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Asyl: Kirchen ohne Masterplan

Flüchtlinge in Potsdam Asyl: Kirchen ohne Masterplan

Die Flüchtlinge sind da, und es werden immer mehr. Bei den Potsdamer Kirchengemeinden aber hat man sich noch nicht dazu verständigt, Flüchtlinge in Kirchengebäuden unterzubringen. Möglich wäre es, sagt Pfarrer Andreas Pape. Doch müssen dem stets die betroffenen Kirchengemeindemitglieder zustimmen.

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Die Adventistengemeinde am Bornstedter Feld könnte Räume für Flüchtlinge herrichten, wenn die Gemeindemitglieder das wollen.,

Quelle: Rainer Schüler

Potsdam. Die Flüchtlingswelle spült immer neue Menschenmassen nach Deutschland, auch nach Potsdam. Die neue Erstaufnahme auf dem Gelände des früheren Sozialministeriums stößt demnächst an ihre Grenzen, falls Wohncontainer oder Winterzelte nicht bald kommen und falls die jetzigen Bewohner hier bleiben, statt über Eisenhüttenstadt ins Land verteilt zu werden. Derzeit sind rund 400 Flüchtlinge in den früheren Büros der Landesregierung untergebracht; bei 560 ist Schluss in festen Gebäuden. Die geplante Erweiterung auf bis zu 1200 Plätze ist nur in provisorischen Außenunterkünften machbar; wann die kommen, weiß niemand.

Die Stadt, die Turnhallen und Zelte als Bleibeorte nicht will, hat keine anderen Alternativen mehr. Da könnten die Kirchen in der Landeshautstadt helfen, doch die haben auch nach über einer Woche noch keinen Plan. Wie Pastor Andreas Pape von der Adventistengemeinde im Bornstedter Feld gegenüber der MAZ sagte, ist „in Sachen Unterbringung nichts verabredet.“ In der letzten Sitzung des Arbeitskreises Christlicher Kirchen (ACK) Anfang September sei das „noch kein Thema“ gewesen.

Es gebe im Kirchenkreis „Überlegungen, aber nichts Konkretes“, sagt der stellvertretende evangelische Superintendent Andreas Neumann gegenüber dieser Zeitung. „Das Flüchtlingsthema wird in dem Gemeinden stark diskutiert“, berichtet der Pfarrer für Drewitz und das Kirchsteigfeld: „Es gibt viele ehrenamtliche Helfer, aber wir müssen das Engagement erst noch koordinieren.“ Dafür werde Flüchtlingspfarrer Bernhard Fricke sorgen, der dieser Tage telefonisch aber schier unerreichbar ist.

Flüchtlingspfarrer Bernhard Fricke soll  kirchliche Aktivitäten wecken und koordinieren

Flüchtlingspfarrer Bernhard Fricke soll kirchliche Aktivitäten wecken und koordinieren.

Quelle: Friedrich Bungert

Um Flüchtlinge in Räumen der Kirchengemeinden unterzubringen, müssen Neumann zufolge die Gemeindemitglieder befragt werden; das ist bislang nicht passiert. „Gastfreundschaft und Nothilfe stehen für uns Christen ganz oben. Räume gibt es sicher, wir wissen nur nicht, welche. Zum Glück ist derzeit keiner obdachlos. Niemand wird in der Kälte vor unseren Türen stehen.“

Bei den Adventisten gäbe es Räume, sagt Pastor Pape. Außer einem großen Saal für die Gottesdienste der etwa 110 Mitglieder habe man mehrere kleinere Räume für Veranstaltungen, die im Notfall mit Flüchtlingen belegt werden könnten: „Dann müssen die Aktivitäten in diesen Räumen eben verlegt werden oder ausfallen. Und wenn die Not noch größer wird, würden wir das Kirchenschiff selbst öffnen.“ Das ist in diesem Falle ein flacher Saal und heiztechnisch weit besser geeignet als historische Kirchengebäude mit festen Bankreihen und hohen Gewölben. Außer dem Problem der Beheizbarkeit gäbe es hier enorme Schwierigkeiten, sanitäre Einrichtungen zur Verfügung zu stellen und Abgrenzungen für Männer und Frauen aufzubauen. Für Pastor Andreas Pape kann es deshalb auch nur darum gehen, eine kleine Zahl von Flüchtlingen aufzunehmen, Familien etwa.

Damit hat die Friedenskirchgemeinde am Rande des Parkes Sanssouci sogar Erfahrung. „Wir hatten schon mal eine muslimische Familie für ein Jahr bei uns; das lief gut“, sagt Pfarrer Simon Kuntze, der auch Stadtkirchpfarrer ist: „Wir hätten Gemeinderäume, die wir entsprechend umnutzen können.“ Die jetzigen Nutzer müssten dann woanders hin.

Probleme mit der Unterbringung muslimischer Flüchtlinge in christlichen Kirchengebäuden sieht Vize-Intendent Neumann nicht: „Das sind ja sicher keine Fundamentalisten. Die sind doch selber vor Fundamentalisten geflohen und heilfroh, endlich in Sicherheit zu sein.“

Der Papst hat an alle katholischen Pfarreien appelliert, eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen, doch kann dem die Potsdamer Gemeinde St. Peter & Paul am Bassinplatz nicht nachkommen. Die Räume für Seelsorge seien „mehr als beengt“, sagt Propst Klaus-Günter Müller. Es gebe keine freie Mietwohnung der Gemeinde in Potsdam. In St. Cäcilia in Michendorf sei bereits eine Wohnung an Flüchtlinge vermietet.

Von Rainer Schüler

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