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Potsdam Die AOK zieht ins „Gastmahl des Meeres“
Lokales Potsdam Die AOK zieht ins „Gastmahl des Meeres“
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00:18 07.05.2017
Modernisierung nach Jahren des Leerstands: Die ersten Arbeiten am „Gastmahl des Meeres“ haben begonnen. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Innenstadt

Nach Jahren des Leerstands regt sich wieder Leben im „Gastmahl des Meeres“. Zwar verstellt ein hoher Bauzaun seit einigen Wochen die Sicht auf das Haus am Vorplatz des Brandenburger Tors. Doch inzwischen gehen dort, wo über Jahrzehnte hinweg Fisch serviert wurde und zuletzt Topf, Pfanne und Herd unter den Hammer kamen, Bauarbeiter ein und aus.

Wie die MAZ erfahren hat, wird die AOK in das prominente Haus am Entree zur Innenstadt ziehen. „Die AOK Nordost hat in Potsdam bereits seit Längerem einen neuen Standort für ihr Servicecenter gesucht, das sich derzeit in der Friedrich-Ebert-Straße befindet“, sagt der Sprecher der Krankenkasse, Matthias Gabriel. Nun habe man mit dem privaten Eigentümer des Gebäudes „einen Vermieter gefunden, um einen modernen und zeitgemäßen Kundenaufritt für unsere Versicherten in zentralerer Lage in der Landeshauptstadt realisieren zu können.“

Die AOK Nordost wird laut Gabriel das Gebäude aber nicht – wie im Stadtgeflüster zu vernehmen – kaufen, „sondern zu marktüblichen Konditionen anmieten“. Insgesamt würden so die laufenden Verwaltungskosten sinken, da man am neuen Standort in der Brandenburger Straße auch weitere bisher in der Stadt genutzte Büroflächen konzentrieren werde. „Für die Nutzung als Beratungsstandort wird der Vermieter das denkmalgeschützte Gebäude umfassend sanieren und modernisieren“, so Gabriel weiter.

Frank Ehlert leitete die Auktion, bei der das gesamte Gaststätteninventar von der Pfanne bis zum Deko-Fisch unter den Hammer kam. Quelle: unbekannt

Wie Stadtsprecher Jan Brunzlow bestätigte, ist die Baugenehmigung bereits erteilt worden. „Die geplanten Baumaßnahmen werden eng mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt“, sagt Gabriel. Nach aktuellem Stand werden sich Sanierung und Umbau voraussichtlich bis ins nächste Jahr erstrecken. Mit dem Umzug des Servicecenters sei voraussichtlich im ersten Halbjahr 2018 zu rechnen. „Bis dahin werden unsere Kunden wie gewohnt in der Friedrich-Ebert-Straße 113 persönlich betreut. Sobald die Details des Umzuges ins neue Servicecenter feststehen, werden wir die Potsdamer gerne informieren.“

Der Eigentümer der Immobilie war am Donnerstag für Nachfragen nicht zu erreichen. Das Eckhaus-Ensemble mit Brandenburger Straße 72/ Schopenhauer Straße 14 war Anfang 2005 für 635 000 Euro zwangsversteigert worden.

Jürgen Rückert war Chefkoch und Inhaber des legendären „Gastmahl des Meeres“ – hier im Oktober 2014 kurz vor der Versteigerung des Inventars. Quelle: Bernd Gartenschläger

Damals hatte auch Jürgen Rückert, Chefkoch und Inhaber des „Gastmahl des Meeres“ und seit Anfang der 1990er um den Kauf der Immobilie bemüht, sein Glück versucht – vergeblich. Als der Mietvertrag endete und neu zu verhandeln war, schloss Rückert das Traditionsrestaurant im Herbst 2014.

Von Rügen bis Suhl: Fisch fürs Volk

Das „Gastmahl des Meeres“ war eine Kette von Fischgaststätten quer durch die DDR. Einheitliche Menüs, einheitliches Geschirr, einheitliche Kleidung und Platzdeckchen waren Programm.

Erfunden hat das Konzept Mitte der 1960er Rudolf Kroboth (1920–1986), der Werbeleiter des VVB Fischfang Rostock und legendäre Fischkoch des DDR-Fernsehens. Er kreierte auch die meisten Rezepte für die Speisekarten und schulte einmal im Jahr die „Gastmahl“-Köche persönlich.

Die erste Filiale von „Gastmahl des Meeres“ eröffnete am 28. Juli 1966 im thüringischen Weimar. In Potsdam gab es das „Gastmahl“ seit 1970.

Bis zur Wende war die Kette über 30 Mal in den größeren Städten der DDR zu finden. Heute ist nur noch eine Handvoll Lokale übrig, etwa in Suhl, Görlitz und Sassnitz. nf

Von Nadine Fabian

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