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Potsdam Die Enkel kehren zurück
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18:03 11.09.2017
Enkelin Judith (l.) und Schwiegertochter Rosemary in der Ausstellung über Gustav Heinrich Wolff in der „Guten Stube“ des Potsdamer Kunstvereins. Rechts Kurator und Gastgeber Andreas Hüneke. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Wenige Wochen vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges emigrierte die Jüdin Käthe Wolff (1898-1967), geschiedene Witwe des Bildhauers Gustav Heinrich Wolff (1886-1934), mit ihren beiden Söhnen nach England. In der „Guten Stube“, der kleinen Galerie des Potsdamer Kunstvereins in der Charlottenstraße, kam es am Freitag zu einem ganz besonderen Familientreffen: Schwiegertochter Rosemary (86) und Enkelin Judith (46), beide leben in London, besuchten kurz vor dem Ende die Kabinettsausstellung „Auf den Spuren eines Berliner Bildhauers“ mit Holzschnitten, Zeichnungen und Dokumenten zu Skulpturen von Gustav Heinrich Wolff. Gastgeber war der Kunstvereinsvorsitzende Andreas Hüneke, der die ausgestellte Sammlung in Jahrzehnten zusammengetragen hat.

Gustav Heinrich Wolff : „Badende“, 1924, Holzschnitt. Quelle: PKV

Hüneke ist während seines Studiums in den 1960er Jahren durch eine Skulptur in Halle auf Gustav Heinrich Wolff gestoßen: „In der DDR gab es nur wenig moderne Kunst“, sagt er. Halle an der Saale war eine Ausnahme. Wolff gehörte zu den bedeutenden Bildhauern der 1920er Jahre. Zu seinen Freunden und Förderern zählte Max Sauerlandt (1880-1934), vor dem Ersten Weltkrieg Leiter des Städtischen Museums für Kunst und Kunstgewerbe Halle, nach dem Krieg als Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg ein Wegbereiter für Expressionisten wie Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde und Karl Schmidt-Rottluff. Auch Gustav Heinrich Wolff gehörte zum Kreis. Eine Fotografie von 1923 trägt die Widmung „Familie Wolff der Familie Sauerlandt – herzlichen Gruß!“

Unter den Nazis galt Wolffs Kunst nichts. Seine Werke wurden 1938 in der berüchtigten Ausstellung „Entartete Kunst“ in Berlin gezeigt. 1957 präsentierte das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe erstmals vor der Vernichtung bewahrte Arbeiten des Bildhauers. „Was er hinterließ und was jetzt zum ersten Mal nach seinem Tode wieder an die Öffentlichkeit kommt, ist ein faszinierendes Fragment“, schrieb „Die Zeit“. Anders arbeiteten sie diesseits des Eisernen Vorhangs. Einer 1931 als Familiengrabmal geschaffenen „Liegenden Erda“ aus Travertin zerschlugen sie 1968 das Gesicht, um Platz für eine Bronzetafel zur Erinnerung an sowjetische Fremdarbeiter zu schaffen.

Das Rad der Geschichte dreht sich unablässig. Judith Wolff erzählte am Freitag von ihrem Vater Franz (1921-2001), der einer Internierung in England als feindlicher Ausländer nach dem Kriegsausbruch nur entging, weil er sich zum Armeedienst meldete. Als emigrierter deutscher Jude staatenlos, bekam er erst 1947 die britische Staatsbürgerschaft. Vor einem Jahr berichtete der Londoner „Guardian“, dass die Nachkommen Zehntausender vor den Nazis geflohener Juden nach dem Brexit-Votum die Rückkehr zur deutschen Staatsbürgerschaft beantragt hätten. Zunehmende Fremdenfeindlichkeit in England sei ein Grund, die Schließung der Grenzen zur EU ein anderer. Judith Wolff hat seit April die doppelte Staatsbürgerschaft. Nun will sie Deutsch lernen, zu Ehren ihres Großvaters, und weil sie künftig auch in Deutschland leben möchte.

Info Die Ausstellung in der Charlottenstraße 121 ist letztmals am Montag von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

Von Volker Oelschläger

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