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Potsdam Die Rudelsänger werden immer mehr
Lokales Potsdam Die Rudelsänger werden immer mehr
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19:22 18.10.2017
Begeisterte Hobby-Vokalistinnen beim sechsten Potsdamer Rudelsingen.
Potsdam

Vor dem großen Saal im Kongresshotel hat sich eine Schlange gebildet. Die Menschen können es offenbar kaum abwarten, bis es losgeht. Sie treffen sich zum Rudelsingen – schon das sechste Mal in Potsdam. Beim ersten Mal waren es knapp 150 Teilnehmer, ein Jahr später etwa 100 mehr. Langsam füllen sich die Stuhlreihen. Die Stühle werden die singfreudigen Frauen und Männer später aber gar nicht brauchen. Musik und Stimmung machen sie überflüssig.

Das Rudelsingen leiten die Potsdamer Opern- und Konzertsängerin Christine Wolff und ihr Sohn Alex. Wolff hatte schon das Projekt „Aus Freude singen“ ins Leben gerufen. Da waren auf dem Theaterschiff auch zahlreiche Menschen zusammengekommen und haben beliebte deutsche und englische Lieder gesungen. „Dadurch wurde der Gründer vom Rudelsingen, David Rauterberg aus Münster, auf mich aufmerksam.“ Sie stellte sich offiziell bei ihm vor, er war begeistert und so bildete sie ein so genanntes Team: Das Team Wolff, das Rudelsingen in ganz Ostdeutschland anleitet. Mittlerweile gibt es elf Teams in ganz Deutschland. Bis zu 10 000 Menschen kommen monatlich im gesamten Bundesgebiet zusammen. Ende September gab es in Münster das 1000. Rudelsingen. Ein Spezialevent, bei dem alle elf Teams auf der Bühne standen.

„Ich finde das Singen mit Menschen schöner als das Singen vor Menschen“, sagt Christine Wolff. Sie habe sich bewusst von den Auftritten auf den großen Opern- und Konzertbühnen verabschiedet. „Diese Form der Darstellung interessiert mich einfach nicht mehr“, so die zierliche Sängerin. Das ist ein großer Schritt nach 20 Jahren im Geschäft und quasi ein Kulturschock. Hier die anspruchsvollen Arien von Händel bis Verdi, da die alten Evergreens von Abba bis Ray Charles mit Hunderten ungeschulter Stimmen.

Rudelsingen in Potsdam

Seit knapp fünf Jahren ist das Rudelsingen in Deutschland sehr beliebt, seit einem Jahr in Potsdam. Was wie ein satirisches Synonym für den Begriff „Chor“ klingt, ist eben genau das nicht: Die Menschen kommen in großen Sälen zusammen. Aber nicht zum Proben, sondern einfach aus Spaß.

Professionelle Musiker stehen auf der Bühne, spielen ein Lied vom Band und ein oder zwei Instrumente live dazu. Und singen freilich. Dazu kommt der Text an die Leinwand. Ein bisschen wie beim Karaokesingen – nur in groß und mit Anleitung.

Warum seid ihr hier? Verlegenes Lachen. Drei 16-jährige Mädchen lehnen an einem der Stehtische und wissen nicht, was sie antworten sollen. Und dann doch: „Wir finden es bisher total unterhaltsam“, sagt Jasmin Schröder. „Die Atmosphäre ist einfach cool und die Leute tanzen und sind ausgelassen.“

Zwei, die besonders laut und ausgelassen mitsingen, sind die Schwestern Karin (52) und Astrid Butzin (42). Beim „Chianti Wein“ treffen die beiden die höchsten Töne. Direkt im Anschluss gibt es die erste Pause. Die nutzt ein fremder Mann sofort, um die beiden kurzum anzusprechen: „Die Opernnummer, die ihr hier gegeben habt, war klasse. Das wollte ich euch sagen.“ Die Frauen lachen. Sie sind das erste Mal da. „Wir haben Plakate gesehen und waren neugierig, was sich dahinter verbirgt“, sagt Astrid Butzin laut, noch berauscht vom ersten Block des Programms. „Wir singen einfach gerne, mehr ist es nicht.“

Ähnlich ist es bei Beate Pezold. „Ich kann nicht singen“, sagt die 50-Jährige. „Ich habe aber Spaß dran. Deswegen finde ich die Veranstaltung klasse. Man kann unkompliziert herkommen, hat Spaß, geht nach Hause und fühlt sich super. Das Singen macht einfach glücklich, und ich meine den Satz nicht so platt, wie er klingt.“ Sie ist mit einer Freundin das fünfte Mal da. „Wir sind Singschwestern“, sagt Kathrin Sensenhauer (49). „Mit manchen Liedern verbindet man schöne Erinnerungen und vor allem Emotionen, und das macht daraus einen so gelungenen Abend.“

Überall auf den Stehtischen liegen Flyer. Sie verkünden das nächste Rudelsingen im Kongresshotel. Es ist der 10. Dezember, der zweite Advent. „Sie können sich schon jetzt auf tolle Weihnachtslieder freuen, auf Deutsch und Englisch“, kündigt auch Christine Wolff auf der Bühne das nächste Gruppensingen an. Keine Frage: so begeistert, wie die Menschen auf dem vergangenen Rudelsingen waren, werden sie auch die nächsten Lieder laut mitsingen.

Von Annika Jensen

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