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Die Heidesiedlung ist Potsdams WG

MAZ-Serie zu den Stadtteilen: Babelsberg Die Heidesiedlung ist Potsdams WG

An der Großbeerenstraße hat eine Nachbarschaftsinitiative die Explosion ihrer Mieten verhindert – das zeigt, wie es in der Heidesiedlung läuft. Hier hilft man sich! Der große Wohnblock funktioniert wie eine Wohngemeinschaft und im Frühling verlagert sich das Leben gerne mal nach draußen.

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Julia Schultheiss (vorn l.) und Katharina Tietz (r.) lieben es, mit anderen Mietern auf der Wiese zusammenzusitzen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Babelsberger. Ein bisschen sieht es aus wie eine spontane Freiluftparty: Die jungen Leute sitzen gemütlich draußen zusammen bei fast schon lauen April-Temperaturen. Das Sitzmobiliar ist gemischt, von der Hollywoodschaukel bis hin zum Bürostuhl. Alle plaudern angeregt. Ab und zu ein Witz, viel Lachen und Kumpelgefühle. Wirkt wie das Treffen einer Wohngemeinschaft. Aber die „WG“ ist in Wahrheit ein großer Wohnblock. In der denkmalgeschützten Heidesiedlung an der Großbeerenstraße, die fast ein Dutzend Aufgänge mit 91 Wohnungen hat, lebt man nicht nebeneinander her, sondern gern miteinander. Wenn in den Ferien viele verreist sind, übernimmt einer ganz selbstverständlich für die anderen das Katzen-Sitting und das Blumengießen. Man vertraut sich einfach: „Von mir sind vier Schlüssel verteilt – für den Fall, dass ich meinen mal verliere“, erzählt Katharina Tietz (31) lachend.

2009 zog sie ein. Sie liebt den Blick in den Innenhof aus ihrer Wohnung. Eines Tages stand ein alter Herr unten, der als Junge hier gelebt hatte. Er erzählte, dass das schmiedeeiserne Tor zum Hof abends immer abgeschlossen werden musste. Äußerlich hat sich seit den 30er Jahren nicht viel verändert. Von den alten Fensterläden blättert die Farbe; aus den Wänden ragen immer noch Fahnenhalter. Ein bisschen fühlt man sich wie in einer TV-Geschichtsdoku.

Bereits saniert ist ein Teil der Wohnblöcke der Heidesiedlung

Bereits saniert ist ein Teil der Wohnblöcke der Heidesiedlung.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Julia Schultheiss (32) lebt schon seit zehn Jahren in der Siedlung. Die DDR-Blümchen-Tapete, die beim Einzug ihre Küche zierte, ist längst Geschichte. Aber geheizt wird weiterhin mit Kohle oder Öl – noch. Denn die Siedlung wird derzeit komplett saniert. Anderswo würde so eine Maßnahme automatisch einen Massenexodus der Alt-Mieter auslösen wegen explodierender Mieten. Doch in der Siedlung passierte 2012 das, was man ein kleines Wohn-Wunder nennen kann: Als die Verkaufspläne der Pro Potsdam publik wurden, gingen die Mieter auf die Barrikaden. Sie malten Transparente, machten die Presse hellhörig. Unterstützer aus der Politik wurden ins Boot geholt. Und als die Investitionsbank des Landes Brandenburg Fördermittel fließen ließ, war klar: Die Siedlung fällt nicht der Gentrifizierung – der Inbesitznahme durch Mieter mit dicker Brieftasche – zum Opfer. Die Bewohner können bleiben, denn nach der Sanierung sind sozialverträgliche Mieten geplant: 5,50 Euro für Mieter mit Wohnberechtigungsschein (WBS); 6,50 Euro ohne WBS.

Die Heidesiedlung

Die Siedlung entstand in den 1930er Jahren. In der Nähe gab es Fabriken wie Friesecke & Höpfner oder Arado.

Der erste Sanierungsabschnitt wird im Juli fertig. Der zweite Bauabschnitt inklusive Außengestaltung ist bis Jahreswechsel 2017/18 beendet. Die Bewohner der Wohnungen, die saniert werden, bekommen von der Pro Potsdam eine Ersatzwohnung.

Die Mieter würden sich sehr über alte Fotos ihrer Siedlung freuen. Bitte melden unter info@interlog-ev.net!

Die vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen. Positive. „Ich fand’s interessant zu sehen, dass man kämpfen kann – und dass es sich lohnt“, sagt Psychologin Julia Schultheiss über ihre Erfahrung mit der Bewohnerinitiative. Der gehört auch Katharina Tietz an, die mittlerweile hauptberuflich im Bereich der Bürgerbeteiligung arbeitet. Und auch wenn jetzt alles auf einem guten Weg ist, wollen sich die Mieter doch ein „Erbe“ dieser aufregenden Zeit bewahren: den Zusammenhalt in dieser großen WG namens Heidesiedlung.

Von Ildiko Röd

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