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Potsdam Die Einzelkämpfer: Bewerber im Porträt
Lokales Potsdam Die Einzelkämpfer: Bewerber im Porträt
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21:20 19.09.2017
Insgesamt elf Kandidaten stehen im Wahlkreis 61 zur Abstimmung. Quelle: dpa
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Potsdam


Irene Kamenz (55), Bürokauffrau, Freie Wähler: Zur Politik kam Irene Kamenz am Hindukusch. Vor zehn Jahren war die gelernte Bürokauffrau als Angestellte für die Bundeswehr in Afghanistan. Das Trauma des Auslandseinsatzes sei sie bis heute nicht los, sagt die 55-Jährige, die in Golm lebt. „Was von der Leyen und andere Politiker erzählen, hat mit der Realität im Ausland nichts zu tun“, sagt Irene Kamenz. Diese persönliche Erfahrung hat sie politisiert. Dass sie sich keiner der großen Parteien angeschlossen hat, sondern den Freien Wählern, lag für sie auf der Hand: „In den großen Parteien herrscht Zwang. Darauf lasse ich mich nicht ein, das passt nicht zu mir.“ Vor fünf Jahren ist sie auf die Freien Wähler gestoßen, die in Brandenburg sogar im Landtag sitzen. Auf der Landesliste steht sie auf Platz 8. 2014 wurde sie in die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung gewählt, 2015 schloss sie sich der Fraktion von Bürgerbündnis/FDP an. Dass sie nun bundespolitisch aktiv wird, begründet Irene Kamenz so: „Ich mache den Mund auf, und das auch bei Themen, die sich nicht im Kommunalparlament lösen lassen.“ Das Thema Bundeswehr etwa sei so ein Thema. Aber auch Soziales sei ihr wichtig. Ihre Erfahrung im Wahlkreis 61: Die Bürger in der Waldstadt, am Schlaatz und am Stern seien zunehmend verärgert, fühlten sich ausgrenzt. Dass ihre Chancen auf den Bundestagseinzug gering sind, stört die Mutter von drei Söhnen nicht: „Ich lasse mich nicht beirren.“

Irene Kamenz, Freie Wähler. Quelle: privat

Andreas Schramm (54), Rechtsanwalt, Piraten: Andreas Schramm war zumindest schon mal vor dem Bundestag. 17 Kilometer sind es von seinem Wohnort Kleinmachnow bis zum Parlament in Berlin. Bundestagskandidat Schramm ist den Weg gerannt, teils mit Piraten-Flagge in der Hand, zwischendurch hat er getwittert. Der Pirat nimmt den Wahlkampf ernst und gleichzeitig sportlich. Statt mit Plakaten will er mit besonderen Aktionen für sich werben. Das ist auch nötig, denn die Piraten – vor einigen Jahren als neue Partei gehypt und 2011 ins Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen – segeln derzeit früheren Erfolgen hinterher. Umfragen sehen die auf digitale Themen und Transparenz des Staates setzende Partei nicht im Bundestag – wo sie noch nie saß. Rechtsanwalt Andreas Schramm, der seit 2003 in Kleinmachnow lebt, schreckt das nicht. Er geht zu Podiumsdiskussionen, absolviert Radioauftritte, steht an Infoständen, rennt und ackert für den Erfolg und benennt im Internet klar seine Positionen. Er sagt beispielsweise „Nein“ zur Privatisierung von Autobahnen. Das Scannen von Kfz-Schildern für die Autobahn-Maut lehnt er ab. „Wir Piraten sehen hier einen weiteren Schritt in einen Überwachungsstaat“, schreibt er in einer Mitteilung. Und sollte es nichts werden unter dem Piratensegel hätte Andreas Schramm durchaus die Möglichkeit, überzulaufen in ein anderes Lager. „Angebote für einen Parteiwechsel habe ich erstaunlicherweise mittlerweile von diversen Parteien vorliegen“, sagt der Jurist.

Andreas Schramm, Piratenpartei. Quelle: Friedrich Bungert

Mario Berríos Miranda (45), Landschaftsarchitekt, DKP: Wenn er nach seinen Motiven für sein Engagement gefragt wird, sprudelt es aus Mario Berríos Miranda heraus. Er handle „im Auftrag der Menschen auf der Straße, die was anderes wollen“, sagt der Landesvorsitzende der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), der bereits zum vierten Mal zu einer Wahl auf Bundes- oder Landesebene antritt. Er wolle ein Zeichen setzen gegen die „Meinungsmaschinerie“. Sollte es die DKP in den Bundestag schaffen, würde seine Partei dafür sorgen, dass Infos auch nach draußen gelangen, sagt er. Vieles bleibe unter Verschluss, werde nicht angesprochen, ist der Landschaftsarchitekt aus Wildau überzeugt. Aber selbst wenn es nicht reiche, wovon auszugehen ist, seien Stimmen für die DKP nicht vergeudet, weil sie nicht an „Bauernfänger wie die AfD“ gingen. „Frieden, Arbeit, Solidarität“ sind die Schlagworte, mit denen der Sohn und Enkel chilenischer Kommunisten und seine Partei, die vom Verfassungsschutz beobachtet und von diesem als linksextremistisch eingestuft wird, in den Wahlkampf ziehen. „Die Menschen fühlen sich betrogen“, sagt Mario Berríos Miranda, jeder Fünfte sei von Armut betroffen. Der Vater zweier Kinder steht auf Platz eins der Landesliste – und trotzdem auf ziemlich verlorenem Posten, was den Einzug ins Parlament angeht. Bei der Wahl 2013 erhielt die DKP bundesweit 1699 Wählerstimmen, davon entfielen 1207 auf die Direktkandidaten in Brandenburg.

Mario Berrios Miranda, DKP. Quelle: privat

Bettina Franke (49), Logopädin, Die Partei: Im Wahlkampf hat Bettina Franke schon mal was zu Mampfen dabei. Mit einem Kastenweißbrot bezog sie neulich am Filmmuseum Position, als der umstrittene Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke redete. Auf das Weißbrot legte sie einen Flyer mit der Aufschrift „Bernd, das Brot“ – in Anspielung darauf, dass Höcke gerne mal als „Bernd“ bezeichnet wird. An solchen Aktionen haben einige Passanten längere Zeit zu kauen. „Satire muss man manchmal sacken lassen“, erklärt die Logopädin, die für die von Redakteuren des Satire-Magazins „Titanic“ gegründete Kleinpartei „Die Partei“ antritt. So wie beim Wahlforum der MAZ, als die gebürtige Cottbusserin dafür plädierte, Gummihandschuhe an Flaschen sammelnde Rentner auszugeben. Im Publikum gab es erboste Reaktionen. Das zeige nur, dass sie einen wunden Punkt getroffen habe, sagt die 49-Jährige, die betont, dass „Die Partei“ keine Spaßpartei sei. Satire kann und soll natürlich auch Spaß machen, aber das eigentliche Ziel: den Finger in die Wunde zu legen und auf originelle Art zum Nachdenken anzureden. „Mach kein Scheiß mit deinem Kreuz“ ist ein Slogan der Partei, der auf Plakaten mit einem Jesus am Kreuz garniert wird. Aber ist es nicht Schiet, einer Partei seine Stimme zu geben, die kaum Chancen hat, in den Bundestag einzuziehen? „Nein“, sagt Bettina Franke darauf nur und dass für sie der olympische Gedanke zähle. Ihr Wahlziel: „100 Prozent plus x.“

Bettina Franke, Die Partei. Quelle: privat

Edmund Müller (48), Diplom-Ingenieur, Gerechtigkeit für Trennungsväter und Justizreformen: Seine Mission sei langfristig angelegt und nicht auf schnellen Erfolg, erklärt Edmund Müller, der im Wahlkreis 61 als Einzelbewerber mit dem Motto „Gerechtigkeit für Trennungsväter und Justizreformen“ antritt. Der 48 Jahre alte Diplom-Ingenieur ist in Franken aufgewachsen. Zum Studium zog es ihn nach Berlin, seit 2007 lebt er in Werder. Seine eigene Trennungsgeschichte – Müller hat einen Sohn, der ihm durch die Justiz entfremdet worden sei – habe ihn motiviert, öffentlich aktiv zu werden. „Meinem Sohn und mir wird es nichts mehr helfen“, sagt er, aber anderen Betroffenen, mit denen er seine Einsichten „in die skandalösen, alltäglichen Vorgänge an den Familiengerichten“ teilen könne. Zwischenzeitlich war Edmund Müller Mitglied bei den Piraten und der AfD. Aus beiden Parteien trat er schnell wieder aus. Ernüchtert, wie er sagt, weil sich die Erwartungen bezüglich seiner Themen nicht erfüllt hätten. Er wolle zeigen: „Schaut hin, dieser Einzelne kümmert sich um das, was ihr alle vernachlässigt.“ 250 Plakate auf eigene Rechnung will er im Wahlkreis noch aufhängen. „Mein Erfolg ist, die Aufmerksamkeit auf die Themen zu ziehen“, sagt Müller. „Der bemisst sich nicht einfach nur darin, ob ich in den Bundestag einziehe oder nicht, sondern an der Höhe des Stimmenanteils. Und der ist steigend.“ Bei der Bundestagswahl 2013 holte Müller als Einzelbewerber 0,3 Prozent der Stimmen, bei der Landtagswahl ein Jahr später waren es 1,2 Prozent.

Edmund Müller, Gerechtigkeit für Trennungsväter und Justizreformen. Quelle: privat

Von Marion Kaufmann

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