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Dicke Luft am Luftschiffhafen

Sportstätten in Potsdam Dicke Luft am Luftschiffhafen

Die Sportstadt Potsdam verärgert ihre Sportler: Am Luftschiffhafen sind die meisten Trainings- und Wettkampfstätten mehr als ausgebucht, doch der Nutzungsdruck durch immer neue Sportarten und immer mehr Sportler steigt. Jetzt werden Gebühren für den Breitensport vorgeschlagen.

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Das Luftschiffhafengelände ist als Sportareal überfordert.

Quelle: Lutz Hannemann

Pirschheide. Der Luftschiffhafen ist Potsdams modernstes Sportgelände, aber völlig überfordert. Trotz Neubau von Sportstätten reichen die Kapazitäten nicht für die angestammten Leistungszentren und Vereine, und es drängen immer neue Sportvereine nach. Die Kosten stiegen stetig, von 3,14 Millionen Euro im Jahr 2009 auf 5,05 Millionen im vergangenen Jahr. Die Schere zu den Einnahmen geht auseinander; die Stadt muss diese Defizite begleichen.

Eine Studie der KMPG-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die jetzt den Stadtverordneten vorgelegt wird, beschreibt einen fast unlösbaren Interessenskonflikt zwischen Leistungs- und Breitensport. Die Nutzerkonkurrenz bei übernachgefragten Objekten wie der Schwimmhalle könne nur durch den Bau neuer Sportstätten oder die Erhebung von Vereinsgebühren am überforderten Standort gelöst werden, während andere Objekte weiter kostenfrei bleiben, heißt es. Doch die Entgeltfreiheit für den Breitensport ist in der Sportentwicklungskonzeption der Stadt festgeschrieben, und der Stadtsportbund (SSB) warnte am Dienstag auch sofort vor einer Gebührenerhebung. Die Einführung oder Erhöhung von Gebühren sei im Koalitionsvertrag der „Potsdamer Regierungsparteien“ ausgeschlossen worden, erinnerte Geschäftsführerin Anne Pichler, und zu den letzten Kommunalwahlen hätten sich alle Parteien gegen weitere Gebühren ausgesprochen. Eine Beteiligung der Vereine an den Kosten der Sportstätten wird von SSB-Chef Lutz Henrich abgelehnt. Die Verlagerung von Breitensport auf andere Sportstätten muss nach Ansicht der Prüfer mit den Vereinen geklärt werden.

In einer Befragung auf dem Luftschiffhafengelände hatten mehrere Nutzer die Kostenbeteiligung der Breitensportler vorgeschlagen, doch halten die Prüfer das für schwer umsetzbar. Sie orientieren auf eine bessere Vermarktung des Areals, um mehr Einnahmen zu bekommen. Von „Öffnung für den Tourismus“ ist die Rede und der „Durchführung großer, breitensportlicher und leistungssportlicher Veranstaltungen mit hoher Strahlkraft“. Die MBS-Arena müsste als Mehrzweckhalle stärker für nichtsportliche Interessen vermietet und aus der Sportstättenplanung herausgelöst werden. Am Eingangsbereich des Luftschiffhafens seien ein Hotel, Sportgeschäfte, Wohnungen und Büros denkbar. Die Kosten in den Sportstätten könne man bestenfalls durch energetische Sanierungen und eine bessere Steuerung der Verbräuche senken.

Die Situation im Luftschiffhafen wird durch die meisten Nutzer düster eingeschätzt. Für alle Sportstätten gebe es zu viel Nachfrage. Der Leistungssport benötige fast den gesamten hellen Tag zum Training; der Breitensport müsse sich mit Mittagspausen und Abendzeiten begnügen. Der Wettbewerb zwischen den Vereinen nimmt nach Darstellung der Vereine selbst zu, „da weitere Sportarten auf das Gelände drängen“. Seit der Übergabe des Betriebs von der Stadt an die Luftschiffhafen GmbH unter Führung von Andreas Klemund hätten sich die Nutzungszeiten verringert, beklagten mehrere Vereine und die Universität von Potsdam; es gebe eine „Ausgrenzung des Breitensports“. Die festgeschriebene Gleichbehandlung von Leistungs- und Breitensport sei „kaum zu realisieren“.

Von Rainer Schüler

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