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Potsdam Die Kuhtor-Meierei sackt ab
Lokales Potsdam Die Kuhtor-Meierei sackt ab
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01:13 31.12.2014
Das "Klein-Venedig" droht ins Wasser abzurutschen. Quelle: Rainer Schüler
Potsdam

Ludwig Persius hat es geahnt, wahrscheinlich wusste er sogar, dass das passieren würde. Er hat vorgesorgt. Als er 1833/34 das Haus des Hofgärtners Carl Handtmann (1776–1852) am Kuhtor von Sanssouci umbaute und erweiterte, direkt hinein einen alten Kanal des Parks, war ihm klar, dass dies nicht ungefährlich ist. Sein Erstlingswerk steht nämlich mit dem Turm im Wasser, und wie unter den Palazzi der italienischen Lagunenstadt Venedig, gibt auch dort der Boden nach, ganz langsam, aber immer sichtbarer. Kalkstein-Verblendungsmauerwerk fiel ab; Nässe drang ins Ziegelmauerwerk dahinter und zog hinauf zum Heuboden neben der Wachstube. Mörtel zerfiel zu Staub. Bäume drückten Buckel in die Mauern der Brücke über den Kanal. Lange Risse zwischen Haupthaus und Wachturm ziehen sich vom Boden bis zum Dach; das Gebäude, nur scheinbar aus einem Stück, reißt auseinander, weil der Turm sich zum Wasser neigt.

Turm droht abzusacken

Weil Persius verhindern wollte, dass ein schiefer Turm das Wohnhaus mit sich zieht, verzichtete er darauf, wie üblich beides miteinander zu verbinden. Er setzte Mauern "stumpf" aneinander: Wenn ein Gebäude kippt, bleibt das andere senkrecht, eine "Sollbruchstelle", wie Bereichsarchitektin Ulrike Wagner es beschreibt. "Es gibt zwar keine akute Einsturzgefahr", sagt sie, "aber die Gefahr des Wegsackens ist sichtbar", der Handlungsbedarf auch. Auf rund 2,5 Millionen Euro werden die Sanierungskosten geschätzt; allein das Dach verschlingt 500 000. Als zwingend und zeitnah notwendig wird die Instandsetzung eingestuft. Nur hat die Schlösserstiftung nicht das Geld.

Für die Grundinstandsetzung des Ensembles hat sich die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) Berlin-Brandenburg in den vergangenen Jahren immer wieder um die Finanzierung bemüht, ohne Erfolg. Mit den spärlichen Finanzen im Bauunterhalt sind nur dringendste Sicherungsmaßnahmen machbar, die Erneuerung des Kalksteinmauerwerks im Wasser etwa. Dazu musste man, wie schon zu Persius' Zeiten, eine Spundwand in den Kanal setzen und das Wasser dahinter abpumpen. Man nummerierte alle Steine, fertigte ein puzzlegleiches Verlegeschema an, entfernte die Verblendung, ergänzte und stabilisierte das getrocknete Mauerwerk. Des Winters wegen ist derzeit Sanierungspause.

Möglicher Standort für Sello-Museum

Bei der Wasserbaugelegenheit hat man gleich noch das Lattenrost geprüft, auf das der Turm gebaut wurde. Das Rost und die Gründungspfähle darunter gelten als tragsicher noch für Jahrzehnte; heimisches Holz hat die Nässe gut vertragen, weil keine Luft ans Holz gekommen ist.

Vor mehr als zehn Jahren zog der letzte Mieter aus; seither wird nicht geheizt. Das von der Abteilung Baudenkmalpflege und dem Projektteam der Garten-Ausstellung "Paradiesapfel" für die Saison 2014 etablierte Open-Air-Café "Eden" war im Sommer 2014 extrem beliebt; eine Fortsetzung scheint möglich. Ob allerdings die gastronomische Nutzung des Komplexes eine Zukunfts-Chance bietet, ist völlig offen. Die Stiftung ist hier in der Klemme. Einem Investoren müsste sie die Meierei wohl zu dessen Nutzung anbieten, als Herberge, Gaststätte oder Wohngebäude. Viel lieber aber würde sie dort eine Ausstellung zu Leben und Werk Ludwig Hermann Sellos (1800 - 1876) unterbringen. Immerhin war die Meierei sein erstes Wohnhaus; aus dem schreinartigen "Sello-Fenster" in der aus dem Park weisenden Giebelwand pflegte Sello das Werkeln seines Personals in der Gärtnerei schräg gegenüber zu kontrollieren, und im doppelstöckigen Saal unterm Dach nahm er Prüfungen ab. Auch über eine Ausstellung historischer Gartengeräte im Sockelgeschoss oder den Nebengelassen des Ensembles, dem Turm etwa, wurde schon nachgedacht, berichtet Ulrike Wagner. In den oberen Geschossen könnte sich die Stiftung unter anderem die Unterbringung von Stipendiaten vorstellen, die sich mit Forschungsprojekten den Anlagen von Sanssouci widmen. Der Haken: Die Stiftung müsste die 2,5 Millionen selbst zahlen.

Von Rainer Schüler

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