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Potsdamer zweifeln noch an der Bio-Tonne

Zwang zur Bio-Tonne gilt ab 2016 Potsdamer zweifeln noch an der Bio-Tonne

Die Biotonne wird in Potsdam flächendeckend eingeführt. Ab dem 1. Januar muss jeder, der nicht selber kompostiert, die Tonne nehmen und bezahlen. Doch längst nicht alle sind vom Sinn der Sache überzeugt. Nur die Hälfte der Einwohnerschaft befürwortet die Aktion.

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Biotonnen voller Fehlwürfe in der Roseggerstraße

Quelle: Foto: Stadt

Potsdam. Der Test ist bestanden, technisch jedenfalls. In drei Stadtgebieten wurden probeweise Biotonnen aufgestellt, wie sie ab 1. Januar 2016 an allen Wohnhäusern stehen werden, es sei denn, man kompostiert noch selbst. Die Kontrollen der eingesammelten Abfälle machten krasse Unterschiede zwischen der Brandenburger Vorstadt und der nördlichen Innenstadt auf der einen und dem Neubauwohngebiet Schlaatz auf der anderen Seite deutlich, bestärken die Stadtverwaltung aber trotzdem in der Überzeugung, auf dem rechten Weg zu sein. in „West“ lag die Verunreinigungs- oder Störstoffquote bei 2,1 und in der nördliche Innenstadt bei 3,1 Prozent. Beide Werte versprechen eine gute Vergärbarkeit zur Stromgewinnung.

Vorbildliches Schüttergebnis aus Potsdam-West.

Vorbildliches Schüttergebnis aus Potsdam-West.

Quelle: Stadtverwaltung

Im Schlaatz allerdings lag der Fehlwurfanteil anfangs bei erschreckenden 30 Prozent und sank erst nach Informationskampagnen mit Flugblättern in acht Sprachen auf 11 Prozent. Die 30-Prozent-Ladung wurde die Stadtentsorgung an der Kompostieranlage Schmergow nicht los: Man kippte ab, wurde kontrolliert und durfte alles wieder aufladen. Aber auch der verbesserte Wert reicht noch nicht. „Wir müssen auf die Werte der anderen beiden Stadtteile kommen“, sagt Ordnungsamtsleiterin Marina Kluge: „Ein kleiner Anteil Fremdstoffe wird im Allgemeinen akzeptiert“ – wie klein, kann sie nicht sagen, weil es die nötige Vergärungsanlage noch gar nicht gibt. Die Kompostierung in Schmergow wird übergangsweise und für maximal drei Jahre die Bioabfälle annehmen. Man rechnet damit, im kommenden Jahr die tatsächliche Entsorgungsmenge von Potsdam zu kennen, und glaubt, dass sie für den wirtschaftlichen Betrieb einer Vergärungsanlage nicht reicht. Ab 20000 Tonnen pro Jahr sei das machbar, sagt Kluge: „40000 Tonnen wären besser.“ Deshalb will man den Landkreis Potsdam-Mittelmark oder andere Kreise mit ins Boot holen. Als Standort einer Vergärungsanlage ist das Industriegebiet Drewitz im Gespräch, wo auch die Stadtentsorgung sitzt und die Stadtwerke das Gärgas verbrennen können, um Strom zu liefern.

Mental aber ist es noch ein weiter Weg dahin. Noch immer werden in Potsdam-West rund 60 Prozent der Bioabfälle in die normale schwarze Tonnen geworfen, in der Nördlichen Innenstadt 75 und im Schlaatz 87 Prozent.

Viel zu viel Bioabfall wandert noch immer in den Restmüll und wird nicht nachgenutzt.

Viel zu viel Bioabfall wandert noch immer in den Restmüll und wird nicht nachgenutzt.

Quelle: Stadtverwaltung

Betrachtet man nur die Küchenabfälle, sind die Zahlen noch dramatischer: Hier wandern in West 72 Prozent in die Restmülltonne, im Schlaatz 90 Prozent. Eine Bürgerbefragung hat ergeben, dass nur jede zweite Potsdamer die Einführung der Biotonne gut findet. Nur ein reichliches Drittel trenn bereits Bioabfälle vom Restmüll; ein Drittel kompostiert selbst.

Was tatsächlich in den Biotonnen drin ist, wird mit Probeschüttungen bei der Step im Industriegebiet geprüft. Dass Biotonnen wegen Fremdbestandteilen nicht mitgenommen wurden, wie der SPD-Stadtverordnete Pete Heuer berichtet hat, darf nach Auskunft der Ordnungsdezernentin Elona Müller-Preinesberger (parteilos) nicht passieren, ohne dass der Tonnenbesteller darüber informiert wird. Amtsleiterin Kluge versichert, das Ordnungsamt überprüfe keine Tonneninhalte, doch hat MAZ-Leserin Melanie Dorothee Krieger am Freitag vor Pfingsten beobachtet, wie vor ihrer Logopädiepraxis in der Hebbelstraße 43 ein Ordnungsamtsmitarbeiter eine Plastiktüte mit Restmüll aus einer Biotonne fischte, die Tüte und die Tonne fotografiert und die Tüte dann auf der Tonnen stehen ließ; das Auto der Stadtentsorgung leerte diese Tonne nicht.

Mit den großen Wohnungsgesellschaften wird über die Erweiterung von Stellplätzen diskutiert und über Tonnengrößen. Anfangs werden die Biotonnen wöchentlich entleert, bis sich ein Entsorgungsniveau eingespielt hat. Dann kann man auf 14-tägige Leerung zurückgehen. Die Nutzung der Biotonne soll zum Aus der Laubsäcke führen. Die Tonnen sind künftig nicht komplett braun; sie haben nur noch braune Deckel. Wer keine Tonne voll bekommt, kann sie sich mit Grundstücksnachbarn teilen. Auch auch gewerbliche Grundstücke können die Biotonne nutzen. Die Tourenplanung der Step soll nach Rücklauf der Fragebögen und ihrer Auswertung im August fertig sein. Dann werden die Tonnen mit sogenannten Transpondern ausgestattet, an denen das Müllfahrzeug die Daten des Nutzers auslesen kann. Pro Woche will man 5000 Tonnen ausrüsten und b Ende November 6000 Stück pro Woche verteilen.

Von Rainer Schüler

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