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Potsdam Deutsche Popstars rocken das Stadtwerkefest
Lokales Potsdam Deutsche Popstars rocken das Stadtwerkefest
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08:12 03.07.2017
Der Headliner des Abends: Andreas Bourani Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Es ist absurd. Da singt Anna Loos zum Auftakt des Silly-Konzerts davon, dass Liebe den Hass besiegen wird, und ein paar hundert Meter weiter stehen tonnenschwere Betonklötze, um im Fall der Fälle einen Terroranschlag abzuwehren. Beim Refrain singen Tausende mit: „Kampflos, lass den Kampf los.“

Trotz und gerade wegen der Attentate der vergangenen Monate wollen die Künstler am Samstag gegen die allgemeine Verunsicherung ansingen. „Ich möchte ein offener Mensch bleiben und nicht dauernd Angst haben“, sagt Anna Loos im Gespräch mit der MAZ. „Gerade jetzt sollte man das Leben leben und feiern.“

Die Potsdamer haben sich die gute Laune vom Regen nicht vermiesen lassen. Sie beklatschten am Samstag Newcomer wie John Apart und Namika und sangen bei den Hits von Juli, Silly und Andreas Bourani lautstark mit. Quelle: Jerry Cuba

Gesagt, getan. Die Fans trotzen den Sicherheitsmaßnahmen, dem Dauerregen und der Abwesenheit internationaler Stars. Sie beklatschen Newcomer, wie John Apart und Namika, und singen bei den Hits von Juli, Silly und Andreas Bourani lautstark mit. Manch einer trauert beim Geplauder am Bierstand trotzdem Superstars à la Santana oder Lionel Richie hinterher. Wegen des um rund 300.000 Euro gestrichenen Budgets und terminlicher Schwierigkeiten konnten die Organisatoren in diesem Jahr keine internationalen Künstler dieser Größenordnung verpflichten. Andere Besucher sehen in der Beschränkung auf einheimische Interpreten keinen Makel, die deutsche Sprache müsse schließlich gefördert werden und im Radio hätten es solche Künstler oft schwer.

Die Potsdamer haben sich die gute Laune vom Regen nicht vermiesen lassen. Beim Stadtwerkefest beklatschten sie Newcomer wie John Apart und Namika und sangen bei den Hits von Juli, Silly und Andreas Bourani lautstark mit.

Das passt: Juli haben sich dem Wasser verschrieben

Das gilt für das Potsdamer Pop-Duo John Apart allemal. Sänger Maximilian Sterr und Schlagzeuger Felix Noster stehen am Anfang ihrer Karriere, sie haben sich beim Nachwuchswettbewerb „Potsdam on Stage“ durchgesetzt und eröffnen das Programm am Samstag. In schicken Hemden und zwischen Bannern, die ihr eigenes Konterfei abbilden, treten sie erstaunlich routiniert auf. Höhepunkt ist ein gemeinsames Trommel-Gewitter am Ende des letzten Songs „Aufstehen, Hinfallen“.

Die marokkanisch-deutsche Sängerin Namika ist ihren Vorgängern einen großen Hit voraus. Der heißt „Lieblingsmensch“ und klingt wesentlich zuckriger als der bassgetriebene Sound ihrer sonstigen Rap- und Soulsongs. Sie bringt die Fans in Schwung, als sei sie eine Animateurin im Klubhotel. Hinsetzen und hochspringen, Arme schwenken und seinen persönlichen Lieblingsmenschen abknuddeln. Namika sagt, wo es langgeht. In dem Song „90s Kids“ singt sie über die 90er Jahre – Game Boy, Hubba Bubba und der Macarena-Tanz. Vom linken Bühnenrand blicken in den Nuller-Jahren geborene Teenager staunend Richtung Mikro. Niedlich.

Eva Briegel, die Frontsängerin von Juli. Quelle: Imago/Martin Müller

Es folgt eine Band, die in den Geburtsjahren des staunenden Nachwuchses ein Hitgarant war, die hessische Band Juli. Song für Song fällt auf, dass sie sich offenbar dem Wasser verschrieben hat. Die Lieder heißen „Regen und Meer“, „Insel“ und – na klar – „Perfekte Welle“. Sie passen bestens in das bunte Meer aus Regenschirmen, das sich ausbreitet und spätestens bei Silly flächendeckend den Lustgarten einnimmt.

Silly ist Headliner der Herzen

Trotz stärksten Starkregens erreicht die Stimmung den bisherigen Höhepunkt. Unter den Schirmen wird „Bataillon d’Amour“ gesummt, die Fans drängt es vor die Bühne, statt sich unter die wenigen Zeltdächer zu verkriechen. Die sozialkritischen Texte der Hits aus der Tamara-Danz-Ära und neuer Songs vom Album „Wutfänger“ (2016) heben sich wohltuend vom Herzschmerz anderer Gruppen ab. In „Zwischen den Zeilen“ heißt es: „Und ich tanz, frei von Angst / Ja ich tanz, durch die verkehrte Welt.“ Und wieder wandern die Gedanken zu den Anti-Terror-Klötzen. Tja, verkehrte Welt.

Heimlicher Star des Abends: Anna Loos von der Band Silly. Quelle: Imago/Martin Müller

Silly ist ein Headliner der Herzen, Andreas Bourani aber der eigentliche Hauptteil des deutschsprachigen Reigens. Vor lauter Ehrfurcht vor dem mit baumelnden Armen lässig auf die Bühne stiefelnden Popstar verkriecht sich auch der Regen. Der schwarze enge Pulli betont seinen zudem mit reichlich Klunker behängten muskulösen Körper. Der WM-Hit-Lieferant wird seiner Sache gerecht. Er aktiviert das Publikum wie ein Fußballer vorm Fanblock. Dann singt er seine Songs im Stil von Arien, zieht die Wörter in die Länge wie Kaugummi und wirkt trotzdem beeindruckend unangestrengt. Seinen größten Hit „Auf uns“ spielt er noch vor den Zugaben, gegen Ende singt und rappt er vom „Astronaut“. Kinder tanzen in Kreisen vorm Pommes-Stand. Ein verregnetes Familienfest neigt sich fröhlich dem Ende zu.

Von Maurice Wojach

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