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Potsdam Deutschland-Premiere für „Illegale Helfer“
Lokales Potsdam Deutschland-Premiere für „Illegale Helfer“
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19:05 08.06.2016
Andrea Thelemann (r.), Denia Nironen, Christoph Hohmann und Friedemann Eckert sprechen im Namen der illegalen Helfer. Quelle: HOT/HL Böhme
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Potsdam

Die deutsche Erstaufführung des dokumentarischen Stücks „Illegale Helfer“ am Hans-Otto-Theater (HOT) in Potsdam wurde schon vor der Premiere am Donnerstag mit Schlagzeilen bedacht. Grund war eine Pressemitteilung der AfD-Fraktion im Potsdamer Rathaus, die unter der Überschrift „Hans-Otto-Theater feiert Gesetzesbrecher“ das Ensemble aufforderte, „sein Programm noch einmal zu überdenken“. Regisseurin Yvonne Gronebaum (41) sagt, „dass ich und wir alle im ersten Moment sehr erschrocken waren, mit so einer politischen Einflussnahme auf die Kunst überhaupt konfrontiert zu werden“.

In dem mehrfach ausgezeichneten Recherchestück der aus Südtirol stammenden Autorin Maxi Obexer (45) berichten zehn Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, wie und warum sie zu illegalen Helfern für Flüchtlinge wurden. Denia Nironen, Andrea Thelemann, Friedemann Eckert und Christoph Hohmann

Regisseurin Yvonne Groneberg. Quelle: Bernd Gartenschläger

werden in wechselnder Besetzung im Namen der Helfer sprechen, die im bürgerlichen Leben Bergbauer, Verwaltungsrichter, Anwalt oder auch Studienrat sind. „Es gibt nicht für jeden Helfer eine logische Erklärung“, sagt die Regisseurin. Das einende Motiv aber sei die Menschlichkeit, schließlich sei keiner von ihnen ein Schlepper, der sich an den Flüchtlingen bereichert: „Die Humanität steht für diese Menschen über dem Gesetz.“

Der Autorin Obexer sei sie erstmals 2005 in Dresden begegnet. Das Staatsschauspiel zeigte „Das Geisterschiff“ über eine Flüchtlingskatastrophe mit fast 300 Ertrunkenen vor Sizilien, die von den Behörden jahrelang einfach geleugnet wurde. Zur Uraufführung von Obexers „Der Zwilling“ Ende 2006 war Groneberg als Beleuchtungspraktikantin dabei. „Seitdem ist sie immer wieder einmal durch mein Leben gehuscht.“

Für die Potsdamer Inszenierung recherchierte Groneberg in Flüchtlingsunterkünften an der Sandscholle und in der Heinrich-Mann-Allee in Potsdam, beschäftigte sich mit Amnesty International und der Antifa. Mit einer Frau aus Afghanistan ist sie befreundet. Die Mutter mit ihren sieben Kindern, die auf der Flucht vor religiöser Verfolgung im Flugzeug nach Deutschland kam, hat sie auf einem Spielplatz in Babelsberg kennengelernt.

Während die Vorbereitungen für die Potsdamer Inszenierung anliefen, hatte im Januar 2016 das erste politische Stück von Groneberg selbst am Volkstheater Rostock Premiere. Mit „Beluga schweigt“ hat sie den bis heute nicht aufgeklärten Untergang eines Sassnitzer Kutters bei ruhiger See in der Nähe eines Nato-Manövers für die Bühne aufbereitet. Drei Fischer starben im März 1999 im eisigen Meer.

„Illegale Helfer“ erzählt auch von der Bedrängnis, die Obexers Gesprächspartner erlebten. Gegen den linken Aktivisten Michael Genner ermittelte die Staatsanwaltschaft Wien nach seiner Erklärung, „ehrliche“ Schlepper verrichteten sozial nützliche Tätigkeit und hätten deshalb ein Honorar verdient. Ein Student, der einem Flüchtling über die Grenze half, erfährt später, dass dem Mann auf der anderen Seite von anderen Fluchthelfern die Fingerkuppen abgehobelt wurden, um seine Identität zu verschleiern. Hätte er von dieser Verstümmelung gewusst, hätte er dem Mann nicht geholfen.

HOT-Intendant Tobias Wellemeyer erklärte nach der AfD-Meldung, „jenseits der Debatte über Gesetze, die die Politik führt und führen muss“, gehe es „hier um den Raum des persönlichen Gewissens“. Theater sei „geradezu verpflichtet, diese dramatische und moralische Debatte zu führen“. Gronebaum sagt, tedenziell finde sie die AfD-Erklärung „bedrohlich“: „Natürlich ist es ganz klar, dass ich die Einflussnahme ablehne, denn das wäre ein Angriff auf die Kunstfreiheit.“

Maxi Obexer inszeniert 2017 mit Potsdamer Flüchtlingen

Deutschlandpremiere des Stücks „Illegale Helfer“ von Maxi Obexer in der Reithalle des Hans-Otto-Theaters (HOT) in Potsdam, Schiffbauergasse, ist am Donnerstag um 19.30 Uhr. Weitere Termine sind am Freitag, 17. Juni, und am Sonntag, 26. Juni.

Mit „Gehen und bleiben“ steht in der nächsten Spielzeit ein weiteres Stück der Autorin Maxi Obexer auf dem Spielplan des HOT. Mit in Potsdam lebenden Flüchtlingen erarbeitet sie einen dokumentarischen Theaterabend über Flucht und Heimat. Premiere ist im März 2017.

Info Weitere Informationen im Internet auf www.hansottotheater.de

Von Volker Oelschläger

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