Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Der Staudenhof wird bunt
Lokales Potsdam Der Staudenhof wird bunt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:23 04.12.2015
Alaa Mnawekh und Steffi Ribbe stellen frisch gestrichene Stühle für die Feier auf. Quelle: Christel Köster
Anzeige
Innenstadt

Alaa Mnawekh (25) und George Mansour (30) wollen beide hoch hinaus. Sie stehen auf einer Leiter, recken und strecken sich und befestigen die Dreieckswimpel aus gemustertem Stoff an den Leinen, die quer durch den großen Raum im Staudenhof-Erdgeschoss gespannt sind. Rund um die beiden jungen Syrer wuseln Erwachsene, Teenager, Kinder – alle mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht, was nicht nur an den verlockenden Essensdüften aus der Kochecke herrührt. Staunen ist derzeit angesagt im Staudenhof über die wundersame Verwandlung des bislang eher tristen Begegnungstreffs. Jetzt stehen hier leuchtend bunte Holzstühle, gemütliche Sitzecken und individuelle Tische, die auch den Salon einer Gründerzeit-Villa schmücken könnten. Zusammengenommen sieht es aus wie die Villa Kunterbunt – fröhlich und einladend.

86 Flüchtlinge leben derzeit in 30 Wohnungen in der DDR-Platte. Sie werden von acht Mitarbeitern des Vereins „Soziale Stadt“ betreut. Die Begegnungsstätte, das „Café Staudenhof“ im Erdgeschoss, steht aber nicht nur den Flüchtlingen offen: „Hier sind alle herzlich willkommen“, betont Christine Vermehren, stellvertretende Leiterin im Wohnungsverbund Staudenhof. So richtig gemütlich und anziehend war es aber nicht seit der Eröffnung im Dezember 2014. Graue Möbel, ausrangiert aus dem Alten Landtag, standen herum – eher Stimmungskiller als Stimmungsaufheller.

Am Montag startete dann eine Projektwoche mit der Potsdamer Künstlerin Steffi Ribbe, bei der nicht nur die Flüchtlinge aus dem Staudenhof begeistert mitmachten. Auch Studenten der benachbarten Fachhochschule, Schüler und Freunde der Künstlerin stießen dazu. „Ich wollte nicht, dass die Flüchtlinge isoliert sind, sondern dass ein Austausch stattfindet“, erzählt Ribbe am Freitagnachmittag bei der großen Einweihungsparty. Die Gäste sitzen auf den selbstgenähten Kissen auf der Fensterbank. Die schicken neuen Möbel sind teilweise bei Ebay ersteigert oder Spenden oder aus dem Second-Hand-Fundus des Vereins „Rückenwind“. Die Künstlerin hat ganz schön gewirbelt, um alles zusammenzubekommen. Jetzt sind die Stühle echte Hingucker, abgeschliffen und doppelt lackiert von den kreativen Helfern, bringen sie Farbe ins Leben. Und das ist oft nicht leicht zu schultern: „Meine Schwester und meine Mutter sind noch in Syrien“, erzählt George, während er die Wimpelgirlande aufhängt. In Gedanken ist er oft bei ihnen. Er erzählt von den IS-Kämpfern, von ihren brutalen Übergriffen. Aus den banalsten Gründen quälen sie die Menschen auf grausamste Weise. In seinem Heimatort, der Küstenstadt Tartous, sind sie zum Glück nicht. Aber die Gefahr ist nah. Deutschland ist für George wie das Paradies. Er hat eine Ausbildungsstelle zum Automechaniker ergattert.

Mitten im fröhlichen Gewimmel steht auch Stefan Grzimek, der neue Geschäftsführer des Vereins „Soziale Stadt“. Sein Vorgänger, Reinhold Ehl, ist vergangene Woche zurückgetreten, aus Unzufriedenheit über den Rückzug des Vereins aus der Flüchtlingsbetreuung im Alten Landtag (MAZ berichtete). Zu Ehls Rücktritt will Grzimek sich nicht äußern. Lieber schon zum Engagement des Vereins im Staudenhof. Dieses könnte sogar noch ausgeweitet werden, sagt Grzimek: „Die Frage ist, was die Stadt will, aber für uns ist das Limit noch nicht erreicht.“

Von Ildiko Röd

Studium & Wissenschaft Potsdamer Filmstudenten produzieren Webserie - Unterhaltsames „Apartment“

Die Potsdamer Filmuni-Studenten Reinaldo Pinto Almeida und Urs Kind produzieren für das Videoportal YouTube die unterhaltsame Mini-Serie „Das Apartment“ über eine internationale Wohngemeinschaft in Berlin. Vier Folgen sind bereits online zu sehen.

07.12.2015
Potsdam Medienboard Berlin-Brandenburg feiert Weihnachtsparty - Ziemlich beste Zahlen

Das Medienboard Berlin-Brandenburg feiert Vorweihnachtsparty und spendet 4000 Euro für Flüchtlingsinitiativen. Grund zum Feiern gab es: 22 Millionen Kinobesucher sahen bislang Filme, die vom Medienboard gefördert wurden. Darunter die Hitler-Satire „Er ist wieder da“ des Babelsberger Filmhochschul-Absolventen David Wnendt.

07.12.2015

Abraham Lehrer ist der Vorsitzende der Zentralwohlfahrtsstelle für Juden in Deutschland (Zwst). Zum ersten Mal, seitdem das Kulturministerium der Zwst im Frühsommer das „heiße Eisen“ des Synagogenbaus an der Schlossstraße übertragen hat, spricht Lehrer nun über die Fortschritte und möglichen Perspektiven des schwierigen Langzeit-Projekts.

04.12.2015
Anzeige