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Der Potsdamer Schattenmann

Zu Hause in... der Nauener Vorstadt Der Potsdamer Schattenmann

Horst Pomplun hat von Potsdam aus ein Sicherheits-Imperium erschaffen und in der Villa seiner Vorfahren am Neuen Garten tausende Personenschützer ausgebildet. Über sein Leben in der Gefahrenzone schreibt er nun Bücher. Weil er darin mit großer Wonne auch von seinen erotischen Abenteuern überall auf der Welt erzählt, empfiehlt er die Lektüre erst ab 16.

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Ein Leitbild für Potsdam

Horst Pomplun in der Bibliothek. Im roten Sessel in der Ecke soll schon Kaiser Wilhelm II. Platz genommen haben.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Wenn diese Wände reden könnten – sie würden dem Hausherren vermutlich in nichts nachstehen und die Ohren der Zuhörer zum Glühen bringen. Horst Pomplun lehnt sich zurück. So oft hat er diese und wohl tausend andere Geschichten aus seinem Leben in der Gefahrenzone erzählt und dabei wahrlich kein Blatt vor den Mund genommen. „Als Berliner hab ich natürlich eine große Schnauze“, sagt er. Seine frivole, unverblümte Art, seine forschen Späße: „Das darf man alles nicht zu ernst nehmen. Alle, denen ich je meinen Schutz geboten habe, können sich meiner Diskretion sicher sein.“ Namen von Beteiligten und Orten nennt er nicht: Und die, die er hin und wieder in seine Ausführungen doch einstreut, sind sie wahr? Horst Pomplun hüllt sich in vielberedtes Schweigen.

Die Angestellten nennen ihn Sir

Da thront er hinter dem schweren Schreibtisch in seinem Büro in der blassgelben Villa in der Großen Weinmeisterstraße 54, dieser – wie viele sagen – legendäre Personenschützer. Die Angestellten nennen ihn Sir. Ein Lehrling, der mit zitternden Händen Tee einschenkt, so dass die Gläser klirren, wird zusammengestaucht. „Souveränität und gutes Benehmen“, sagt Horst Pomplun, „sind das A und O. Wir wollen nicht auffallen. Höchstens positiv.“

Die Villa in der Großen Weinmeisterstraße 54 ist das Hauptquartier von VTP-Security

Die Villa in der Großen Weinmeisterstraße 54 ist das Hauptquartier von VTP-Security.

Quelle: Bernd Gartenschläger

68 Jahre ist Horst – genannt „Papa“ – Pomplun nun alt, von einer schweren, überstandenen Krebserkrankung gezeichnet, aber noch immer ein Hüne. Die Türen und Fenster des Büros hat er stets im Auge. Alte Personenschützer-Schule. Er könne gar nicht anders, sagt er, immerhin sei er nun ein halbes Jahrhundert für die Sicherheit im Einsatz – auch wenn er inzwischen sehr viel kürzer trete.

Vom Berliner Polizisten zum Personenschützer in aller Welt

Angefangen hat alles an einem kalten Abend im Mai 1977 im Hinterzimmer einer pompösen Villa im Grunewald. Zwei schwarz gekleidete Herren bieten dem Berliner Polizisten einen Auftrag an. Keine 48 Stunden später findet sich Horst Pomplun unter der sengenden Sonne des Nahen Ostens wieder. Ein weiß gewandeter Herr fährt im goldenen Straßenkreuzer vor, begrüßt ihn mit Salem Aleikum: der neue Dienstherr. Horst Pomplun bildet die Palastwachen aus – gewissermaßen das Gesellenstück, mit dem er seinen Ruf in der arabischen Welt begründet. Einer sehr dankbaren, zahlfreudigen und schutzbedürftigen Welt, wie sich herausstellt. Horst Pomplun hängt die Polizistenmütze an den Nagel und arbeitet fortan auf eigene Faust. Dem Scheich folgen Staatspräsidenten und Wirtschaftsgrößen, Könige und Königinnen, Prinzen und Prinzessinnen, Stars und Sternchen aus Film, Fernsehen, Musik und Sport. Horst Pomplun war der Schatten von Gabriela Sabatini und Phil Collins, von Manfred Stolpe und Hugo Chavez. Er hat beim Bush-Besuch gemeinsam mit der CIA das Essen serviert und ist mit der Frau eines Emirs shoppen gegangen.

All diese Husarenstücke! Horst Pomplun hat sie zu Papier gebracht und inzwischen zwei Bücher veröffentlicht – Fortsetzung garantiert. „Ich hab Stoff für mindestens neun Bände. Meine Erlebnisse waren zu schön, um sie nicht auch anderen mitzuteilen.“ Vor allem amouröse Abenteuer gibt er in „Mein Leben als Personenschützer“ Teil I und Teil II zum Besten. „Die teuflisch schönen Nebeneffekte“, wie er sagt. „Frei ab 16.“

Der Urgroßvater war Leibgardist des Kaisers

Sein Meisterstück ist indes die „VTP Fachakademie für Sicherheit“ mit Sitz in Potsdam. Das Geschäft betreibt er mit Ehefrau Ewa, der ersten bewaffneten Leibwächterin der Bundesrepublik. Einige Tausend Personenschützer hat VTP ausgebildet, darunter etliche Frauen. „Wir haben den privaten Personenschutz in Deutschland begründet“, sagt Horst Pomplun. „Wir haben auch die Ausbildungsstandards geschaffen. Und das von Potsdam aus.“ Die Villa in der Großen Weinmeisterstraße – das Haus seiner Ahnen, das ihm 1994 mit Abzug der letzten sowjetischen Truppenteile aus dem KGB-Städtchen rückübertragen wurde – war prädestiniert dazu. „Mein Urgroßvater, der hier lebte, war Chef der Leibwache des Kaisers“, erzählt Horst Pomplun. „Da hinten auf dem roten Sessel, da hat er gesessen. Das Dienstmädchen ist in Ohnmacht gefallen!“ Zwei Leute hätten damals genügt, um Wilhelm II. sicher durch die Stadt zu lotsen. „Die Zeiten haben sich leider geändert.“

Ein Leben für den Personenschutz

Horst Pomplun hat bisher zwei Bände seiner Memoiren im Eigenverlag veröffentlicht. „Mein Leben als Personenschützer – aber auch die teuflisch schönen Nebeneffekte“ und „Mein Leben als Personenschützer – Zwischen Leben und Tod“. Anfragen unter info@vtp-verlag-berlin.de

Die Ausbildung beim VTP-Security ist von der Industrie- und Handelskammer (IHK) zertifiziert worden und aus der eigenen Tasche zu bezahlen.

Inhalte sind unter anderem Gesetzeskunde, Selbstverteidigung, Schießtraining und Waffensachkunde, Sicherheitsfahrtraining, Funk, Gefährdungsanalyse, Psychologie und der Umgang mit Menschen. Ein Großteil der Ausbildung findet nicht im Seminarraum, sondern in der Praxis statt. nf

Von Nadine Fabian

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