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Potsdam Die Drei vom Breitband e.V. in Potsdam
Lokales Potsdam Die Drei vom Breitband e.V. in Potsdam
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20:18 03.05.2016
Party im Hanns-Eisler-Klub (HEK). Zu den über die Waldstadt II hinaus bekannten Traditionen des HEK zählt die Konzertreihe „Art-i-Shock“. Quelle: foto: Privat
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Potsdam/Waldstadt

Am Hanns-Eisler-Klub (HEK) sollte ein neues Wohnviertel beginnen: „Eigentlich war hier die Waldstadt III“, sagt Jürgen Knape (46), langjähriger Chef des Klubs und Vorsitzender des 1999 gegründeten Trägervereins „Breitband“. Doch die beim Bau geplante Teilung der Waldstadt II in extra Viertel dies- und jenseits der heutigen Straße Am Teufelssee sei in Vergessenheit geraten. Knape bezeichnet sich selbst als „Urwaldstädter“. Als Kind wohnte er in der Käthe-Kollwitz-Straße in Waldstadt I, später am Anton-Fischer-Ring, dem heutigen Kiefernring in Waldstadt II, „schräg gegenüber vom ONC“, dem Otto-Nagel-Club, seit 2000 neben dem HEK die zweite Einrichtung des Breitband e.V.

Für Halbwüchsige war die Baustelle der Waldstadt II, mit der 5000 Wohnungen entstanden, „ein riesiger Abenteuerspielplatz“, sagt Knape: „Wir haben uns durch Rohrsysteme und unterirdische Gänge von der Waldstadt I da rüber gepirscht.“ Gerüchte über Tunnel und Bunker unter der Waldstadt II beschäftigen bis heute seine Fantasie. Er habe „schon ein paarmal angefragt“, ob man nicht einige dieser Anlagen nach dem Vorbild des Berliner Unterwelten e.V. für die Öffentlichkeit erschließen könne – bisher allerdings ohne Resonanz.

Frisch verlegter Sammelkanal auf der Baustelle für die Waldstadt II im November 1978. Quelle: Michael Hübner

Stadtwerkesprecher Stefan Klotz bestätigte auf MAZ-Anfrage, dass es unter der Waldstadt II ein Netz von Sammelkanälen für Wasser, Strom und Wärme mit einer Gesamtlänge von 1,2 Kilometern gebe, das allerdings „nicht begehbar“ sei. Die Zugänge seien verschlossen, eine Öffnung für Publikum nicht beabsichtigt.

Zum Hanns-Eisler-Klub kam Knape über seinen älteren Bruder. Mit einem ambitionierten Konzertprogramm zog der 1982 eröffnete Klub zeitweise Publikum aus der ganzen Stadt in die Waldstadt. Gekommen war der Durchbruch mit der 1987 eröffneten Reihe „Art-i-Shock“, in der legendäre Alternativrockbands wie Herbst in Peking, 1000 Tonnen Obst, Big Savod and the deep Mankos, aber auch Die Herzbuben aufspielten, die später als Die Prinzen zu Schallplattenmillionären werden sollten. Zu den Lokalmatadoren zählten Bodenski Beat (später bei Subway to Sally), The Clogs, Desmond Q Hirnch und 44 Leningrad.

Als 1989 die Mauer fiel, war Knape ehrenamtlicher Leiter des Hanns-Eisler-Klubs, seit 1993 ist er hauptberuflich dabei.

Jens Krahmer, Regine Pfeiffenberger und Jürgen Knape (v.l.n.r.) sind der Vorstand des Breitband e.V. Quelle: Volker Oelschläger

Regine Pfeiffenberger (62) arbeitete zur Wendezeit im Pionierhaus „Erich Weinert“ am Neuen Garten, das nun zum Treffpunkt Freizeit wurde. Anfang der 1990er-Jahre wurde sie vom Jugendamt als Leiterin zum Otto-Nagel-Club abgeordnet. Der Wechsel vom Heiligen See in die Waldstadt „war ein Kulturschock“, sagt sie heute. Beide Clubs, der HEK und der ONC, hatten in dieser Zeit, in der viele Eltern zuerst einmal ihr eigenes Leben neu organisieren mussten, Probleme mit Jugendcliquen.

20 Jahre sind seitdem vergangen. Der ONC ist als Kinderclub Anlaufpunkt für die Sechs- bis 14-Jährigen im Viertel und Partner von Schulen, Hort und Kitas. Zu den jährlichen Höhepunkten zählen das gerade wieder absolvierte Seifenkistenrennen in Bergholz-Rehbrücke und der Lampionumzug im Herbst. Der HEK steht Jugendlichen ab zwölf Jahren offen.

2008 wurde die „Art-i-Shock“-Reihe wieder aufgenommen, bei der der Club wie früher die Technik stellt und das Eintrittsgeld komplett an die Künstler geht. Im November 2009 spielten die wieder vereinten Herbst in Peking – 21 Jahre nach ihrem ersten Auftritt – noch einmal bei „Art-i-Shock“ im HEK. Um diese Zeit war Jens Krahmer (32) bereits im HEK aktiv. Gekommen war er 2008 auf der Suche nach einem Proberaum für seine Band. Bald darauf half er gelegentlich als Techniker aus. Heute ist Krahmer ehrenamtliches Vorstandsmitglied des Breitband e.V. „Prinzipiell“, sagt Knape, „steht es allen Leuten frei, ihre Ideen für den Club zu äußern. Aber sie müssen dann auch mitmachen.“

Mehr zu HEK und ONC

Der Otto-Nagel-Club (ONC), Kiefernring 31, für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren ist montags bis freitags von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

Der Hanns-Eisler-Klub (HEK), Saarmunder Straße 66, ein Jugendclub und Kulturhaus für Jugendliche ab zwölf Jahren, ist montags bis donnerstags von 15 bis 21 Uhr und freitags von 15 bis 22 Uhr geöffnet.

Beide Clubs können an Wochenenden für private, nichtkommerzielle Veranstaltungen angemietet werden.

Weitere Informationen zu den Waldstadt-Clubs gibt es auf der Internetseite www.breitband-ev.de

Die nächsten Höhepunkte sind am 13. Mai in der Reihe „Art-i-Shock“ ein Konzert „Pitfight“ mit den Bands Provisorium, Droped und Hollywood-Heart-Syndrome. Einlass ist um 19 Uhr. Am 15. Mai um 15 Uhr ist der nächste Musikertreff, eine jedem Interessenten offene Jamsession, deren Tradition ebenfalls bis in die Vorwendezeit zurück reicht. Am 28. Mai schließlich zieht Breitband zum ersten Club-Festival aller Potsdamer Kinder- und Jugendclubs in die Innenstadt. Ab 15 Uhr wird auf der Jugendaktionsfläche am Bassinplatz das 20-jährige Bestehen des Arbeitskreises Potsdamer Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen gefeiert. „Wir stellen die Bühne und die Technik“, sagt Jürgen Knape. Mit Rhobbin & Swati und Marven Fenz werden auch junge Künstler aus den beiden Waldstadt-Clubs auf der Bühne stehen.

Von Volker Oelschläger

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