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Potsdam Die Lachse wandern wieder
Lokales Potsdam Die Lachse wandern wieder
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10:57 28.10.2016
Der Fischer Robert Frenzel setzt Junglachse ins Boot. Im Hintergrund das Wolfshagener Mühlenwehr. Quelle: Volker Oelschläger
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Potsdam/Perleberg

Punkt sieben Uhr passierte der kleine Konvoi das Tor des Instituts für Binnenfischerei (IfB) am Sacrower See – drei Fahrzeuge mit Bootsanhängern, ein Pick-up mit einer grünen Tonne und dem Aufkleber „Lebende Fische“ auf der Ladefläche.

Als es hell war, trennten sie sich. Zwei Autos bogen in Wolfshagen kurz vor Perleberg (Prignitz) an der Stepenitz ein. Wenig später kamen aus der Gegenrichtung Gert Holdensgaard und sein Kollege Jesper Togersen mit einem weißen Lkw, auf dem in vier Bottichen 45 000 Junglachse wimmelten. Um Mitternacht waren sie in der Zuchtstation an der dänischen Skjern Au aufgebrochen.

Ende des 19. Jahrhunderts verschwand der Lachs aus unserer Region. Die letzten Fänge einzelner Fische gab es in den 1930er Jahren. Mitte der 1990er Jahre begannen die Vorbereitungen, den Lachs und die ebenfalls

Gert Holdensgaard beim Umfüllen der Junglachse. Quelle: Volker Oelschläger

verschwundene Meerforelle in die Mark zurück zu holen. Seit 1999 gibt es immer Ende Oktober diesen einen Tag, an dem die Mitarbeiter des IfB gemeinsam mit Helfern des Landesanglerverbandes Junglachse aussetzen.

In der dänischen Aufzuchtstation bis auf eine Größe von sieben bis elf Zentimeter angewachsen, gelingt es einer kleinen Anzahl dieser Jungfische, sich bis zum nächsten Frühjahr für den Ausflug in die Weiten des Atlantiks zu mästen.

Mittlerweile fanden schon einige von ihnen zwei bis drei Jahre später in die Stepenitz zurück, um sich zu paaren, zu laichen und zu sterben. Am Donnerstag wurden die Jungfische über 15 Kilometer in der Stepenitz und in Nebengewässern verteilt.

Mit Eimern und Bottichen trugen die Helfer die Jungfische erst in Wolfshagen, dann in Kreuzburg, Klein Linde und Lübzow in die über die vier Stationen verteilten Boote, aus denen die Junglachse dann von einem Fischer mit dem Kescher ins Wasser gesetzt wurden, während der andere im Stehen den Kahn gemächlich den Bach hinunter steuerte wie ein Spreewaldkapitän.

Bis heute ist nicht sicher, wie und warum die Lachse zurück finden: „Er gewöhnt sich an das Gewässer, er schmeckt es, er riecht es“, vermutet

Junglachse in einem für die Aufnahme improvisierten Schauaquarium an der Stepenitz. Quelle: Volker Oelschläger

Projektleiter Steffen Zahn. Möglicherweise sondern die Fische Pheromone ab, Botenstoffe, die sie auch nach Jahren wiedererkennen. Eine Million Lachse haben die Potsdamer Wissenschaftler seit 1999 schon in der Stepenitz ausgesetzt, schätzt Zahn. 280 von ihnen, erkennbar an einem als Markierung gesetzten Flossenschnitt, sind mittlerweile zurück gekehrt.

Ein zweites Lachsritual, nicht ganz so selten wie das einmal jährliche Aussetzen der Jungfische, findet in diesen Wochen immer freitags statt. Dann fahren einige der Sacrower zu Staustufen und Wehren, von denen sie wissen, dass die Lachse bei ihrer Rückkehr stromauf nicht hinüber können. Es sind Fischfallen, die mittelfristig durch Fischtreppen und Aufstiegshilfen ersetzt werden sollen, damit die Fischschwärme wieder wie zu Urzeiten in ihre Laichgründe ziehen können.

Einstweilen hilft der Mensch. Doch längst nicht alle Lachse werden vom

Steffen Zahn im Schulungsraum des Instituts für Binnenfischerei mit Lachspräparaten. Quelle: Volker Oelschläger

Unter- ins Oberwasser getragen. Viele von ihnen kommen nun in das 2013 eröffnete Bruthaus für Lachse und Meerforellen in Silmersdorf, einem Ort zwischen Pritzwalk und Meyenburg, in dem unter Trägerschaft des Fario-Vereins eine eigene märkische Lachszucht entstehen soll.

Der erste Lachs des Jahres 2016, ein 67 Zentimeter großes Männchen, wurde am 21. Oktober in Perleberg gefangen. Der mit 1,15 Meter bislang größte Lachs in heimischen Gewässern ging 2013 einem Fischer in der Havel bei Gartz ins Netz. Der größte Fang in der Stepenitz war 1,08 Meter lang. Doch Zahn meint, dass es noch dauern wird, bis der Lachs für Angler freigegeben wird wie die Meerforelle, die seit 2010 – freilich unter strengen Auflagen – wieder angelandet werden darf.

Der Jägerhof am Sacrower See

Das Anwesen des heutigen Instituts für Binnenfischerei am Sacrower See wurde 1904 für einen Schwager des Kaisers als Jägerhof errichtet.

Nach 1922 wurde hier eine Untersuchungs-, Experimentier- und Ausbildungseinrichtung für die fischereiliche Seenbewirtschaftung eingerichtet.

Am 1. Juli 1992 wurde das Institut für Binnenfischerei als Trägerverein der Forschungseinrichtung gegründet. vo

Von Volker Oelschläger

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