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Potsdam Pendlerstress führt fast zu Schlägerei im Zug
Lokales Potsdam Pendlerstress führt fast zu Schlägerei im Zug
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12:19 15.03.2019
Nett gemeint, aber nicht hilfreich: Das Schild zeigt in die falsche Richtung. Quelle: Saskia Kirf
Potsdam

Nein, zufrieden ist sie ganz und gar nicht. Anja Knittel aus Berlin hat den richtigen Bussteig am Potsdamer Hauptbahnhof zwar jetzt gefunden, hier kann sie in den Bus steigen, der als Schienenersatzverkehr fungiert. „Aber die Informationspolitik ist eine Katastrophe“, sagt sie. Zehn Tage lang fällt die S-Bahn zwischen Potsdam und Berlin aus, Tausende Pendler müssen auf Regionalzüge und Busse umsteigen.

Wer in den Bahnhof kommt, erfährt das Wichtigste. Für Berliner, die nach Potsdam pendeln, ist die Informationspolitik hingegen heikel. Quelle: Saskia Kirf

Ralf Hoffmeister ist um 7:25 Uhr in Berlin in die Bahn gestiegen. Eine dreiviertel Stunde später steht er am Potsdamer Hauptbahnhof, er hat einen Regionalzug genommen. „Eigentlich brauche ich 35 Minuten nach Babelsberg“, sagt er, „heute wird es deutlich länger als eine Stunde dauern.“ Auch Anja Knittel kommt zu spät zur Arbeit – und das, obwohl sie extra einen Zeitpuffer eingeplant hat. „Die Anschlusszeiten der Züge und Busse stimmen nicht“, sagt sie.

Und die Beschilderung am Bahnhof sei verwirrend. Tatsächlich: Wenn man vom aus Berlin kommenden Regionalexpress hoch ins Bahnhofsgebäude kommt, ist da zwar eine Baustelleninformation. Doch die hat nichts mit der Sperrung der S-Bahngleise zu tun, sondern informiert über Bauarbeiten zwischen Velten und Hennigsdorf. „Ich fahre normalerweise ja gar nicht bis zum Hauptbahnhof und kenne mich hier nicht aus“, sagt Anja Knittel. Die Wegweiser zum Schienenersatzverkehr finden sich am eigentlich S-Bahn-Gleis und außerhalb des Bahnhofs. „Das muss man erst einmal finden“, sagt Ralf Hoffmeister. Und dann zeigen die Pfeile auf den Wegweisern auch noch in die falsche Richtung.

>>Lesen Sie auch: Erfahrungsbericht Ersatzverkehr von Berlin nach Potsdam

Am Bussteig acht schließlich – hier soll der Bus dann wirklich fahren – hängt ein weiteres Schild. Es ist so groß wie ein CD-Cover und besagt, dies sei die richtige Haltestelle. Die LED-Anzeige, die über die Abfahrtszeiten Auskunft gibt, weiß davon nichts. Sie zeigt stur Busse nach Werder an. Wann der SEV kommt – man sieht es dann eben. Für Anja Knittel ist klar, dass sie auf dieses Rätseln in den kommenden Tagen verzichten wird. „Ich nehme normalerweise mein Rad mit in die Bahn, weil ich in Babelsberg noch eine gewisse Strecke zurücklegen muss“, sagt sie. Am ersten Tag der zehntägigen Sperre habe sie sehen wollen, ob dafür im Regionalzug ausreichend Kapazitäten seien. „Das sah gut aus, ab Montag mache ich das wieder so.“

Ob das aber tatsächlich eine gute Idee ist? Eine Potsdamer Pendlerin wurde im Zug in Richtung Berlin Zeugin einer beinahe handfesten Auseinandersetzung. Schon in Potsdam sei die Situation in dem Regionalzug außerordentlich beengt gewesen. Als in Wannsee dann noch mehr Fahrgäste zusteigen wollten, darunter ein Mann mit einem Fahrrad, sei die Situation eskaliert. „Er wollte einsteigen und bat immer wieder die anderen Mitfahrer, ihm Platz zu machen“, sagt die Potsdamerin der MAZ.

Daraufhin sei es zu einem lautstarken Streit gekommen, in dem die Beförderungsrichtlinien der Bahn debattiert wurden – schließlich hätten menschliche Mitfahrer Vorrang. „Es ist total eskaliert, die Männer im Eingangsbereich haben sich total gestritten, so dass da beruhigend eingegriffen werden musste.“ Insgesamt sei es „unfassbar eng“ gewesen: „Ich musste mich in einen dieser Vierersitze stehend hineinquetschen.“Andere Leser berichten von der Einstiegssituation am Potsdamer Hauptbahnhof: „Die Leute waren schon hibbelig, dann waren auch noch einzelne Türen defekt.“

Sie wollen ihre Erlebnisse während des S-Bahn-Ausfalls teilen? Schicken Sie uns doch einfach eine Mail an potsdam-stadt@maz-online.de

Von Saskia Kirf

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