Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Die Geburt von „Mitteschön“
Lokales Potsdam Die Geburt von „Mitteschön“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:23 06.07.2018
Dinnerdemo des Stadtschloss-Fördervereins und der Initiative „Mitteschön“ im August 2007 auf dem Alten Markt. Quelle: Christel Köster
Potsdam

Als am 1. November 2006 der Bebauungsplan für den Landtag in der Kubatur des Stadtschlosses von den Stadtverordneten abgelehnt wurde, schlug die Geburtsstunde von „Mitteschön“. „Da hat mich ein Bekannter angerufen und gesagt: Wir müssen was machen, sonst geht das Ganze den Bach runter. Ich habe spontan herumtelefoniert und wir haben 50 Leute zusammengekriegt.“

Barbara Kuster, stadthistorisch interessiert, im Hauptberuf Kabarettistin, sagt: „Das war unsere erste Demo.“ Es sollte nicht dabei bleiben: „Dann haben wir immer einmal im Monat montags zur Demo aufgerufen und damit versucht, die Beschlüsse einzuklagen, die Stadtverordnete und Landesregierung getroffen hatten.“

Die Potsdamerin zitiert den Landtagsbeschluss vom 20. Mai 2005, nach dem das Gebäude in den „Um- und Aufrissen“ sowie mit der Fassade „nach dem historischen Vorbild des früheren Stadtschlosses zu errichten“ sei: „Wir haben immer wieder versucht deutlich zu machen, dass das Schloss da hingehört und nicht so ein moderner Glaskasten.“

Wer den Begriff „Mitteschön“ tatsächlich erfunden habe, liege „im Nebel“, sagt Kuster: „Ist auch egal. Es ist ein schöner Name, es ist ein guter Name. Es ist das, was uns ausmacht. Wir wollen die Mitte nicht nur schön machen, sondern sie überhaupt wieder zum Leben erwecken.

Die Initiative wollte „nicht nur Rekonstruktionen, aber den Nachbau der wichtigsten Gebäude, die von der Geschichte dieser Stadt erzählen“, sagt Kuster: Das Leitbautenkonzept, nach dem die Mitte im Rückgriff auf ausgewählte Stadtbild prägende Vorkriegsbauten rekonstruiert wird, gehe auf eine Initiative von „Mitteschön“ zurück. Aber das Stadtschloss „war die Initialzündung“.

Die Montagsdemos wurden immer größer. Im August folgte eine erste „Dinnerdemo“ mit einem Alten Markt fast 2000 Menschen an gedeckten Tafeln und Animationen vom Schloss auf einer Großeinwand.

Von der Ende November 2007 bekannt gegebenen 20-Millionen-Euro-Spende Hasso Plattners für die Rekonstruktion von Fassade und Dach habe sie per Telefon erfahren: „Ich habe den Anruf bekommen von einem Mitstreiter, im Hintergrund jubelten sie schon alle wie verrückt. Wir haben uns dann im Café ,Hundertwasser’ getroffen und ordentlich darauf angestoßen.“ Tage später dankten sie dem Mäzen, dessen Namenszug sie vor dem abendlichen Fortunaportal mit Hunderten Kerzen zum Leuchten brachten.

Immer wieder sollten sich die „Mitteschöns“, wie sie sich selbst nennen, mit ihrem Leitspruch „Wir haben ein Auge drauf“ in die Debatten zur Stadtentwicklung einbringen – mittlerweile auch zu modernen Neubauten in der Innenstadt. Schon vor Jahren äußerten sie sich kritisch zum drohenden Abriss des Terrassenrestaurants „Minsk“ am Brauhausberg, einem Zeugnis der DDR-Moderne. Die jüngste kritische Wortmeldung kam zum geplanten Hotelneubau neben der Hauptpost an der Straße Am Kanal.

MAZ-Serie „1000 plus 25 Jahre Potsdam“

Mit einem Fest wird am 8. Juli auf dem Alten Markt der 1025. Jahrestag Potsdams gefeiert. Die MAZ blickt aus diesem Anlass in einer Serie auf das jüngste Vierteljahrhundert zurück. Pro Jahr wird an ein Ereignis erinnert.

Bisher erschienen:

Kunst-Skandal zur 1000-Jahrfeier 1993 – die „Fontanelle“

Schießerei im KGB-Städtchen – der Abzug der Russen 1994

Boheme auf Abwegen – Neueröffnung des Café „Heider“ 1995

„Einkaufen? Eine Katastrophe.“ – Die Stern-Center-Eröffnung 1996

Wilder Osten – Der Potsdam-Center-Skandal 1997

Die SPD steht hinter mir – Abwahl von OB Horst Gramlich 1998

Sonnenfinsternis im Neuen Garten – 1999 wächst das Potsdamer Weltkulturerbe

Das Ende der Philharmonie – 2000 eröffnet der Nikolaisaal

„Ja zu langen Unterhosen“ – Die Buga 2001 und die AG Stadtspuren

Kampf um die Straße – 2002 gründet sich das Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“

Schlechte Stimmung in Neu Fahrland – 2003 wächst Potsdam Richtung Norden

Rettung der Brandenburger Straße – Richtfest bei Karstadt 2004

Zu schön für den Titel – 2005 scheitert die Bewerbung als Kulturhauptstadt

Premierenfieber in der Schiffbauergasse – 2006 wird der Theaterneubau eröffnet

Bürgerprotest für Barockfassaden – Die Geburt von „Mitteschön“ 2007

Kultureinrichtungen kollabieren – 2008 ist das Jahr des Jugendprotests

Eskalation am Griebnitzsee – Anrainer blockieren zum Osterfest 2009 den Uferweg

Bürgerpark statt Straßenschlucht – Die Geburt der Gartenstadt Drewitz 2010

Der Stadtwerke-Skandal 2011 – Potsdams erste Transparenzkommission

Gedächtnis der Stadt zieht in die Mitte – Eröffnung des Potsdam-Museums 2012

Ein Café „Et Cetera“ – Eröffnung des Bildungsforums 2013

Das erste Konzert im Innenhof – 2014 wird das Landtagsschloss eröffnet

„Neue Nachbarschaften“ helfen Flüchtlingen – Die Blaupause für den Herbst 2015

Das letzte Bürgerbegehren – 2016 mobilisieren Potsdamer für Fachhochschule, Staudenhof und Mercure

Im Epizentrum des Streits um die Stadtmitte – Das Barberini kommt, die alte FH verschwindet

Von Volker Oelschläger

In fast allen Bereichen der Wirtschaft und des öffentlichen Dienstes fehlt Personal. Das zeigt sich derzeit massiv beim Verkehrsbetrieb. Betriebswohnungen könnten Nachwuchs locken.

27.06.2018

Die Mukoviszidose ist eine unheilbare Stoffwechselkrankheit, die aber therapiert werden kann. Der „Muko-Lauf“ von Potsdam sammelt alljährlich rund 30000 Euro dafür ein.

24.06.2018

Vor 50 Jahren, am 23. Juni 1968, verschwand der Turmstumpf der Garnisonkirche mit einer letzten Sprengung aus dem Potsdamer Stadtbild. Sechs Zeitzeugen berichten.

23.06.2018