 ihr ganzes „Zeug“, um sich „anständige Manneskleidung“ und „eine Büchse“ zu kaufen. Dann meldete sie sich als „August Renz“ beim Lützowschen Freikorps. Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. hatte nach siebenjähriger französischer Fremdherrschaft sein Zaudern endlich überwunden und zum heiligen Krieg gegen Napoleon aufgerufen.

Über die Tochter eines Potsdamer Unteroffiziers und Militärmusikers ist nicht viel bekannt. Herzergreifend sind zwei Briefe, die sie kurz vor ihrem Tod an ihren Bruder gerichtet hat. Nach ihrer schweren Verwundung am 15. September 1813 bei einer Schlacht nahe Dannenberg soll die 28-Jährige gerufen haben „Herr Leutnant, ich bin ein Mädchen!“. Am 5. Oktober starb sie und wurde als Heldin mit militärischen Ehren beigesetzt.

Seit 200 Jahren reizt die Figur der Eleonore Prochaska Schriftsteller und Ideologen zu Projektionen und Ausschmückungen. Was waren ihre Motive? Aus welcher persönlichen Lage befreite sie sich mit ihrem Entschluss? Verband sich damit ein Bekenntnis gegen die Unterdrückung der Frau?

Im 19. Jahrhundert wurde sie als „Jeanne d'Arc Preußens“ und als „tapfere jungfräuliche Heldin der deutschen Befreiungskriege“ gefeiert. Der Mythos hatte noch Auftrieb erhalten, weil Ludwig van Beethoven auf der Höhe seines Ruhms 1815 einen pathetischen „Trauermarsch“ komponierte – zu einem Prochaska-Drama, das aber verloren ging. Die berühmte Leonoren-Overtüre seiner Oper „Fidelio“ (1805), in der sich ebenfalls eine Frau als Bursche verkleidet, wird oft irrtümlich mit ihrem Fall in Verbindung gebracht.

Zwei sehr unterschiedliche literarische Neuerscheinungen widmen sich aktuell dem Mythos. Als unerträgliche Adels-Schmonzette kommt Birgid Hankes „Flamme der Freiheit“ daher. Das Buch feiert am Mittwoch, 19 Uhr, im eigentlich seriösen Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte Potsdam Buchpremiere. Die Bremer Autorin dichtet der Heldin – ganz im Sinne und im Stile des 19. Jahrhunderts – ein amouröses Abenteuer mit einem Hochwohlgeborenen an. Mit pausbäckiger, geradezu reaktionärer Fantasie schmückt sie Eleonores Heranwachsen in einem märkischen Adelssitz aus. Um deren Talent als Sängerin zu fördern, wurde Eleonore von der Gräfin wie eine Tochter aufgenommen und dem Elend des Potsdamer Militärwaisenhauses entrissen. Als ihr Enkel die nicht Standesgemäße liebt, schwängert und dann verstößt und sie obendrein von einem Franzosen auch noch vergewaltigt wird, lässt sie Kind und Vater in Potsdam im Stich und stürzt sich in den Feldzug.

Als Text ernst zu nehmen ist dagegen das Büchlein „Ein Traum von Prochaska“ von Gudrun Elise Parnitzke. Aus einer Fiktion schlägt die Autorin literarische Funken und inzeniert ein Zwiegespräch zwischen Beethoven und dem untoten August Renz, der sich als Eleonore entpuppt. Da der geisterhafte Dialog zehn Jahre nach ihrem Heldentod stattfindet, haben sich die patriotischen Hoffnungen auf Freiheit und Überwindung des Ständestaates inzwischen zerschlagen. Doch Eleonore will nicht umsonst gestorben sein.

Von Karim Saab

Birgid Hanke: Flamme der Freiheit. Knaur, 528 Seiten, 9,99 Euro.
Gudrun Elise Parnitzke: Ein Traum von Prochaska. Dahlem-B., 132 Seiten, 12 Euro.

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