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Die Sonnenfinsternis in Potsdam

Naturschauspiel Die Sonnenfinsternis in Potsdam

Am Freitag um 9.38 Uhr war es so weit: Die partielle Sonnenfinsternis, bei der sich der Mond allmählich vor die Sonne schiebt, sorgte vielerorts für staunende Blicke gen Himmel – aber bitte nur mit entsprechender Schutzbrille. Das Filmgymnasium Babelsberg hatte für seine Schüler 100 solcher Brillen organisiert.

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Auf der Dachterrasse des Potsdamer Landtages gucken Rena Peterson (l.) und Manuela Müller durch ihre Brillen in die Sonne

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Diese Hofpause werden die Schüler des Babelsberger Filmgymnasiums sicher noch in langer Erinnerung behalten. Dem Besucher bot sich ein vertrautes und doch leicht verändertes Bild. Grüppchenbildung auf dem Schulhof ist nicht wirklich neu, dass aber jede dieser Gruppen 3D-ähnliche Brillen auf der Nase und den Blick gen Himmel gerichtet hat, das ist nicht alle Tage zu sehen. Nein, das passiert nur, wenn mal wieder eine Sonnenfinsternis ansteht.

Einhundert Spezial-Brillen hatte der Fachbereich Physik für die Schüler organisiert, diese konnten für eine Leihgebühr von einem Euro ausgeliehen werden. „Jeder sollte die Brille dann wieder zurückgeben, damit andere Schüler auch die Möglichkeit haben, sich die Sonnenfinsternis anzugucken“, erklärt Vincent Lehmann. Der 18-Jährige bewacht Brillen und Kassen, damit nichts abhanden kommt. Das Geld kommt möglicherweise dem diesjährigen Abiball zugute, fest stehe das aber noch nicht, sagt Vincent.

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Die partielle Sonnenfinsternis am 20. März 2015 lockte viele Menschen in Brandenburg und Berlin zur Beobachtung auf die Straße.

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Wie auf’s Stichwort ertönte auch sogleich eine Durchsage: „Bitte denkt daran, die Brillen wieder zurückzugeben, nachdem ihr sie benutzt habt. Ihr habt sie nur geliehen, nicht gekauft.“

„Ein Stück von der Sonne abgebissen“

„Das sieht aus, als hätte jemand ein Stück von der Sonne abgebissen“, sagt Bianca Behnick (18) begeistert. Gemeinsam mit ihrer Freundin Esther Bartke (17) managt sie die Brillenvergabe. Die beiden wurden von ihrer Lehrerin extra für die Zeit vom Unterricht befreit.

Pia Mager aus Babelsberg und ihre Freundin Zoe Delor aus Werder besuchen die neunte Klasse des Filmgymnasiums und haben auch schon einen Blick auf das Spektakel am Himmel geworfen. „Das war lustig, weil normalerweise sieht man durch diese Brillen nichts. Nur, wenn man direkt auf die Sonne guckt“, erzählt Pia. Und Zoe ergänzt: „Damit jeder mal die Möglichkeit hat, sich die Sonnenfinsternis anzusehen, sind die Klassen gestaffelt raus, immer so zehn Minuten lang.“

Etwas abseits fällt eine kleinere Gruppe Schüler ins Auge, die keine Brillen auf der Nase hat, aber trotzdem die Sonnenfinsternis beobachtet. Zwei von ihnen spannen zwischen sich eine große goldene Decke, die das Sonnenlicht reflektiert – sie erinnert stark an eine Rettungsdecke aus dem Erste-Hilfe-Kasten. Unsere Nachfrage macht klar: Es ist eine Rettungsdecke aus dem Notfallkasten, die sich die Schüler der Medienschule Babelsberg organisiert haben.

„Wir haben im Internet gelesen, dass das mit so einer Decke auch geht. Es soll auch nicht schädlich für die Augen sein, weil die Decke aufgebaut ist, wie die Folie der Brillen“, erklärt Alexander Robé. Der 29-Jährige macht gerade sein Fachabi an der Medienschule. „Das ist eben kostenlos und noch sind meine Augen auch in Ordnung“, sagt er und lacht.

Nur Schüler mit Schutzbrille durften zur Hofpause

Anderes sah es in den Grundschulen der Stadt aus. An der Weidenhof-Grundschule beispielsweise durften nur die Schüler raus auf den Schulhof, die eine entsprechende Sonnenfinsternis-Brille von Zuhause mitgebracht hatten. Alle anderen mussten drin bleiben. „Wir können natürlich keine allgemeine Haftung übernehmen, wenn ein Kind direkt in die Sonne schaut und sich verletzt“, sagte Schulleiterin Ute Goldberg am Freitag. Daher habe die Schule alle Eltern gut anderthalb Wochen vor der Finsternis informiert und gebeten, selbst Brillen für ihre Sprösslinge zu besorgen. Doch auch wer am Freitag keine Brille dabei hatte, musste nicht enttäuscht sein: „Die Kinder haben sich untereinander ganz gut ausgetauscht“, erzählt Goldberg.

Ein wahres Familienspektakel war die Beobachtung der Sonnenfinsternis im Potsdamer Leibniz-Institut für Astrophysik (AIP), wie Sprecherin Kerstin Monk erzählt. Einige Besucher seien schon vor dem offiziellen Beginn um 9.30 Uhr an der Sternwarte gewesen. Am vollsten sei es dann gegen 10 Uhr gewesen – Kerstin Monk schätzt, dass rund 250 Besucher zur Beobachtung der partiellen Finsternis anwesend waren – darunter auch zwei Schulklassen mit Erst- und Zweitklässlern.

An zwei Teleskopen, zwei Projektionen und eben mit den Brillen habe man die Verdeckung der Sonne durch den Mond beobachten können – 160 Brillen hatte das AIP geordert. Die Sonnenphysiker des Instituts standen den Besuchern zur Seite und erklärten den Vorgang am Himmel.

Nächste Finsternis 2081

Zu ernsthaften Verletzungen kam es in Potsdam zum Glück nicht. Wie Damaris Hunsmann vom Ernst-von-Bergmann-Klinikum der MAZ sagte, habe sich dort niemand behandeln lassen.

Um 9.38 Uhr begann der Mond, sich vor die Sonne zu schieben, die maximale Verdeckung war mit 75 Prozent dann um 10.47 erreicht.

Die totale Bedeckung war bei der diesjährigen Finsternis lediglich vom Nordatlantik aus zu sehen.

Die nächste totale Sonnenfinsternis in Deutschland ist am 3. September 2081 zu sehen.

Von Anne-Kathrin Fischer, Juliane Lohse und Josephine Mühln

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