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Potsdam Die Rückkehr der Kellertorwache
Lokales Potsdam Die Rückkehr der Kellertorwache
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05:55 19.06.2017
Historiker Willo Göpel ist der Bauherr der Kellertorwache, in der er mit seiner Frau und den beiden Kindern lebt. Quelle: Christel Köster
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Innenstadt

Potsdam ist um ein neues altes Wahrzeichen reicher. Am Wochenende sind die letzten Gerüste an der wiedererrichteten Kellertorwache an der Ecke zwischen der Straße Am Kanal und der Großen Fischerstraße gefallen. Bauherren sind der Projektentwickler und Historiker Willo Göpel und seine Frau Isabel Geigenberger, die mit ihren beiden Kindern in dem Haus leben.

Göpel ist Mitbegründer des Bauvereins „Potsdamer Stadtkanal 1722“. Mit der Wiedererrichtung der zerstörten Kellertorwache am Stadtkanal wollte Göpel eine Leerstelle im Innenstadtgefüge schließen. Auch das einstige Stadttor – bestehend aus zwei steinernen Pfeilern an der Kanalmündung – wurde rekonstruiert. „Das Kellertor ist jetzt wieder eines von vier Stadttoren, die in Potsdam noch vollständig sichtbar sind“, erläutert der Vereinschef.

Die Kellertorwache im Jahr 1911 Quelle: Willo Göpel

2015 hatte die Stadt dem Ehepaar Geigenberger-Göpel das Grundstück mit der Auflage verkauft, das Haus maßstabs- und profilgetreu wiederaufzubauen. Ein Detail an der Vorderfront ist jedoch neu: Anstelle der mittig angebrachten Trophäe, deren Wiederherstellung nicht gefordert wurde, bringt eine Fledermausgaube Licht in das ausgebaute Dachgeschoss. Auf dem Ex-Lagerplatz an der Wasserseite hat die Stadt einen kleinen öffentlichen Park auf der Kellertorspitze anlegen lassen. Von dort führt ein Weg zum Kanal. Für Anrainer Göpel steht fest: „Das Ufer des Stadtkanals muss öffentlich bleiben, damit alle die Faszination dieser Potsdamer Gracht erleben können.“ Der Soldatenkönig hatte sich bei einer Hollandreise die Inspiration für das Projekt geholt.

Geschichtsfreunden dürfte beim Anblick der rostrot gestrichenen Wache mit den ockergelben Säulen das Herz höher schlagen. Schließlich rankten sich viele schöne Anekdoten um das Original, das vermutlich 1788 nach Plänen von Georg Christian Unger errichtet und 1945 von einer russischen Granate getroffen wurde. Den Rest ließ der Magistrat um 1960 abreißen.

Kellertorwache 1930 Quelle: Willo Göpel

Bemerkenswert ist das mutmaßliche Vorbild für den Bau: Ein Musikpavillon in Louveciennes bei Paris, den sich Madame du Barry – ihres Zeichens die Mätresse von Ludwig XV. – Anfang der 1770er Jahre errichten ließ. In der Mark war die Nutzung des vornehm anmutenden Gebäudes viel bodenständiger. Es diente als Wach- und Steuerhaus. Hier waren zwei Grenadiere und ein königlicher Steuerbeamter stationiert, der die Akzise – die Mehrwertsteuer – auf zu Wasser eingeführte Waren abkassierte. So durften Fischer nicht einfach mit ihrem Fang in die Stadt fahren, sondern mussten ihre Ware erst einmal verzollen. Die Wachen am Tor sollten dafür sorgen, dass keine desertierenden Soldaten türmen konnten.

Bei der Rekonstruktion des Torhauses musste sich Göpel auf altes Bildmaterial und zwei Aufmaße aus den 1920er Jahren stützen. Für den Neubau mit rund 200 Quadratmetern Wohnraum behalf man sich mit Ziegeln aus Thüringen, denn märkische Ziegel in der benötigten Größe werden nicht mehr produziert. Die Römerhelme aus Sandstein auf dem Dach hatten im Barock symbolische Bedeutung: Rom wurde mit Zivilisation gleichgesetzt.

Kellertorwache 1958. Quelle: Willo Göpel

Obwohl das 2015 begonnene Gebäude nun bezogen ist, bleiben bei Göpel dennoch Wünsche für die Umgebung offen. „Schade ist, dass sich die Stadt der Idee einer Kanu-Ausstiegs- und Biwakstelle verschließt“, bedauert er. Dabei hätten mehrere Nachbarn Bedarf für einen Ein- und Ausstieg angemeldet

In seiner Eigenschaft als Vereinschef peilt Göpel als nächstes Ziel eine Fortsetzung des Stadtkanals von der Heilig-Geist-Straße bis zur Berliner Brücke an. Da auf dieser Strecke keine Leitungen das ehemalige Kanalbett queren, wäre eine Wiederherstellung für drei bis vier Millionen Euro machbar, so Göpel. Dafür sollen unter anderem Fördergelder des Landes eingeworben werden. Auch für die Kellertorbrücke gibt es Ideen: Statt eines Nachbaus aus Stein könnte eine Holzklappbrücke im holländischen Stil errichtet werden – für einen Bruchteil der Kosten.

Kellertorwache 2017 Quelle: Christel Köster

Die Wache an der Straße zum Weinkeller

Das Kellertor war nach der zum kurfürstlichen Weinkeller führenden Kellerstraße (heute: Heilig-Geist-Straße) benannt. Es war eines von zehn historischen Potsdamer Stadttoren.

Zusammen mit den Resten der Stadtmauer von 1722 in der Großen Fischerstraße und dem Beginn des Stadtkanals markierte das Tor den östlichen Zugang der Stadt zu Wasser. Nach einem hölzernen Provisorium ließ Friedrich II. das Tor mit Brücke und Kanal zum malerischen Ensemble umbauen.

Das frühklassizistische Wach- und Steuerhaus mit seiner noch spätbarocken Dekoration entstand erst kurz nach Friedrichs Tod.

Nach dem Ende der Nutzung als Steuerhaus unterhielt die Stadt am Kellertor eine Art Güterbahnhof zu Wasser. Das Torhaus war an eine Spedition vermietet, ehe es 1945 großteils zerstört wurde.

Von Ildiko Röd

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