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Potsdam Der Schimmelstreiter
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00:18 20.05.2017
Hans-Joachim Dauber meint, dass Baumängel der Grund für den Schimmel in der Wohnung in der August-Bonnes-Straße sind. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Bornstedt

Die Zwangsräumung, die für Montagmorgen angekündigt war, konnten sie in letzter Minute abwenden. Nun packen Hans-Joachim (78) und Rita Dauber (77) die Kisten wieder aus, reißen das Zeitungspapier vom Porzellan, räumen ihre Sachen zurück in die Schränke. Vor achteinhalb Jahren sind sie hier eingezogen – in diese Neubauwohnung am Rande des Bornstedter Feldes, die sie bis heute traumhaft schön finden, auch wenn sie zum Alptraum geworden ist.

Über die Wände erstrecken sich vom Flur über das Wohnzimmer bis in die Küche hinein sechs Quadratmeter Schimmel. Hans-Joachim Dauber geht von Baummängeln aus. „Die Fenster sind undicht, der Wind pfeift durch die Ritzen. Vor allem: Die Fenster sind ohne Anschlag eingebaut worden. Dadurch bildet sich der Taupunkt nach innen“, zählt Dauber auf. Er ist Bauingenieur, einer vom Fach: „Das, was hier passiert, habe ich schon in den Sechzigern im Labor untersucht!“

Anwälte wurden beauftragt, Gutachten erstellt

Der Ärger begann bereits mit dem Einzug. Da war der Schimmel zwar noch nicht da, sagt Dauber, aber die Feuchtigkeit in den Wänden und in der Luft. „Wir hatten hier 95 Prozent Luftfeuchtigkeit – 95 Prozent!“ Das Mauerwerk des frisch hochgezogenen Blocks, meint Dauber, sei einfach nicht ausreichend getrocknet gewesen. Sie hätten gelüftet wie die Irren und sich direkt mit dem Vermieter in Verbindung gesetzt. Seither liegen die Eheleute und die Firma Semmelhaack im Dauerclinch. Anwälte wurden beauftragt, Gutachten erstellt, Prozesse vor dem Amts- und vor dem Landgericht geführt. „Wir sind auf Konfrontation gegangen“, sagt Dauber. Die Eheleute haben die Miete gemindert und oft gar nicht gezahlt. Acht Kündigungen haben sie seit 2009 erhalten und zuletzt gegen einen im Dezember 2016 geschlossenen Vergleich verstoßen, womit sie die Räumung riskierten. „Wir wollten einfach auf uns aufmerksam machen und den Vermieter zum Handeln bewegen“, sagt Rita Dauber. Ihr großer Wunsch sei eine Sanierung. „Aber wir hatten niemals eine Chance.“ Rita Dauber wendet sich ab. Der Streit habe sie mürbe gemacht, der Schimmel krank: „Ich habe in meinem ganzen Leben nie so viele Ärzte gebraucht wie jetzt.“

Aber ausziehen? Nein, das wollten sie nicht. Zu keinem Zeitpunkt. Ruhig gelegen und bequem mit dem Lift zu erreichen, zwei Zimmer, Küche, Bad, Balkon und ein wunderbarer Blick über den Volkspark, der Garten in Rad-Nähe – vieles spricht für die Wohnung, die sich Daubers 2008 ausgesucht haben und die ihre letzte sein sollte. „Wir sind alte Bornstedter“, sagt Rita Dauber. „Wir ziehen hier ungern aus.“

Ein Vergleich vor Gericht legt den spätestens Auszugstermin fest

Spätestens Ende Oktober 2017 wird es aber doch soweit sein – so legt es der Vergleich fest, der am 1. Dezember 2016 vor dem Landgericht Potsdam unter Berücksichtigung aller Aspekte des Falles geschlossen wurde. Auf diesen Vergleich, in dem auch geschrieben steht, dass die von Daubers „gerügten Sachmängel an der Mietsache und geltend gemachte Erfüllungsansprüche endgültig erledigt und erloschen“ sind, beruft sich die Firma Semmelhaack und verweist im weiteren darauf, dass sich die Mieter nicht an die Vereinbarungen des Vergleiches gehalten haben.

Der Streit füllt einige Ringordner. Darin hat Hans-Joachim Dauber auch seine Messprotokolle abgeheftet. Täglich prüft er Luftfeuchtigkeit, Heizungsverbrauch, Temperatur, Luftdruck. Zahlenkolonne reiht sich an Zahlenkolonne. „Ich habe alles dargestellt – mit Messwerten, Protokollen und Bildern“, sagt Dauber, der überzeugt davon ist, dass die Bauherren geschludert haben: „Sie glauben nicht an ihre Baumängel, aber die sind nun mal da!“

Von Nadine Fabian

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