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Potsdam Die Entdeckung des gelben Sommers
Lokales Potsdam Die Entdeckung des gelben Sommers
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18:40 19.08.2016
Bild aus dem Zyklus „Zeit der Kräne“ (2014) von Barbara Raetsch. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Zwei Bilderpaare stehen am Anfang der Ausstellung „Realitäten“ zum bevorstehenden 80. Geburtstag der Potsdamer Malerin Barbara Raetsch. Auf der Linken zwei Ruinen. Schon im Sinken begriffen, kaum noch von den nebenstehenden Häusern gehalten die eine, mit rosa-grauem Himmel in leeren Fenstern die andere.

Auf der rechten Seite hingegen brodelt es: Ein Wald von Kränen erhebt sich Kreuzen ähnlich vor düstrem Himmel. Quer über den Bauch des einen Bildes zieht sich in irrem Orange die Lohe des Werdens, während es auf dem andern unter schwarzer Lavakruste nur noch leise rot glimmt.

Ein Vierteljahrhundert liegt zwischen diesen Bildern. Das älteste von 1987 mit dem Titel „Rekonstruktion Hermann-Elflein-Straße“ zeigt das heutige Museumshaus „Im güldenen Arm“, den Ort der Ausstellung, unmittelbar vor dem Beginn der Sanierung.

Das andere von 1995 namens „Abrisshaus" porträtiert das Vorderhaus des nach dem Mauerfall besetzten Kulturzentrums „Fabrik“ in der Gutenbergstraße, aus dem 1993 bei der polizeilichen Räumung die Flammen schlugen. „Kulturobjekt“ stand in Sprühschrift am Bauschild neben dem mit Brettern verrammelten Haus, das erst Jahre später saniert werden sollte.

Barbara Raetsch in ihrer Ausstellung. Quelle: Bernd Gartenschläger

Die Arbeiten gegenüber hingegen entstammen dem jüngsten Werkzyklus „Zeit der Kräne“, mit dem die Künstlerin den Wiederaufbau der Potsdamer Stadtmitte zwischen Altem Markt und Alter Fahrt in einem Kraftakt über zwei Jahre in apokalyptische Bildlandschaften übersetzte, die vor den mal schattenhaften, mal elfenbeinfarbenen Schemen des alten Ensembles mit Rathaus und Nikolaikirche toben.

Barbara Raetsch, geboren am 21. Oktober 1936 in Pirna (Sachsen), kam 1958 über die Hochzeit mit dem Maler Karl Raetsch (1930-2004) nach Potsdam. Die Autodidaktin ist seit 1977 als freischaffende Malerin tätig. Ihr Werk wuchs in thematischen Schüben. Ein Jahr lang malte sie im Braunkohletagebau.

Dann wieder widmete sie sich der „Poesie des Alltags“. Eines der „Küchenbilder“ namens „Abwasch“ – ein Selbstporträt mit schmutzigem Geschirr – wurde 1982 zum Einstand Barbara Raetschs auf der 9. DDR-Kunstausstellung in Dresden. Im Depot des Potsdam-Museums finden sich eindrucksvolle Stadtlandschaften von Barbara Raetsch wie der 1988 entstandene „Berufsverkehr“ auf der diesig-grauen Nuthestraße.

Populär jedoch sind ihre Porträts von Abrisshäusern der Vorwende- und von besetzten Häusern der Nachwendezeit. Einem Triptychon gleich hängen im zweiten Raum der Ausstellung neben einem der Kranbilder die skeletthafte Ruine des Klausberg-Belvederes (1990) und die Reste des „kleinen Holländischen Viertels“ am Bassin vor der unwirklichen Kuppel der Französischen Kirche (1988).

Kontrapunkt sind die fast monochromen Lichtelegien, entstanden in einer über mehr als zehn Jahre andauernden Auseinandersetzung mit sommersatten Feldern voller Sonnenblumen, Mohn und Korn. „Früher habe ich versucht, Landschaft zu malen“, sagt die Künstlerin. „Es ist nicht mein Ding. Doch dann habe ich den gelben Sommer entdeckt.“

Vernissage am Sonntag

Die Ausstellung in der Galerie des Brandenburgischen Kulturbundes im Museumshaus „Im güldenen Arm“, Hermann-Elflein-Straße 3, wird am Sonntag um 15 Uhr eröffnet.

Zur Begrüßung spricht der Landesvorsitzende Hinrich Enderlein, die Laudatio hält Kunsthistorikerin Renate Bergerhoff. Musizieren wird Matthias Wacker (Saxophon).

Die Ausstellung läuft bis zum 2. Oktober. Geöffnet ist sie mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr.

Tel. Der Kulturbund hat die Gestaltung des Ausstellungsprogramms

Tel. für 2017 noch nicht abgeschlossen. Interessenten melden sich per
Tel. Tel.
Tel. 0331/291 570.

Von Volker Oelschläger

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