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Die Dorfjugend wird umgesiedelt

Potsdam-Marquardt Die Dorfjugend wird umgesiedelt

An der Bank neben der Kulturscheune in Marquardt geht’s mitunter hoch her. Mit Vorliebe treffen sich dort die Jugendlichen des Dorfes, quatschen, lachen, albern herum. Weil es dabei auch lauter wird, sind die Nachbarn genervt. Um den Dorffrieden zu wahren, fand nun ein Gespräch statt. Dabei wurde auch geklärt, wo die Jugend Unterschlupf finden soll.

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Die Bank an der Kulturscheune – der Lieblingstreff der Jugendlichen.

Quelle: Nadine Fabian

Marquardt. Bücher raus, Teenies rein – das ist in den nächsten Tagen und Wochen die Devise in Marquardt. Bei einer eilig einberufenen, aber gut besuchten Bürgerversammlung sprachen sich die Einwohner am Donnerstagabend dafür aus, die ohnehin nicht mehr genutzte Bibliothek unter dem Dach der Kulturscheune aufzulösen und den Raum der Dorfjugend zu überlassen. Außerdem war man sich einig, dass die Jungen und Mädchen ihr Quartier so schnell wie möglich beziehen sollen. Denn eines wurde bei der Diskussion deutlich: Die Marquardter Jugendlichen brauchen dringend einen Ort, an dem sie sich treffen und auch mal laut sein können. Nicht weniger als der Dorffrieden steht auf dem Spiel.

Viele Jahre war es ruhig in Marquardt – obwohl es dort nie einen Club gab, in den sich die Jugend hätte zurückziehen können. Doch seit im Mai zehn unbegleitet reisende Flüchtlingsjungen aus Somalia, Syrien, Pakistan und Afghanistan in die Dorfmitte gezogen sind, tobt sich die Jugend auf der Straße aus. Vor allem die Marquardter Mädchenwelt steht Kopf.

Eine große, bunte Clique ist entstanden und zieht nun durch Marquardt

Die Mädchen waren es, die voll Neugier den Kontakt zu den Zuzüglern gesucht und gefunden haben. Längst mischen auch die Marquardter Jungen mit. So ist eine bunte Clique entstanden, die sich in bester Sommerlaune mit Vorliebe an der Bank neben der Scheune trifft: lachend, jauchzend, mitunter bis spät in den Abend hinein.

„Ich wusste gar nicht, dass wir so viele Mädchen im Dorf haben“, sagt ein Anwohner. Kaum 20 Meter trennen Haus und Hof von der Bank, seine Nerven wurden in den vergangenen Wochen auf die Probe gestellt: „Es wird gekreischt, es wird herumgerannt.“ Schon oft habe er die Jugendlichen gebeten, leiser zu sein. Die jungen Leute seien aber wenig später wieder laut geworden. Er und eine handvoll Nachbarn machen keinen Hehl daraus, dass sie die Jugendlichen lieber anderswo sehen möchte. Etwa auf dem Sportplatz.

Der Sportplatz ist nur die Schönwettervariante

Dieser Vorschlag stößt allerdings bei den Eltern auf wenig Gegenliebe. Zwar sei der Platz weit genug weg, um keinen Anwohner zu stören, aber doch zu weit, als dass sich Mütter und Väter sicher fühlen und ihre Teenager ruhigen Gewissens ziehen lassen könnten. Zudem könne der Platz nur eine Schönwettervariante sein, betonen sie. So sieht das auch Ortsvorsteherin Ramona Kleber, die den Dialog der zerstrittenen Parteien souverän moderierte: „Der Sportplatz ist kein Ort, der auf Dauer und für die relativ lange Winterzeit geeignet ist.“ Weil die Jugendlichen aber offensichtlich gern draußen sind, soll der Platz nun dennoch ein wenig für sie hergerichtet werden.

Einen flammenden Appell richtete Manuela Burkard, die montags den Kinder- und Jugendnachmittag in der Scheune betreut, an die Marquardter: „Am wichtigsten ist, dass wir unseren Jugendlichen vertrauen!“ Sie schlug vor, den Jugendlichen den Schlüssel zu überlassen – was auch geschehen soll. Die Jugendlichen sollen und wollen sich selbst organisieren. Der 13-jährige Nick erklärte sich noch auf der Versammlung stellvertretend für seine Freunde bereit, auf den Schlüssel zu achten und als Ansprechpartner bereit zu stehen.

Von Nadine Fabian

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