Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Der Staudenhof wird bunt

Integration in Potsdam Der Staudenhof wird bunt

Flüchtlinge haben es schwer. Da kann es nicht schaden, wenn das Leben etwas bunter wird. Im Staudenhof-Wohnblock, wo derzeit 86 Flüchtlinge in 30 Wohnungen leben, wurde in dieser Woche dem Café eine farbige Frischzellenkur verpasst. Unter der „Regie“ der Künstlerin Steffi Ribbe ist jetzt ein gemütlicher und einladender Ort entstanden.

Voriger Artikel
Unterhaltsames „Apartment“
Nächster Artikel
Halle für Flüchtlinge läuft mit Wasser voll

Alaa Mnawekh und Steffi Ribbe stellen frisch gestrichene Stühle für die Feier auf.

Quelle: Christel Köster

Innenstadt. Alaa Mnawekh (25) und George Mansour (30) wollen beide hoch hinaus. Sie stehen auf einer Leiter, recken und strecken sich und befestigen die Dreieckswimpel aus gemustertem Stoff an den Leinen, die quer durch den großen Raum im Staudenhof-Erdgeschoss gespannt sind. Rund um die beiden jungen Syrer wuseln Erwachsene, Teenager, Kinder – alle mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht, was nicht nur an den verlockenden Essensdüften aus der Kochecke herrührt. Staunen ist derzeit angesagt im Staudenhof über die wundersame Verwandlung des bislang eher tristen Begegnungstreffs. Jetzt stehen hier leuchtend bunte Holzstühle, gemütliche Sitzecken und individuelle Tische, die auch den Salon einer Gründerzeit-Villa schmücken könnten. Zusammengenommen sieht es aus wie die Villa Kunterbunt – fröhlich und einladend.

86 Flüchtlinge leben derzeit in 30 Wohnungen in der DDR-Platte. Sie werden von acht Mitarbeitern des Vereins „Soziale Stadt“ betreut. Die Begegnungsstätte, das „Café Staudenhof“ im Erdgeschoss, steht aber nicht nur den Flüchtlingen offen: „Hier sind alle herzlich willkommen“, betont Christine Vermehren, stellvertretende Leiterin im Wohnungsverbund Staudenhof. So richtig gemütlich und anziehend war es aber nicht seit der Eröffnung im Dezember 2014. Graue Möbel, ausrangiert aus dem Alten Landtag, standen herum – eher Stimmungskiller als Stimmungsaufheller.

Am Montag startete dann eine Projektwoche mit der Potsdamer Künstlerin Steffi Ribbe, bei der nicht nur die Flüchtlinge aus dem Staudenhof begeistert mitmachten. Auch Studenten der benachbarten Fachhochschule, Schüler und Freunde der Künstlerin stießen dazu. „Ich wollte nicht, dass die Flüchtlinge isoliert sind, sondern dass ein Austausch stattfindet“, erzählt Ribbe am Freitagnachmittag bei der großen Einweihungsparty. Die Gäste sitzen auf den selbstgenähten Kissen auf der Fensterbank. Die schicken neuen Möbel sind teilweise bei Ebay ersteigert oder Spenden oder aus dem Second-Hand-Fundus des Vereins „Rückenwind“. Die Künstlerin hat ganz schön gewirbelt, um alles zusammenzubekommen. Jetzt sind die Stühle echte Hingucker, abgeschliffen und doppelt lackiert von den kreativen Helfern, bringen sie Farbe ins Leben. Und das ist oft nicht leicht zu schultern: „Meine Schwester und meine Mutter sind noch in Syrien“, erzählt George, während er die Wimpelgirlande aufhängt. In Gedanken ist er oft bei ihnen. Er erzählt von den IS-Kämpfern, von ihren brutalen Übergriffen. Aus den banalsten Gründen quälen sie die Menschen auf grausamste Weise. In seinem Heimatort, der Küstenstadt Tartous, sind sie zum Glück nicht. Aber die Gefahr ist nah. Deutschland ist für George wie das Paradies. Er hat eine Ausbildungsstelle zum Automechaniker ergattert.

Mitten im fröhlichen Gewimmel steht auch Stefan Grzimek, der neue Geschäftsführer des Vereins „Soziale Stadt“. Sein Vorgänger, Reinhold Ehl, ist vergangene Woche zurückgetreten, aus Unzufriedenheit über den Rückzug des Vereins aus der Flüchtlingsbetreuung im Alten Landtag (MAZ berichtete). Zu Ehls Rücktritt will Grzimek sich nicht äußern. Lieber schon zum Engagement des Vereins im Staudenhof. Dieses könnte sogar noch ausgeweitet werden, sagt Grzimek: „Die Frage ist, was die Stadt will, aber für uns ist das Limit noch nicht erreicht.“

Von Ildiko Röd

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg