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Der Turmbau beginnt

Garnisonkirche Der Turmbau beginnt

Auf der Brache an der Breiten Straße hatte die Garnisonkirchenstiftung zum Gottesdienst mit Altbischof Wolfgang Huber eingeladen. Von seinen Worten verstand man allerdings kaum etwas – Gegner des Projekts protestieren lautstark mit Rufen wie „Heuchler“, „Schande“ und „Nazi-Kirche“.

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Altbischof Wolfgang Huber, der auch Kuratoriumsvorsitzender der Garnisonkirchenstiftung ist, hielt die Predigt.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Nach jahrelange Debatte um den Wiederaufbau des Garnisonkirchturms ist es nun soweit. Am Sonntagnachmittag wurde mit einem Gottesdienst der offizielle Baustart für das fast 90 Meter hohe Bauwerk gefeiert. In den nächsten Tagen beginnen die Gründungsarbeiten für den Turm. Zusammen mit der Verlegung der Bodenplatte aus Beton dauern sie vermutlich bis 8. Mai, dann beginnt mit etwas Zeitversatz der Rohbau. Bis Juli 2020 muss die Grundvariante des Gebäudes – ohne Haube, Glockenspiel und Zierrat – fertig sein. Die Kosten für den Torso werden derzeit auf rund 26 Millionen Euro geschätzt. Für den Turmaufsatz fehlt noch das Geld.

Der einstündige Gottesdienst auf dem Baufeld an der Breiten Straße wurde von lautstarken Protesten begleitet – über weite Strecken wurde der Gottesdienst sogar von den Pfiffen und skandierten Rufen mit Megafon überlagert. Die rund hundert Gegner des Bauprojekts riefen „Heuchler“, „Schande“ und „Nazi-Kirche“. Sie sehen in dem Wiederaufbau ein fatales Signal, weil ihnen die Kirche als „Schandmal des preußischen Militarismus“ gilt.

Die Veranstalter der Feier – die Stiftung Garnisonkirche – verzichteten auf eine Auflösung der polizeilich nicht angemeldeten Protest-Aktion. „Die Störer wollen doch nur provozieren, um Bilder zu erzeugen, wie sie von der Polizei weggetragen werden – sie zeigen heute ihr wahres Gesicht“, sagte Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand der Kirchenstiftung. Zwei Protestierende wurden vom Platz verwiesen.

„Der Turm soll etwas werden, was er noch nie war – ein Ort für Frieden und Versöhnung soll hier entstehen“, betonte Altbischof Wolfgang Huber, der auch Kuratoriumsvorsitzende der Garnisonkirchenstiftung ist, in seiner Predigt. „Wir wissen, dass die Garnisonkirche in die unheilvolle Geschichte unseres Landes nicht nur an einem einzelnen Tag verwickelt war“, sagte er. „Eben darum wollen wir an diesem Ort Geschichte kritisch erinnern.“ Mit der Nutzung der Kirche zur Inszenierung der Reichstagseröffnung 1933 durch die Nazis sei das Gotteshaus zu einem symbolischen Ort „für die Vorbereitung einer unvergleichlichen Gewaltherrschaft“ geworden, betonte Huber. „Wo sollten wir die Notwendigkeit des Friedens erkennen, wenn nicht hier?“

Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte angesichts der Proteste, er habe auf dem Gottesdienst Menschen getroffen, die vor 27 Jahren mit viel Mut auf die Straße gegangen seien, damit die jungen Leute heute demonstrieren könnten. „Dass solche Menschen nun Heuchler genannt werden, ist eine unglaubliche Respektlosigkeit und niveaulos“, so Platzeck. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) erklärte in seinem Grußwort: „Auch Christen haben es verdient, ihre Gottesdienste in Ruhe durchzuführen.“

Lutz Boede von der Wählergruppe „Die Andere“ begründete den Protest mit dem Ärger über den Umgang mit dem Bürgerbegehren gegen die Garnisonkirche, das die Gegner 2014 gestartet hatten: „Die Leute haben 15 000 Unterschriften gesammelt und der Oberbürgermeister wäre eigentlich verpflichtet, alles zur Auflösung der Garnisonkirchenstiftung zu tun – aber er tut es nicht.“ Nun würden sich die Unterzeichner „veralbert“ fühlen, so Boede.

Von Ildiko Röd

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