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„Der Neue Garten ist kein Abenteuerspielplatz!“

Zu Hause in... der Berliner Vorstadt „Der Neue Garten ist kein Abenteuerspielplatz!“

Nasse Füße drohen einen paradiesischen Ort im Herzen der Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft zu zerstören. Der Neue Garten, idyllisch zwischen Heiligem See, Jungfernsee und Pfingstberg gelegen, wird von Badegästen regelrecht plattgewalzt. Das Maß ist voll, meint der Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Geht’s so weiter, sei der Park bald ruiniert.

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Gartendirektor Michael Rohde hier im Park Sanssouci

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Der Neue Garten leidet unter dem Ansturm von Besuchern, die mehr wollen als sich an der wundervoll gestalteten Landschaft zu ergötzen. Längst kommen Tausende zum Baden, Picknicken, Grille und Toben in den Park, dem Peter Joseph Lenné ein Antlitz mit weiten Schwüngen und klaren Linien gab. Nicht nur die Nachbarn in der Berliner Vorstadt ärgern sich über zurückgelassenen Müll, plattgetrampelte Wiesen und allzu nackte Tatsachen. Auch Michael Rohde, der Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), ist tief besorgt.

Herr Rohde, wann haben Sie zuletzt im Heiligen See gebadet?

Michael Rohde: Ich kann mich nicht erinnern, jemals im Heiligen See gebadet zu haben – dafür gibt es doch viele naturnahe Badestellen in und um Potsdam. Es müsste einleuchten, dass es in einem Welterbepark zwangsläufig zu Nutzungskonflikten kommt. Der Neue Garten ist ja nicht für eine derartige Nutzung vor mehr als 200 Jahren konzipiert und angelegt worden. Die letzte, prägende Ausgestaltung stammt sogar von Lenné, der die schönen Wiesenareale schuf und über rahmende Baum- und Strauchgruppen weite Sichten erreichte. Durch diese Ausgestaltung wurde der Neue Garten zentraler Bestandteil der Potsdam-Berliner-Kulturlandschaft, die dadurch vor 26 Jahren den Status Weltkulturerbe erreichen konnte.

Wie ist es dann überhaupt zu der Badestelle gekommen?

Rohde: Erst nach dem Fall der Mauer etablierte sich umgehend eine Reihe von bedenkenlosen Nutzungen die unter anderem sogar massive Zerstörungen der Uferbereiche zur Folge hatten. 1995, mit der Stiftungsgründung, kam es zu einer Vereinbarung, das Baden in der Nähe des Hasengrabens zu tolerieren. Dafür half die Landeshauptstadt bei der Müllbeseitigung und mit Ordnungskräften bei der Einhaltung der Parkordnung. Heute, rund 20 Jahre später, haben sich die Probleme durch das Baden wie auch dessen Ausdehnung in gefährlichen Ausmaßen vergrößert.

Im Moment ist zu beobachten, dass sich vor allem junge Menschen das Westufer zwischen Gotischer Bibliothek und Marmorpalais zum Baden und Feiern erobern.

Rohde: Wir stellen jedoch zugleich fest, dass die Beschwerden über diese Zustände und Müllhinterlassenschaften zunehmen. Die Stiftungsgärten generell sind ja alte Fürstengärten, die im öffentlichen Interesse bewahrt werden und die heute für viele Kultur- und Naturfreunde „künstliche Paradiese“ darstellen. In Wörlitz wurde übrigens schon 1800 ein Marmorsockel aufgestellt. Die Inschrift: „Wanderer, achte Natur und Kunst und schone ihrer Werke“. Im Vergleich haben der Potsdamer BUGA-Park oder auch der Hamburger Stadtpark, wo Tummelwiesen oder Badebereiche von vornherein eingeplant worden sind, einen ganz anderen Charakter. In derartigen „Volksparks“ können Bürger eine viel höhere Bandbreite an Nutzungen erleben.

Von wie vielen Wanderern sprechen wir im Falle des Neuen Gartens?

Rohde: Wir freuen uns über viele, auch internationale Gäste. Doch wir beobachten, dass an warmen Sommertagen täglich bis zu 5000 Besucher im Neuen Garten baden, lagern, picknicken, radfahren, grillen – aber bitte, der Neue Garten ist doch kein Abenteuerspielplatz! Wir haben großes Entgegenkommen gezeigt, als wir den Weg am Jungfernsee soweit befestigt haben, um diesen von der Schwanenbrücke zur Meierei für Radfahrer freigeben zu können. Das sind besondere Ausnahmen, denn die vielen Spaziergänger wollen Kunst und Natur ja ungestört erleben.

Eine Vielzahl von Problemen – welches sind die größten?

Rohde: Der Müll, die Schäden an den Ufern, Bäumen und Sträuchern wie auch an den Biotopen. Denn auch der Naturschutz ist zu beachten. Wir haben zum Beispiel wertvolle Wiesen mit seltenen Pflanzen, sogar noch aus Zeiten Lennés. Geht es aber mit der wilden Nutzung des Parks – einer Fehlnutzung, wie ich sie in Deutschland nirgendwo sonst in diesem Ausmaß gesehen habe – so weiter, werden diese Wiesen versteppen, weil sie einfach totgetreten werden.

Wie viel Müll lassen die Besucher im Neuen Garten zurück?

Rohde: Uns kostet die Pflege des Bereichs zwischen Grünem Haus und Hasengraben rund 70000 Euro im Jahr. Der größte Posten ist mit rund 21000 Euro die Müllentsorgung. Das ist wirtschaftlich nicht mehr erklärbar – zumal die Tendenz steigend ist.

Wie sieht der Neue Garten in zehn Jahren aus, wenn man die Leute einfach machen lässt?

Rohde: Die Probleme und das Ausmaß machen uns große Sorgen, denn Bereichen des Neuen Gartens drohen nun irreversible Schäden und größere Nutzungseinschränkungen für Spaziergänger. Wir können in diesen Bereichen keine notwendigen Nachpflanzungen mehr vornehmen, geschweige denn, diese fachgerecht pflegen. Dieses einzigartige „künstliche Paradies“ Neuer Garten droht also mehr und mehr an Wert zu verlieren, droht in einigen Bereichen zu einer beliebigen Grünfläche degradiert zu werden. Wir wollen und müssen doch alle gemeinsam ein Interesse daran haben, dass die Schönheit und Vielfalt der Lennéschen Gestaltungen erkannt, respektiert und auch künftig in diesen Gestaltungen für alle Bürger und Besucher erlebbar bleibt.

Von Nadine Fabian

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