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Potsdam Die Gefahr spaziert mit in Grube
Lokales Potsdam Die Gefahr spaziert mit in Grube
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18:45 25.05.2016
Die Gefahr spaziert mit in Grube: Alexandra Kuhlmey und Töchterchen Zoé auf dem Bürgersteig an der Wublitzstraße. Quelle: Christel Köster
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Grube

Wann sie das letzte Mal durchgeschlafen haben? Das letzte Mal erholt aufgewacht sind? Alexandra Kuhlmey weiß es nicht. „Um 3 Uhr morgens geht’s los.“ Dann rollen die ersten Laster vorbei und lassen das Haus – eines der ältesten in Grube – erzittern und knarzen. „Wie oft ich von den Kindern höre, dass sie wieder von den Lkws wach geworden sind“, sagt Alexandra Kuhlmey (35). „Unsere Betten vibrieren. Liegt man dann wach, lauert man auf den nächsten Laster.“ Der kündigt sich mit einem dumpfen Grollen an, das einem durch jede Faser kriecht.

Wenn der Traum vom Haus zum Alptraum wird

Seit 2008 wohnen Alexandra und Stephan Kuhlmey an der Wublitzstraße, über die seit eh und je der Durchgangsverkehr rollt. Es war nie ein stilles Heim, das sich die beiden da ausgesucht haben. Doch die Welt war damals, als sich das Paar den Traum vom eigenen Haus erfüllte, noch in Ordnung. „Wer konnte schon ahnen, dass es einmal so dicke kommt?“

Bereits um 2011 habe der Verkehr in Grube zugenommen, sagt Ortsvorsteher Rolf Sterzel. 2015 erreichte die Belastung dann nochmals neue Qualität: Ein Teil der Bundesstraße 273 wurde mautpflichtig. Seither schieben sich mehr Laster und schwere Sattelzüge durch das Dorf, als es verträgt, meinen die Einwohner – wer die Autobahnabfahrt Leest statt Potsdam-Nord wählt, spart eben. Die Gruber rechnen damit, dass sich die Verkehrsbelastung sogar noch weiter erhöht, immerhin wachsen die Nachbarorte Golm und Eiche. „Insbesondere der weitere Ausbau des Wissenschaftsstandortes Golm wird zu einer Mehrbelastung beitragen“, sagt Rolf Sterzel. Dies habe das mit der Fortschreibung des Lärmaktionsplans beauftragte Ingenieurbüro eingeräumt.

Die Lastwagen donnern über den Bürgersteig

Alexandra Kuhlmey mag gar nicht daran denken, wie es in Grube in zwei, drei Jahren aussieht. Der Lärm und die Erschütterungen seien schon jetzt kaum mehr zu ertragen. Unerträglich aber sei die Angst. „An der Bushaltestelle zu stehen oder durchs Dorf zu spazieren, ist lebengefährlich.“ Alexandra Kuhlmey schaut aus dem Wohnzimmerfenster. Der Gehweg vor dem Haus ist nicht besonders breit und auf Fahrbahnniveau abgesenkt – eine Einladung für Auto- und Brummifahrer, einfach drüber zu donnern, wenn’s mal eng wird.

Und es wird oft eng, wie sich allerorten im Dorf zeigt. Bankette sind umgepflügt, Bordsteinkanten geborsten. Ein Nachbar hat Steinquader zum Schutz aufgestellt. Ein anderer eine Pflanzwand gesetzt. Grube verbarrikadiert sich – und hofft, dass das Unglück, vor dem sich alle fürchten, nie eintrifft. „Unser Tor ist immer zu“, sagt Alexandra Kuhlmey. Zoé (3) und Tim (7) wissen, dass sie beim Spielen hinterm Haus bleiben müssen und dass es nur an der Hand von Opa oder Papa zum Spielplatz geht.

Der Oberbürgermeister soll sich für Grube stark machen

Jetzt regt sich Widerstand. „Die Bürger sind nicht länger bereit, ihre Gesundheit und die ihrer Kinder aufs Spiel zu setzen oder die Beschädigungen ihrer Häuser hinzunehmen“, sagt Rolf Sterzel. Am Dienstagabend hat der Ortsbeirat einen Beschluss gefasst, wonach der Oberbürgermeister gebeten wird, sich für die Beschränkung des Lkw-Verkehrs in Grube einzusetzen. Eine weitere Forderung: Die Wublitzbrücke soll auf maximal 10 Tonnen Gesamtgewicht limitiert werden – das soll auch nach dem Neubau der Brücke bestehen bleiben. Zudem fordern die Gruber, dass der Lärm und die Erschütterungen gemessen werden.

Vier A4-Seiten umfasst die Erklärung. Am Ende der Ortsbeiratssitzung aber stand nur ein einziger Satz: „Wir wollen ernst genommen werden – wir haben die reflexartigen Geht-nicht-Antworten der Stadtverwaltung satt!“

Von Nadine Fabian

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