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Die Rote Mauerbiene nahm Quartier

Naturschutzbund schob nahe Glindow ein Projekt für Artenvielfalt an – Die Rote Mauerbiene nahm Quartier

Nicht nur im Obstbau, auch sonst hat die Landwirtschaft hierzulande monotone Strukturen angenommen. Das ziehe nach sich, dass auch die Pflanzen- und Tierwelt verarme, erläutert Heidrun Schöning vom Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg.

Glindow. Denn mit den einst an Feldrainen verbreiteten Sträuchern und Kräutern verschwinde auch der Lebensraum für Insekten, Kleinsäuger, Kriechtiere und Vögel. Und damit fehlen Blütenbestäuber ebenso wie natürliche Schädlingsvertilger. Ein Ende 2011 gestartetes Projekt im Raum Werder/Havel soll gegensteuern, Erkenntnisse und Ergebnisse bringen, wie Obstbau und Artenvielfalt nicht nur vereinbar sind, sondern sich auch gegenseitig nützen. Partner des Nabu sind dabei die Lebensmittelkette Rewe, der Vermarktungsbetrieb Werder-Frucht und der Obstbaubetrieb Havelfrucht.

"Besonders Thomas Giese, der Geschäftsführer von Havelfrucht, war sehr interessiert", berichtet Projektkoordinatorin Schöning. Auf knapp 60 Hektar Apfelplantagen seines Unternehmens, hauptsächlich auf der Glindower Platte gelegen, wurde seitdem mit Naturschutzmaßnahmen begonnen. Die ersten Hecken kamen Ende 2011 in den Boden. Als die jungen Pflanzen im folgenden sehr trockenen Frühjahr zu verdorren drohten, erhielten sie von Havelfrucht eine Tröpfchenbewässerung. Einheimische Gehölze, die sowohl lange blühen als auch Früchte tragen, werden für die Hecken verwendet ‒ Feldahorn, Roter Hartriegel, Pfaffenhütchen, Schlehe oder Hunds- und Weinrose. Das verspricht Nahrung für Insekten und Vögel und schützt die Plantagen auch besser als ein Zaun vor Vandalismus und Diebstahl, heißt es.

Im vorigen Jahr trieb der Nabu sein Pro-Planet-Apfelprojekt entscheidend voran. Vogel-Nistkästen und Bruthöhlen wurden in den Plantagen angebracht. Wie eine Kontrolle Ende 2012 ergab, waren die meisten Nistkästen von Blau- und Kohlmeisen sowie Feldsperlingen zur Brut genutzt worden. In diesem Frühjahr kamen zwei Turmfalken-Kästen, drei Brutröhren für den Wiedehopf sowie mittlerweile 60 Fledermauskästen hinzu. Sitzkrücken für Greifvögel sollen helfen, die Mäusezahl gering zu halten. Auch die Insekten haben installierte Nistmöglichkeiten gut angenommen. Insbesondere die Rote Mauerbiene hat sie besiedelt, die den Ruf einer fleißigen Bestäuberin hat. Bei den Wildbienen seien 70 bis 80 Prozent an Sandflächen gebunden, erklärt Schöning. In Nachbarschaft zur Apfelplantage wurde eine Brachfläche gesichert, die auf Trockenrasen spezialisierten Tieren und Pflanzen Lebensraum bietet. Die am Rande der Fläche aufgeschütteten Wälle wurden mit Abbruchkanten versehen, die nun etwa Furchenbienen nutzen.

Die Blütezeit der Obstbäume ist begrenzt, aber Bienen, Hummeln und andere Nützlinge benötigen bis in den Herbst hinein Nahrung. Dafür wurde auf Restflächen in der Nähe der Obstanlagen Blühsaatgut ausgebracht. "Eine Mischung aus Kultur- und Wildpflanzen, pflegeleicht und über mehrere Jahre beständig", so die Nabu-Fachfrau, die schmunzelnd hinzufügt, die Samenmischung trage den Namen "Blühende Landschaft Ost". Damit auch in den Fahrgassen der Plantagen ein Streifen Blühpflanzen wie Klee oder Löwenzahn stehen bleibt, wurde ein neuer Mulcher angeschafft, der nur einen Teil der Fläche mäht.

Wenn Havelfrucht künftig neue Obstplantagen anlegt, soll der Nabu in der Planungsphase einbezogen werden. Er verspreche sich für seine Firma auf lange Sicht eine bessere Befruchtung der Blüten sowie eine natürliche Schädlingsminimierung, so Giese: "Für uns heißt das, wir müssen weniger chemische Mittel einsetzen."

Von Edith Mende

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