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Potsdam Die Hüter des Heiligen Sees
Lokales Potsdam Die Hüter des Heiligen Sees
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06:00 10.08.2014
Das Ufer des Heiligen Sees leidet unter dem unerlaubten Baden. Quelle: Christel Köster
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Potsdam

Eigentlich steht es überall geschrieben: "Zum Schutz des Gartendenkmals ist es nicht gestattet, Fahrräder außerhalb der ausgeschilderten Wege mitzuführen." Aber gelesen haben will das keiner. Ebenso den Punkt, dass es verboten ist, im Heiligen See außerhalb der Badestelle ins Wasser zu gehen. Trotzdem radeln alle paar Minuten Radfahrer durch den Neuen Garten, springen Leute in den See oder breiten ihre Picknickdecke auf der Wiese aus.

Was einige für einen Spaß-Park halten, steht als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Und da gelten andere Regeln als auf der Wiese um die Ecke. Die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) haben deshalb jede Menge zu tun, wenn sie für die Einhaltung dieser Parkordnung sorgen wollen. Auf Streife sind sie zu zweit unterwegs, nie allein. Zum einen, um immer einen Zeugen zu haben, zum anderen, weil der Job auch mal Anfeindungen mit sich bringt.

Falsch-Radler steckt die Zunge heraus

So wie an diesem Nachmittag, als ein junger Radler das Fahrverbot nicht einsehen will. Er weiß anscheinend genau, was er falsch gemacht hat, würde es aber wohl immer wieder machen. Eigentlich soll er zum asphaltierten Ökonomieweg schieben, auf dem Radeln erlaubt ist. Aber dann dreht er ab und streckt der Mitarbeiterin auch noch die Zunge raus. "Manchmal muss ich erstmal ganz tief durchatmen, um wieder runterzukommen", sagt die Ordnungsdienst-Mitarbeiterin. Ihren Namen will sie nicht in der Zeitung lesen. Zu groß ist ihre Angst, dass auffällige Parkgäste sie auch privat belästigen könnten.

Radfahrverbot hat einen guten Grund

Radfahren zerstört die Wege, sagt die Schlösserstiftung. Quelle: Christel Köster

Warum auf den Wegen nicht geradelt werden darf, erklärt SPSG-Sprecher Frank Kallensee so: "Bei regnerischem Wetter würden Räder Spurrillen verursachen. Und wenn Fahrräder über Wiesen geschoben oder an Bäume gelehnt werden, entstehen dort Beschädigungen." Dabei wachsen auf den Rasenflächen mitunter auch extrem seltene Gräser oder leben vom Aussterben bedrohte Tiere.

Viele Wild-Bader im Heiligen See

Mit dem Baden verhält es sich ganz ähnlich. Diejenigen, die Mitarbeiter der Stiftung triefnass auf das Badeverbot hinweisen, scheinen ihren eigenen Verstoß zu kennen. "Ich wollte nur kurz in der Mittagspause ins Wasser springen. Dazu war es bis zur Badestelle zu weit", sagt eine Potsdamerin. Schade findet sie das Verbot schon, kann sich aber mit der höflichen Aufforderung der Mitarbeiter gut abfinden. Denn nur an der Nordseite des Heiligen Sees gibt es einen Bereich, von dem aus Schwimmen gestattet ist.

Hier, an der West-Seite kurz vor dem Marmorpalais, darf kein Fuß ins Wasser gesetzt werden. "Ansonsten würden die Böschungen zu sehr darunter leiden", sagt die 54-jährige Ordungsdienst-Mitarbeiterin.

Bußgeld bis 35 Euro

Meistens belässt sie es bei der freundlichen Ermahnung. "Wir möchten für Verständnis sorgen", sagt sie. Wenn sie aber ein und denselben kurz darauf wieder erwischt, lässt sie das nicht durchgehen. "Ich hab ein gutes Gesichtsgedächtnis, seitdem ich hier arbeite", sagt sie. Dann kassiert sie zwischen fünf und 35 Euro, je nachdem, wie einsichtig oder auch nicht sich der Übeltäter zeigt.

Wie viel die SPSG verdient an den Knöllchen, die Mitarbeiter im Neuen Garten, Park Sanssouci, in Babelsberg und rund um das Schloss Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) einnehmen, ist von Sprecher Frank Kallensee nicht zu erfahren. Er verweist auf eine Statistik, die in den ersten zehn Juli-Tagen geführt wurde. Dort stellten die Wächter 160 Verstöße fest. Längst nicht alle Angesprochenen erhielten auch einen Bußgeldbescheid. "Das Geld spielt eine geringe Rolle, es geht eher um die Aufklärung", sagt Kallensee.

Von Lisa Rogge

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